Aphrodites Rezept zur ewigen Schönheit

1. August 2006, 12:30 Uhr

Cathérine Deneuve und Sharon Stone machen es vor und gestresste Städter folgen: An der französischen Atlantikküste versprechen immer mehr Thalasso-Zentren in Algen, Schlick und frischer Meeresluft ewige Jugend und göttliche Schönheit zu finden. Von Frauke Hansen

Schon Aphrodite nutzte die reinigenden Kräfte des Meeres, heute wird der Algenschlick als Massagepackung aufgetragen©

Man sagt, die Männer seien von ihrer Schönheit geblendet gewesen. Hätten die Augen, voll Verklärung und voll Gier, nicht von ihr abwenden können, als sie aus dem Wasser stieg. Aphrodite, die aus einer Muschel Geborene, die griechische Göttin der Liebe, der Leidenschaft und nicht zuletzt der Schönheit, zog die Welt wie keine andere in ihren Bann.

"Was Aphrodite kann, kann ich auch". Elisa Barbier ist sich sicher, das Geheimnis der göttlichen Schönheit zu kennen: Algen, Schlamm, Meereswasser und salzhaltige Luft müssen dazu beigetragen haben, Aphrodite schon vor tausenden von Jahren zur strahlenden Beauty zu machen. Davon ist die 24-jährige Französin überzeugt. Auch der griechische Dichter Euripides ahnte wohl, was sich jahrtausende Jahre später zu einem neuen Lifestyle-Trend entwickeln würde, als er feststellte: "Das Meer wäscht alle Übel ab".

Au revoir Alltag, salut Entspannung

Entspannungsbäder im salzigen Meereswasser, Massagepackungen in Algenschlick und das Atmen der wohltuenden Meeresluft -"Thalasso-Therapie" heißt das Zauberwort zum Entspannen und Schönpflegen. Ihren Namen verdankt die Therapie dem griechischen Begriff für "Meer" - "thalassa". Aphrodite nutzte sie und auch die Griechen und die Ägypter wussten früh um die wohltuenden Kräfte des Meerwassers. Aber es dauerte bis zum 19. Jahrhundert, bis einem Franzosen der chemische Nachweis gelang, dass die Mineralien und Spurenelemente des Meerwassers zu 96 Prozent mit den organischen Flüssigkeiten des menschlichen Körpers übereinstimmen. Seitdem setzen Kurkliniken und Beauty-Farmen auf die Macht des Meeres - besonders in Frankreich.

Der Strand im mondänen Küstenort La Baule, rund 50 Kilometer westlich von Nantes, ist beliebter Surfertreffpunkt und gehört zu den schönsten Stränden der Atlantikküste©

"Thalasso" - dieser Begriff ist fast ein Synonym für Wellness-Ferien an Frankreichs Atlantikküsten von La Baule bis Biarritz. Rund 300.000 Entspannungswillige pilgern jedes Jahr in die rund 50 Relax-Zentren, um Alltagsstress und anderen Auswüchsen der modernen Zivilisation zu entfliehen. Rheuma, Asthma, Gelenk-, Rückenschmerzen, Hautprobleme und allgemeine Ermüdungserscheinungen wollen behandelt und geheilt werden. Und vor allem soll die Meeres-Kur schön und jung machen. Schönheiten und Promis wie Cathérine Deneuve, Sharon Stone, Prinzessin Caroline von Monaco und Topmodels aus aller Welt schwören auf Aphrodites Beauty-Rezept.

Wie im 19. Jahrhundert

Eines der schönsten anerkannten Thalasso-Zentren ist das Institut im Hotel Royal-Thalasso Barriére im mondänen Küstenort La Baule, rund 50 Kilometer westlich von Nantes. Die vielen Luxusboutiquen, gemütlichen Restaurants und schicken Bars, die zu jeder Zeit belebten Straßencafés und nicht zuletzt einer der schönsten Strände der Atlantikküste machen La Baule auch bei Prominenten zu einem beliebten Hotspot. Inmitten eines üppig bepflanzten Gartens, umgeben von den landestypischen Pinien und keine 200 Meter vom Meer entfernt, liegt das elegante schlossartige Hotel Royal. Der Einfluss der britischen Architektur ist unverkennbar, Erinnerungen an die Eleganz der Seebäder in der Belle Époque des späten 19. Jahrhunderts werden wach. Hier will sich auch Elisa wie eine Göttin fühlen.

Hinter der nostalgischen Drehtür des Hotel Royal beginnt eine andere Welt. Elegant gemusterte Seidentapeten, ein dicker roter Teppich - man hat das Gefühl, jeden Moment könne ein König oder ein alter Filmstar um die Ecke kommen. Elisa geht einen langen Gang hinunter, der Teppich verschluckt ihre Schritte, vom Trubel des lebhaften Boulevards vor dem Hotel ist nichts mehr zu hören. Die letzten Schritte durch eine schlichte Glastür und die zierliche Französin ist von weißen kuschelig aussehenden Männchen umgeben, die gemütlich von einem Raum zum anderen schlappen. Die Männchen sind "Patienten", die in ihren Bademänteln und passenden Badeschlappen einen total entspannten Eindruck machen. Auch Elisa bekommt an der "Rezeption" eine solche Uniform und geht zu ihrem ersten Termin. Zum Arzt. In Absprache mit einem institutseigenen Mediziner arbeiten die Patienten einen persönlichen Kur-Fahrplan aus. Je nach Aufenthaltsdauer - von einem Tag bis zu zwei Wochen - können Wellness-Willige zwischen vier und sechs Anwendungen pro Tag in Anspruch nehmen.

