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Hass auf Spanienurlauber - deshalb sind die Einheimischen so wütend

Durch die Krise in der Türkei verlagert sich der Massentourismus auf Ziele in Spanien. Doch in diesem Rekordsommer platzt Einheimischen der Kragen - mit Recht finden auch Urlauber. Dabei sind viele der Probleme hausgemacht.

profitiert im Tourismus stets von den Schwächen anderer Länder. Sprengen sich in Istanbul Selbstmordattentäter in die Luft oder werden Badegäste an den Stränden des Roten Meeres in Ägypten erstochen, verschiebt sich der Pauschalreisetourismus nach Westen. Durch die inzwischen lange anhaltenden Spannungen in der Türkei, die mehrmalige Verlängerung des Notstandes und mehrere Verhaftungswellen sind die Buchungszahlen in einem der wichtigsten Pauschalreiseländer für deutsche Urlauber eingebrochen. Die Veranstalter haben frühzeitig reagiert und ihre Charterflieger umgeleitet: Statt nach Antalya fliegen sie verstärkt nach Palma de Mallorca und zu weiteren Zielen in Spanien.

Jetzt sind die Betten in den Hauptferiengebieten fast alle ausgebucht. Nicht erst in dieser Saison. Schon im vergangenen Jahr verbrachten 76 Millionen Menschen ihren Urlaub auf den , Kanaren und dem spanischen Festland. Zehn Prozent mehr als 2015. Für dieses Jahr dürfte ein neues Rekordergebnis eingefahren werden.

Fake-Jobs statt Festanstellungen

Zwar brummt es in den Kassen einiger großen Veranstalter und der spanischen Hotelketten, doch für den Spanier auf der Straße hat der Boom kaum einen positiven Effekt. Das Gegenteil ist eher der Fall. Zwar schafft die hohe Auslastung der Unterkünfte Arbeitsplätze - aber was für welche: Es handelt sich um zeitlich stark begrenzte Jobs in der Dienstleistungsbranche, die im untersten Tarifbereich liegen. Laut Statista beträgt der spanische Mindestlohn derzeit 4,29 Euro pro Stunde.

Verträge mit festen Anstellungen erhalten nur die wenigsten. Die Befristung für Zimmermädchen und Küchenpersonal läuft auf Wochen- oder Monatsbasis. Derartige Rahmenbedingungen sind alles andere als nachhaltig und bringen kein Geld in die Portemonnaies der Jobsuchenden. Seit Jahren befindet sich Spanien in einer wirtschaftlichen Dauerkrise. Die Arbeitslosenrate lag im vergangenen Jahr bei knapp 20 Prozent, unter den Jugendlichen ist fast jeder Zweite arbeitslos. Besserung ist kaum in Sicht. Politik und Verwaltung werden durch Bestechungsskandale gelähmt.

Billiglöhner ohne Wohnraum

In Touristenzentren wie Mallorca kommt ein weiteres Problem für diejenigen hinzu, die Arbeit haben: Sie finden keine bezahlbaren Wohnungen mehr. Der Grund: Aus Wohnraum, der tageweise an Touristen vermietet wird, lässt sich viel mehr Rendite erwirtschaften als durch langfristige Mietverträge mit Ortsansässigen. Ein Problem, unter dem auch die Bewohner in beliebten Städtereisezielen wie , Madrid und Valencia leiden.

Kein Wunder, dass in diesem Sommer mehr und mehr Mensch auf die Straße gehen oder Transparente an ihre Balkone hängen, weil sie aus ihren angestammten Nachbarschaften durch Feiertouristen vertreiben werden.

Proteste: Mallorca Tag und Nacht: So krass feiern Touristen am Ballermann
Feiern auf Mallorca

Männerüberschuss am Strand von El Arenal. Da muss eine aufblasbare Sexpuppe herhalten, die auch als Luftmatratze auf dem Wasser benutzt wird.

Die neue Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, die zuvor selbst Aktivistin und in der Hausbesetzerbewegung engagiert war, kennt die Nöte der Bürger. In einer beispiellosen Aktion ging die Stadt gegen illegale Airbnb-Vermieter und Co. vor. Die Wohnungs-Plattformen wurden zu Strafzahlungen verurteilt und 700 illegale Touristenappartements dicht gemacht.

Dennoch trieb es vor wenigen Tagen genervte Katalanen in Barcelona und Palma zu erneuten Demonstrationen auf die Straße: "Tourism kills the city" ( tötet die Stadt), "Stop Airbnb" oder "Palma no se vende" (Palma wird nicht verkauft) lauteten die Sprüche auf den Plakaten. 

Die Wut der Demonstranten richtet sich nicht nur gegen die Wohnungsnot, sondern auch gegen das Verhalten mancher Touristen, die saufend, grölend, pinkelnd und halbnackt durch die Straßen ziehen. Selbst deutschen Touristen sind solche Landsleute peinlich. Eine Blitzumfrage auf stern.de ergab: Dreiviertel von knapp 4000 Usern finden so ein Verhalten am Urlaubsort unmöglich.



tib

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