17. Juli 2010, 14:43 Uhr

Küssen verboten!

Autsch, das kann teuer werden! Wer in Italien an der falschen Stelle Sandburgen baut, mit Holzlatschen klappert oder den Latin Lover im Auto küsst, muss mit Geldstrafen rechnen. Zwischen Neapel und Rimini machen immer mehr Verbote den Urlaubern das Leben schwer.

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In Eraclea könnte Urlaubern dieses harmlose Vergnügen teuer zu stehen kommen©

Schluss mit dem Eisschlecken auf der Straße im westsizilianischen Trapani. Im venezianischen Eraclea ist es untersagt, am Strand Löcher in den Sand zu buddeln oder gar Burgen zu bauen. In der Lagunenstadt selbst so wie auch im toskanischen Lucca drohen einem bis zu 500 Euro Strafe, wenn man die Tauben füttert. Und auf der beliebten Urlaubsinsel Capri ist es tabu, auf der Straße mit Holzlatschen zu klappern. Willkommen in Italien, das zu einem Land der oftmals abstrusen Verbote zu verkommen droht! Jedes Jahr scheinen die Bürgermeister mit Wonne neue Ideen auszutüfteln, wie sie die kommunalen Kassen auffüllen und sich als Ordnungshüter im Stiefelstaat beweisen können.

Mehr als 150 "örtliche Anordnungen" ist dieser Berg der Verbote inzwischen hoch. Und es trifft natürlich vor allem auch die Urlauber an den Stränden und in den Gassen der pittoresken Städte Italiens. Besonders umzingelt von Vorschriften und von Bußbescheiden bedroht scheinen die Touristen in den nördlichen Städten zu sein, in denen die rechtspopulistische Lega Nord gern aufräumen möchte. Aber nicht nur: Im kampanischen Eboli kann es 500 Euro kosten, wenn sich zwei im Auto küssen. Nach bestem amerikanischen Vorbild ist in Is Aruttas auf Sardinien das Rauchen in der Öffentlichkeit "out". Und auch in Rom sieht man es ungern, wenn das Panino auf der Straße vertilgt wird.

Skurrile Einfälle

"Es ist jetzt der dritte Sommer, an dem man Slalom um die Verbote fahren muss, wobei oft doch niemand diese Verordnungen kennt", klagt die unabhängige Turiner Zeitung "La Stampa" darüber, "dass alles untersagt wird". Und listet weitere fantasievolle Einfälle von Bürgermeistern auf, denen ein nationales Gesetz der Regierung Silvio Berlusconi von 2008 Rückendeckung leistet "bei allem, was die Sicherheit und was die öffentliche Ordnung betreffen kann". Also darf niemand etwa im ligurischen Lerici im Badeanzug auf die Straße gehen oder die nassen Handtücher auf seinen Balkon hängen. Im nordostitalienischen Pordenone drohen demjenigen saftige Strafen, der mit der Verlobten offen streitet. Und in San Remo spricht man nicht mit Prostituierten.

Hunde und Katzen gehören nicht unbedingt an den Strand, das kann noch mancher nachvollziehen. Auch die Taubenplage muss man doch nicht auch noch fördern! Am Dante-Strand in der Gegend von Ravenna scheint aber auch fast alles andere untersagt, fand die Journalistin Flavia Amabile heraus: "Keine laute Musik von 13:00 bis 16:00 Uhr, keine Werbezettel, nicht topless sonnenbaden und auf den ersten 200 Metern des Lidos darf man zwar laufen, nicht jedoch sich dort an den Strand legen."

Drastische Strafen

Da sollte also niemand mehr ahnungslos anreisen und sich einfach locker unter die italienische Sonne begeben. Auch wenn oft nicht klar ist, was denn nun überhaupt noch erlaubt bleibt, so kann man sich auf eine laxe italienische Handhabung nicht verlassen: In Venedig hagelt es öfter drastische Strafen, in Brescia musste eine 54-Jährige 100 Euro hinblättern, weil sie sich an einer Piazza auf die Stufen eines historischen Monuments gesetzt hatte. Verboten! Und im lombardischen Gallarate waren glatt 500 Euro fällig, als ein junger Mann mit einem Bier in der Hand zu mitternächtlicher Stunde durchs Stadtzentrum zog.

Hanns-Jochen Kaffsack/DPA
 
 
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KOMMENTARE (6 von 6)
 
OneSizeFitsAll (19.07.2010, 11:09 Uhr)
Das ist doch der beste
Grund nach Griechenland zu fahren. Die lernen grade erst das Wort "Verbot" zu schreiben. Und bei der gewohnten Umsetzung von Reformen bei den Griechen, kann das noch Jahre dauern. :-)

Italien -so schön es ist/isst- kann sich aufgrund seiner armseligen Wirtschaftstruktur eine dauerhafte Abschreckung grosser Touristenzahlen gar nicht leisten. Gleiches gilt für Spanien. Jeder Tourist hat ausserdem die freie Wahl.
steinhaus (18.07.2010, 10:07 Uhr)
Zu Hause bleiben
Da wir uns ohnehin an unsinnige Gesetze halten, macht es gar keinen Sinn, nach Italien in den Urlaub zu fahren. Wenn ich an jeder Ecke für Selbstverstänliches bezahlen soll, bleibe ich besser zu Hause. Kurz um: ich warte darauf, dass in Italien das Atmen verboten wird. - Ach, da habe ich noch eine neue Einnahmequelle: wer eine Gelbe oder Rote Karte bei einem Fussballspiel bekommt, muss an den Staat eine je nach Liga eine drastische Strafe bezahlen, auch im Ausland. Dann lohnt sich der italienische Seniorenfussball für die Täter auch nicht mehr...
dutchinmex (17.07.2010, 21:06 Uhr)
@facilidad_de_ser
Daß D keine Kohle mehr hat, kommt nur dadurch, daß es bankrotte EU-Mitglieder so wie z.B. Spanien unterstützt. Zurück zur EWG der sechs wäre die einzig gute Lösung der Probleme.
SpringbokCT (17.07.2010, 19:11 Uhr)
Wann ist die Volksabstimmung?
Es kann dann nur noch eine Frage der Zeit sein, bis hier das Küssen auch verboten wird.

Die Rauchgegner berufen sich ja auch auf strengen ital. Nichtrauchergesetze.
facilidad_de_ser (17.07.2010, 18:21 Uhr)
@CheSmittyVara
Urlaubsland Deutschland ist nur deshalb so angesagt, weil ihr keine Kohle mehr habt :)
CheSmittyVara (17.07.2010, 16:39 Uhr)
Urlaubsland Deutschland...
ist immer mehr angesagt. Schließlich haben wir ja schon ehemals südeuropäische Temperaturen und unsere Gesetze kennen wir und können uns ggfls. wehren.
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