"Thalasso" - dieser Begriff ist fast ein Synonym für Wellness-Ferien an Frankreichs Atlantikküsten von La Baule (Bild) bis Biarritz©

Der Termin stinkt

Elisa startet ihre Kur mit einem Sprudelbad mit Meerwasser, das ihre Muskeln beleben soll. Kitzlig ist es, doch der Kreislauf kommt in Schwung. Einen Rundkurs aus Nacken-, Rücken, Fuß- und Handmassagedüsen lässt sie hinter sich, schon nach wenigen Minuten holt die Hydrotherapeutin Elisa mit einem freundlichen Lächeln wieder aus dem Wasser, der nächste Termin ruft. Und der stinkt gewaltig. Die 24-Jährige kräuselt skeptisch ihre Nase, als sie von oben bis unten mit dickem, wenig anregend duftendem Meeresschlamm eingerieben wird. Eine halbe Stunde muss sie die warme Packung auf der Haut behalten - und die prickelt mit jeder Minute mehr. "Aphrodite hat's ja auch überlebt", lächelt Elisa leicht gequält. "Und was tut man nicht alles für die Schönheit?" Man nimmt auch Schmerzen auf sich, das wird klar, als die Studentin in der "Jetdusche" mit einem harten, kalten Wasserstrahl gründlich abgespritzt wird - die Muskulatur soll so aufgeweckt werden. Nach diesem anstrengenden Programmpunkt darf sich Elisa - endlich - dem schönsten Beauty-Element der Kur hingeben: der Massage mit Algenextrakten. Ein wenig schläfrig, aber total entspannt wankt die junge Frau nach dem Durchkneten auf die Hotelterrasse und lässt sich auf eine gut gepolsterte Liege fallen. Selig lächelnd reckt sie ihr Gesicht in die Sonne - denn Meeresluft, das wussten schon unsere Großmütter, macht schön.

Surfen als besseres Beauty-Programm

"Ob die Luft schön macht, weiß ich nicht, gesund ist sie ganz sicher." Jean-Louis Parent ist von der heilenden Kraft des Meeres überzeugt, allerdings setzt er auf eine andere Art der "Therapie": Der Mann mit dem wettergegerbten und von Lachfalten durchzogenen Gesicht ist Surf- und Segellehrer und seit 15 Jahren Direktor des "Institut Sports Océan" in der malerischen Küstenstadt Les Sables d'Olonnes, in deren Hafen auch der Startschuss für die berühmte Weltumsegelung "Vendée Globe" fällt. "Ein bisschen Bewegung an der frischen Luft ist viel effektiver als der ganze Beauty-Packungen-Krams", grinst Jean-Louis. Die französische Atlantikküste bietet ideale Bedingungen zum Surfen. Von den nördlichen Küstenabschnitte Cote de Jade ("Jadeküste") und Cote Sauvage ("Wilde Küste") ziehen sich Felsen- und Sandabschnitte über die südlichen Areale Cote d'Argent ("Silberküste") und Cote Basque ("Baskische Küste") bis nach Spanien. Ab Mai zeigt sich die Sonne fast ohne Pause, starker Wind sorgt für stockwerkhohe Brecher. Profisurfer schätzen die guten Wellen, die sich an sicheren Sandbänken brechen und die schöne Umgebung.

Auch wenn die Vorstellung von braungebrannten Surfern in Elisas Ohren durchaus attraktiv klingt - nach den vielen Anwendungen im Thalasso-Zentrum ist sie so entspannt, dass sie sich nicht vorstellen kann, auf ein Surfbrett zu springen und sich sportlich zu bestätigen. "Ich bleibe lieber dabei, mich verwöhnen zu lassen - ich bin ja schließlich im Urlaub." Ob sie nun so schön wie Aphrodite ist, weiß Elisa nicht. Aber müde ist sie, so müde, dass sie sich kaum auf den Beinen halten kann. "Das hat ja auch seinen Vorteil", murmelt sie zwischen zwei herzhaften Gähnattacken, "nun kann ich wenigstens davon träumen, ein göttliche Schönheit zu sein - mit oder ohne Surfbrett."

Reisetipps
Viele Thalasso-Zentren sind Teil eines Hotels, zum Beispiel das Royal Thalasso Barrière La Baule (Web: www.royal-thalasso.com), Thalassa Les Sables-d'Olonne (Web : www.accorthalassa.com) oder das Le Richelieu (Web : www.hotel-le-richelieu.com). Wer es lieber familiär mag, ist in der gemütlichen Frühstückspension Maison Richet in Les Sables d'Olonne (www.Maison-Richet.fr) genau richtig. Wer Wert auf Bewegung legt, findet in fast jedem Küstenörtchen einen Surfclub, erste Anlaufstelle ist das "Institut Sports Ocean" in Les Sables d'Olonne (www.institutsportsocean.com). Der unter Surfer beliebteste Hotspot befindet sich in Brétignolles-sur-mer, etwa 30 Kilometer von Les Sables d'Olonne entfernt.
Weitere Informationen unter www.franceguide.com

"Thalasso" - Was ist das? Die Thalassotherapie ist eine Kur unter ärztlicher Aufsicht. Sie nutzt sowohl das Seewasser für therapeutische Bäder und die Bewegung im Meer oder erwärmten Meerwasser (34-37 Grad) als auch die heilklimatische Wirkung der Seeluft, das Aerosol der Brandung, dazu die verstärkte UV-Strahlung und den Wind. Dies sind Bestandteile der Behandlung, und erst die Kombination dieser Faktoren bestimmt die Wirksamkeit der Thalassotherapie.

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