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2. Januar 2010, 11:05 Uhr

Mit Helm, Protektor und Fitness

Vor einem Jahr kollidierte der damalige thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus in der österreichischen Steiermark mit einer Skifahrerin. Wie können Skipisten sicherer werden? In der Schweiz versucht man es mit Tempo-30-Zonen. Von Marina Kramper

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Achtung, Kreuzung! Vor gefährlichen Stellen auf Pisten wird gewarnt© Oliver Lang/DDP

Wer hat's erfunden? Die Schweizer! Im Skigebiet First, oberhalb von Grindelwald im Berner Oberland, gibt es die erste Tempo-30-Piste seit Skilaufen zum Volkssport wurde. Der schwere Unfall des ehemaligen thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus löste in vielen Skigebieten in den Alpen eine Grundsatzdebatte aus. Diskutiert wurde über Helmpflicht, Geschwindigkeitsbegrenzungen und Pistenkontrollen. Seitdem der überwiegende Teil der Skifahrer mit Carver-Modellen unterwegs ist, die große und schnelle Schwünge unterstützen, hat sich das Tempo auf vielen Pisten verschärft.

Tempo 30 für die Sicherheit

Eine Skipiste mutiert an einem schönen Sonnentag zu einer Autobahn bei Ferienbeginn: Trickskifahrer, Snowboarder und langsamere Feriencarver treffen auf begrenztem Raum zusammen. Daher gibt es im schweizerischen Grindelwald seit Kurzem eine Spielwiese für jeden Skityp: auf der einen Seite die Tempo-30-Piste, auf der anderen der Snowpark, die Freeride Zonen und die schnellen Pisten. "Es gab viele Gästebeschwerden über Rennfahrer auf Brettern, die zu dicht an anderen Skifahrern vorbei heizen", erzählt Andreas Heim, Grindelwalder Rettungschef. Nach der Einrichtung der Tempo-30-Zone ist die Zahl der Kollisionen zurückgegangen.

Geblitzt wird auf der Tempo 30 Piste nicht, aber ein Geschwindigkeitsmesser zeigt dem Skifahrer sein aktuelles Tempo an. Tempo 30 heißt: gemütliches Fahren. Drei Patrouille-Fahrer picken die Raser aus der Menge. "Die, die zu schnell fahren, erkennen wir sofort. Entweder sie reduzieren ihre Geschwindigkeit, oder sie verlassen die Bahn".

Mit Helm, Protektor und Fitness

Für die Sicherheit auf den Pisten sind die Betreiber der Skilifte verantwortlich. Schilder warnen vor Pistenrändern und Kreuzungen, Hindernisse müssen mit dicken Matten umwickelt sein. Fehlt eine dieser Sicherheitsvorkehrungen und passiert genau dort ein Unfall, so kann der Skifahrer den Skiliftbetreiber rechtlich zur Verantwortung ziehen. Anders verhält es sich bei den selbstverursachten Unfällen. "Wenn jemand mit 80 Stundenkilometern in eine von uns markierte Kreuzung hinein fährt und einen Unfall verursacht, können wir nicht sofort beweisen, dass der Fahrer zu schnell gefahren ist. Aber man kann vom Gewicht des Skifahrers und der Stärke der Verletzungen die Geschwindigkeit rekonstruieren. Das hat strafrechtliche Folgen", so Andreas Reim.

Damit es dazu gar nicht erst kommt, hat der internationale Skiverband FIS zehn Verhaltensregeln für das Fahren auf den Pisten herausgegeben. (siehe Fotostrecke) Eigenverantwortung ist beim Skifahren das oberste Gebot. Die fängt schon zu Hause an. "Eine gewisse Grundkondition muss vorhanden sein. Wenn das Skifahren nicht mit entsprechendem Sport vorbereitet wurde, ist man einfach überfordert. Wir holen täglich Leute mit dem Schneemobil ab, die sind gar nicht verletzt, die haben nicht mehr die Kraft, alleine ins Tal zufahren", so Heim. Außer der Fitness sollte ein Helm zur Grundausstattung zählen. Rückenprotektoren sind eine sinnvolle Ergänzung.

Abseits der Piste nur mit Rücksack und Guide

Für die Freerider und Tiefschneefahrer gelten zusätzliche Regeln. Das Fahren abseits der markierten Pisten geschieht grundsätzlich auf eigene Verantwortung. Ortsfremde sollten sich in jedem Fall einer Gruppe anschließen oder sich einen Führer buchen. Das größte Risiko beim Fahren abseits der Pisten sind Lawinen. Jeder Freerider muss sich die Lawinenschilder am Lift oder an der Gondel genau ansehen. Für eine ausgelöste Lawine, die über einer Skipiste runtergeht und dabei Skifahrer verletzt, wird der Freerider zur Rechenschaft gezogen. Die Anklage erfolgt in jedem Fall, auch wenn niemand auf der Piste war. Es ist "Gefährdung des öffentlichen Verkehrs" und wird, inklusive der Räumung, sehr teuer.

Martin Schümann, Bergführer am Schilthorn empfiehlt allen Freeridern einen Grundkurs in Sachen Bergsicherheit und Lawinenkunde zu besuchen. "Auf jeden Fall muss beim Freeriden ein Rucksack mit Schaufel, Sonde und Lawinensuchgerät dabei sein", so Schümann. Auf den meisten geführten Skitouren haben die Tourengeher inzwischen Lawinenrucksäcke auf dem Rücken. Im Falle eines Schneebrettabgangs kann der Bergführer per Funk die Rucksäcke aktivieren und zwei flügelgroße Airbags halten den Skifahrer an der Oberfläche der Lawine."

Ein Sicherheitsaspekt steht allerdings weder in den FIS Regeln, noch kann er von Pistenkontrolleuren gesteuert werden: Die richtige Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. "Oft kommen Kunden, die behaupten, sie seien sehr gute Skiläufer, sie laufen schließlich schon seit 19 Jahren Ski", sagt Thomas Schmidt vom Sportgeschäft und Skiverleih Buri-Sport in Grindelwald. "Die Leute denken nicht daran, dass sie oft nur eine Woche im Jahr Skilaufen."

Von Marina Kramper
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Swissmiss (02.01.2010, 19:09 Uhr)
Skifahren ist tödlich
Also das mit der zunehmenden Geschwindigkeit, Gerangel und Rauditum auf den Pisten ist in der Schweiz schon seit Jahren ein Thema, nicht erst seit diesem Unfall mit dem deutschen Politiker (den kennt man in der Schweiz gar nicht). Und die FIS-Regeln existierten auch schon vor diesem Unfall, auch dies ist nichts Neues.


Leute, die abseits der Piste fahren, sollten bedenken, dass sie direkt zum Tod von Wildtieren beitragen, da diese bei der Flucht im tiefen Schnee unglaublich viel Energie aufwenden müssen, die sie wegen der Schneedecke im Winter nicht durch Nahrungsaufnahme decken wieder können. Freeriden (wie auch Skischuhlaufen abseits der Wanderwege) tötet Tiere!
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