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Interview

"Ein Kunde gab der Kellnerin 100.000 Euro Trinkgeld - weil ihm der Abend so gut gefiel"

Mallorca ist angesagt wie nie zuvor. Es strömt viel neues Geld auf die Insel. Einer, der sich um die Reichen kümmert, ist Deniz Demirdizen. Er ist deren Vertrauensperson und kennt ihre Wünsche. Im Gespräch gibt er einen Einblick in das luxuriöse Mallorca.

Von Joachim Rienhardt

Yachten im Hafen von Palma de Mallorca mit der angestrahlten Kathedrale

Tummelplatz der Reichen und der Schönen: Yachten im Hafen von Palma de Mallorca mit der angestrahlten Kathedrale.

Geht es nach der Regierung, soll der Ballermann- bald der Vergangenheit angehören und die Insel ein Hort für Betuchte werden. Spürt man das schon?

wird von reichen Menschen im Moment geradezu überlaufen. Auf der Fahrt ins Büro habe ich heute einige der größten Privatyachten der Welt im Hafen gesehen. Es werden immer mehr. Hier steigen Partys, die schon mal eine Million Euro pro Nacht kosten. Vergangene Woche war ich mit einem Kunden beim Essen, der hat der Kellnerin 100.000 Dollar Trinkgeld gegeben, weil ihm der Abend so gut gefiel.

Wer war das denn?

Es war ein Osteuropäer, mehr kann ich nicht sagen. Mein Geschäft verpflichtet zu Diskretion.

Gehören die Reichen und Schönen, die jetzt kommen, zum üblichen Partyvolk, das bald weiterzieht? Bleibt das nur eine vorübergehende Erscheinung?

Das ist schon nachhaltig. Da gibt es viele, die sich ernsthaft hier niederlassen wollen. Aber bei aller Euphorie: Bei einer so guten Marktlage, wie wir sie auf Mallorca derzeit haben, lassen auch die Glücksritter nicht lange auf sich warten. Wir sind auf einer Insel, da gibt es nun mal auch Treibholz. Es gibt etliche, die über Nacht ihr Vermögen durch windige Geschäfte vervielfachen wollen. Als Mandanten nehme ich die natürlich nicht. Fantasten halten immer nur einen Sommer durch, dann sind sie wieder weg. Man kann die leicht erkennen.

Wie denn?

Ich bekomme jede Woche irgendwelche Anlage- oder vermeintlich super Geschäftsideen vorgestellt, die sich in der Regel als Unsinn herausstellen. Ein Klassiker ist, dass uns jemand Immobilien zum Verkauf anbietet, der Eigentümer aber weder eine Verkaufsabsicht hat, noch den selbst ernannten Makler überhaupt kennt. Viele werfen mit großen Zahlen um sich, fragen dann bei der Sekretärin aber nach der Buslinie, weil das günstiger wäre als ein . Das passt nicht zusammen.

Gab es das nicht immer?

Klar, aber es werden immer mehr. Doch seit etwa drei Jahren wandelt sich Mallorca und zieht immer mehr seriöse Leute mit Geld an. Oft Unternehmer, die ihre Zweit- oder Drittresidenz zum Lebensmittelpunkt machen wollen. Wir betreuen oft Umsiedlungen ganzer Familien. Die Familie lebt dann auf der Insel in einem sehr schönen Umfeld, die Väter pendeln regelmäßig. Oder sie führen Ihre Firmen zum Teil gleich ganz von der Insel.

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Katamaran in einer einsamen Bucht Mallorcas

Aus der Drohnenperspektive: ein Katamaran schwebt in einer Bucht auf dem kristallklaren Wasser


Wie erklären Sie sich diese Verschiebung?

Mallorca liegt geopolitisch extrem günstig, die Kriminalitätsrate ist gering, die Lebensqualität hoch und das Flair wird immer internationaler. Viele sind auch mit der Situation in ihrem Heimatland Deutschland unzufrieden, sie suchen nach Alternativen.

Sie suchen auf Mallorca das gelobte Land. Ist es das?

