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17. April 2008, 12:18 Uhr

Nie wieder umsteigen in Paris

Wie schafft man es, aus einer simplen Umsteigeaktion den maximalen Horror herauszuholen? Die Air France weiß Rat. Von Stéphanie Souron

Am Flughafen Paris Orly: Wie komme ich zur Bushaltestelle?© Christophe Ena/AP

Den Hinweis hatte das Reisebüro im Kleingedruckten versteckt: "Sie müssen in Paris den Flughafen wechseln." Ich las den Zettel, während ich meine Garderobe für die Reise in den Indischen Ozean zusammenpackte und widmete dem Satz weiter keine Beachtung.

Nach der Landung auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle zeigte sich schnell, wie viel Horror die dürren Worte ankündigten: Air France ist nicht in der Lage, ein Gepäckstück durch Paris zu transportieren. Alle Passagiere, deren Anschlussflug am Flughafen Orly abhebt, müssen ihr Gepäck am Kofferband einsammeln und selbst zum Bus schleppen. Doch - wo fährt der los? Schilder gibt es nicht, und erst nach langem Umherirren findet sich jemand, der weiß, wo es langgeht: "Tür 17, dort rechts entlang", heißt es. Schon nach einer halben Stunde Wartezeit biegt tatsächlich ein Bus um die Ecke. "18 Euro, s'il vous plaît!", schnarrt der Fahrer, nachdem er einen Blick auf das Flugticket geworfen hat. Den ärgerlich hohen Fahrpreis muss ich zahlen, weil mein Reiseziel innerfranzösisch ist. Dass es sich um eine französische Insel am anderen Ende der Welt handelt, spielt keine Rolle. Kostenlos ist der Shuttlebus nur für Urlauber mit Flugzielen im Ausland. Auf der 60-minütigen Fahrt durch den Pariser Stau formuliere ich im Geiste einen Beschwerdebrief an die Airline.

Bei der Rückreise ist der Ärger fast vergessen

Nach einer Nacht in der Luft setzt die Maschine um sechs Uhr morgens in Orly auf. Eine freundliche Dame verteilt die Bordkarten für die Anschlussflüge. "Terminal 2, Gate 5, Sitz 7a" steht auf meiner. Abflug 11.10 Uhr. Ach ja, und der Bus nach Charles de Gaulle ist nun kostenlos, weil ich ja von dort ins Ausland fliege.

Flugzeuge der Air France in Orly© Remy de la Mauviniere/AP

Am Umsteigeflughafen setzt Air France dann alle Hebel in Bewegung, um aus friedlichen Passagieren gewaltbereite Exkunden zu machen: Die Koffer, lernen wir, können wir erst 90 Minuten vor dem Start aufgeben. Ich muss also zwei Stunden mit dem Gepäck in der ungemütlichen Schalterhalle verbringen. In den Schnellrestaurants ist es nicht viel behaglicher, die Gänge zwischen den Tischen sind mit Gepäckwagen zugestellt - auch hier sitzen Beladene ihre Strafzeit ab. Um 9.40 Uhr checke ich endlich meine Tasche ein. Die Dame guckt auf das Bordticket und weist den Weg zur Sicherheitskontrolle.

Als um 11 Uhr der Flug nach Hamburg am Gate 5 immer noch nicht angezeigt wird, suche ich Hilfe bei den Airline-Angestellten am Flugsteig nebenan. "Was? Nach Hamburg wollen Sie? Der Flug ist doch längst abgefertigt - am Gate 13." Wie recht der Mann hat. Die Angaben auf meiner Bordkarte sind längst überholt, das Abfluggate hat sich geändert - doch weder die Frau am Kofferschalter noch irgendeine Durchsage haben darauf hingewiesen. "Aber weil wir sehr kulant sind, versuchen wir, Sie auf die nächste Maschine umzubuchen", sagt der Air-France-Angestellte. Kulant? Hallo? "Das ist aber doch alles Ihr Fehler", protestiere ich, während meine Halsschlagader anschwillt. So etwas passiere hier öfter, entschuldigt sich der Angestellte mit verdächtiger Routine und verweist auf einen schmuddeligen Warteraum. Ein "Geheimtipp" soll das sein, wegen der Liegestühle. Statt zu Hause im Bett liege ich nun hier auf einem vergammelten Liegegerät und formuliere weiter an meinem Beschwerdebrief. Als vier Stunden später endlich der Flieger Richtung Heimat abhebt, habe ich mein kilometerlanges Schreiben an die Air France - geistig - längst zusammengeknüllt und weggeworfen: Wenn einer Fluggesellschaft die Passagiere egal sind, was kümmert sie dann deren Beschwerden?

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 16/2008

Von Stéphanie Souron
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
senatorin (19.04.2008, 23:17 Uhr)
Paris meiden
Ich kann die Erfahrungen der Autorin nur bestätigen: Selten dockt der Fliegen an ein Gate direkt an, immer Umsteigen in Busse zum Terminal, verpasste Anschlussflüge und Personal, das überhaupt nicht hilfreich ist. Einmal musste ich schon wegen AF im billigen Ibis-Hotel übernachten. In einer Umfrage schnitt kürzlich der Flughafen als der schlechteste in Europa ab. Nur Heathrow ist gefühlt für mich noch schlimmer. Die Angestellten von AF handeln nach dem Motto: Das einzige, was stört sind die Kunden...
DerJetlagger (19.04.2008, 09:18 Uhr)
Weiterflug am anderen Flughafen?
Hm, musste ein bisschen Schmunzeln. Ich kenn die Situation sehr gut. Alitalia und italienische Flughäfen vermeide ich mittlerweile auch als Umsteige.
Ausserdem buche ich keine Flüge (mehr) mit Anschluss an einem anderen Flughafen. Am Ende ist das meistens teurer, stresst immer und man hat zu viele unberechenbare Risikofaktoren den Flieger zu verpassen. Ausnahme: Ich bleib ein paar Tage in Paris und fliege dann weiter. Übrigens, ich denke es macht Sinn seinem Ärger vor Ort gleich Luft zu machen. Wenn ein berechtigter Fehler vorliegt, dann springt vielleicht sogar ein extra Voucher für Essen oder sogar für einen weiteren Flug heraus.
chinareise (18.04.2008, 14:52 Uhr)
Air France
Sorry, aber so unbedarft sollte man(n) nicht auf eine Reise gehen. Es kann sich auf allen Flughäfen der Welt jederzeit etwas ändern, deshalb ist man(n) wohl oder über auch verpflichtet sich selber darüber zu informieren ob die gegebenen Auskünfte noch aktuell sind.
Mme.Tortue (18.04.2008, 06:28 Uhr)
Air France & GDC
meide ich wie der Teufel das Weihwasser und schliesse mich den Ausfuehrungen von Molch66 voll und ganz an.
KHDecker (17.04.2008, 16:41 Uhr)
Paris - auch für's Gepäck ganz nett
Es ist zwar schon eine Weile her, da flog ich von Nürnberg über Paris nach Mexico City, um dort eine Woche geschäftlich zu bleiben.
Nur leider wusste mein koffer nicht, dass ich nach Mexico geflogen war, er blieb in Paris. Immerhin wurde er mir 1 Woche nachdem ich wieder zu Hause war wieder zugestellt. Ait France brauchte also 2 Wochen, um meinen Koffer zu finden.
Das war besonders darum sehr ärgerlich, da ich mich für meine Termine völlig neu einkleiden musste.
Seit dem meide ich sowohl Air France als auch Paris wie der Teufel das Weihwasser!
Molch66 (17.04.2008, 16:37 Uhr)
Ewige Besserwisser
Boah, wie sie wieder alles besser wissen! "Jeder fängt mal klein an" "so verhalten sich nur Anfänger"... Hallo? Ich bin selbst Vielflieger. Und selbst die größte Routine, die besten Checks vor Abflug, die weitsichtigsten Vorkehrungen helfen einem nicht, wenn irgendein klitzekleines Glied in der Kette nicht funktioniert. Das gehört zur Tagesordnung, mal nen Flieger zu verpassen oder ärgerlicherweise durch ganz Paris zu gondeln - wer selbst schonmal in CDG war weiß, dass es keinen servicefremderen Flughafen weltweit gibt als diesen. Da sind selbst die Afrikaner mit ihrem manuellen Check-In System (ja, es geht noch ohne Computer!) fortschrittlicher.
Und hallo - es handelt sich bei diesem Artikel um eine KOLUMNE - also einen aus journalistischer Sicht nicht besonders wertvollen, dafür amüsanten Artikel. Da muss nicht sofort jeder auf den Autor schimpfen was für ein "Anfänger" er sei.
robertopi (17.04.2008, 16:25 Uhr)
nur bedingtes mitleid
Also ich muss auch sagen, dass ich den Ärger nur bedingt verstehe. Vielflieger wissen doch, dass man vor Abflug noch besser zigmal das Gate checkt. Auch der Flughafen-Wechsel hätte früher erkannt werden können...
sarkas (17.04.2008, 16:20 Uhr)
Denk ich an Paris(CDG) in der Nacht, ..
bin ich um den Schlaf im Urlaub gebracht..
Schlimmer geht nimmer!
Im Okt.07, von Chicago kommend, mit leichter Verspaetung 15min, war es nicht zu schaffen, den bestätigten Anschluss nach Nuermberg zu erreichen.
Nach einem Marathon-Lauf durch CDG, schweissnass, mit haengender Zunge, ausser Atem am Gate mit knapp 10 Min Versp.angekommen: Flieger weg,
2h Wartezeit + je 1ne Brotzeit.
Auf dem Hinflug, wurden wir mit einem Kleinbus durch CDG kutschiert, Paris - Dakar kann nicht viel schlimmer sein.
Es gibt jedoch eine Moeglichkeit:
Bei der Flugbestaetigung, Internet oder persoenlich, ein Handicap angeben, dann hat man zumindest eine bessere Chance, den Anschluss in CDG zu erreichen, da man vor/mit den 1.Klasse Passagieren aussteigen kann und ein Fahrzeug bereit steht.
LaukeMedia (17.04.2008, 15:55 Uhr)
Aber...aber...
...Du "erfahrener" Vielflieger! Jeder fängt halt mal klein an! Wir war mal das "OPFER" von AL ITALIA - die ja - dank "Großmaul" Berlusconi (!!!) jetzt wohl bald endgültig vom Markt ist! UND DAS IST GUT SO!!!
Bruschetta (17.04.2008, 15:54 Uhr)
Teils...teils
In Zeiten von Kost-ja-nix-Flügen ändern renommierte Fluggesellschaften ebenso ihre Gebührensätze und Serviceleistungen, wie die Flugdiscounter. Dazu fast täglich neue Spielregeln an den Flughäfen. Den Gatewechsel zu verschlafen ist schon etwas fahrlässig, andere haben ihn ja offensichtlich mitbekommen.
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