Man kann extrem gut auf der Insel leben, aber das hat auch seinen Preis. Die Mallorquiner wissen um ihre Position in der aktuellen Weltlage. Um auf Mallorca Geld zu verdienen, arbeitet man härter. Und um auf Mallorca schön zu leben, zahlt man mehr. Das sage ich jedem gleich am Anfang, da muss man offen reden. Die Chemie muss stimmen. Schließlich betreue ich Mandanten bei der Durchführung ihrer wirtschaftlichen Vorhaben, steuere das Gesamtvermögen mit. Das fängt an bei der Auswahl passender Investitionsvorhaben. Da ist man natürlich fester Ansprechpartner für persönliche Fragestellungen.

Zum Beispiel?

Es gibt viele Mittelständler, die ihr Leben lang hart gearbeitet und sich ein großes Vermögen aufgebaut haben. Die sind in großer Sorge, dass ihre Nachfahren alles verjubeln. Es gibt den Unterschied zwischen altem und neuem Geld. Es kommt immer mehr neues Geld.

Wie äußert sich das?

Vom den 1000 reichsten Deutschen besitzen 95 Prozent schon sehr lange Immobilien auf der Insel. Sie hatten schon immer einen Bezugspunkt zu den Balearen. Das große Geld kommt meist auf leisen Sohlen. Nun strömt immer mehr neues Geld auf die Insel. Junge Menschen, die ihr Internet-Unternehmen verkauft haben. Oder eben sehr junge Erben. Die zeigen sich gerne in der Öffentlichkeit, bringen oft gleich eine ganze Entourage mit. Das fällt auf.

Wodurch?

Es wird sehr viel gefeiert und der Reichtum wird auch gerne zur Schau gestellt. Partys auf Luxusyachten mit Models, Stars und Sternchen. Nichts, was man typischerweise mit dem deutschen Mittelstand verbindet. Da sind auch ein paar Millionen recht schnell verblasen.

Zum Beispiel wie?

50.000 Euro für einen Tisch auf einer Party für sich und seine Freunde, mehr Champagner als man trinken kann. Aber es ist für viele betagte Unternehmer ein Grauen, wenn sie sehen, wie ihre Kinder mit dem Geld um sich werfen.

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Feiern auf Mallorca

Männerüberschuss am Strand von El Arenal. Da muss eine aufblasbare Sexpuppe herhalten, die auch als Luftmatratze auf dem Wasser benutzt wird.


Was raten Sie da?

Ich bin im Wesentlichen Bindeglied zwischen den Wertvorstellungen der Elterngeneration und den Erwartungen der jungen Leute. Ich weiß, wo und wie sie feiern. Das hilft, um einen Zugang zu finden. Ich erkläre den Kids halt, dass das auf Dauer kein funktionierendes Lebensmodel sein kann, Geld zu verbrennen.

Sind da nicht viele beratungsresistent?

Ja, häufig schon. Die wissen es im Vorfeld oft besser oder haben Freunde, die jemand kennen, der es auf jeden Fall besser wissen könnte. Oder es gibt den besagten Schwager 102. Grades, der alles weiß. Da wird häufig viel Geld schlecht investiert. Wenn nichts mehr da ist, geht häufig von den Freunden auch keiner mehr ans Telefon.

Was sagen Sie, wenn Sie merken, dass Gefahr im Verzug ist?

Dass das Auffegen von Scherben immer teurer ist, als die Dinge im Vorfeld ordentlich zu planen. Ich werde für eine objektive Meinung bezahlt. Wenn die Leute einen Ja-und-Amen-Sager suchen, dann sind sie bei mir an der falschen Adresse.

Und die bleiben dann trotzdem bei Ihnen?

Ja, viele. Im Grunde geht es ja allen wie dem klassischen Mittelstand, Sportlern oder etlichen Prominenten. Die haben im Zweifel ja gar keine Zeit, Lust oder das entsprechende Fachwissen, um sich um alles selber zu kümmern. Die möchten, dass ich deren wirtschaftlichen Aktivitäten koordiniere und Probleme löse. Die brauchen alle unser Fachwissen, Expertise, Sprachkenntnisse. Ohne geht es nicht. Beispiele gibt es genug.


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