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25. November 2008, 10:27 Uhr

Benidorm sperrt nachts Strände

Spanien soll attraktiver werden. Die Regierung in Madrid will dem Tourismus mit zinslosen Krediten bei Hotelrenovierungen helfen. Radikale Maßnahmen zur Imageverbesserung kündigt Benidorm an: Der Badeort plant Bußgelder für Urlauber, die nachts am Strand Bier trinken.

Benidorm, Mittelmeer, Alicante

Hochhausurlaub am Meer: In Benidorm stehen 345 Gebäude mit mehr als zwölf Stockwerken© Till Bartels

Wer in der Nähe von Alicante das Mittelmeer und den Vollmond nach Mitternacht genießen möchte, dürfte in den nächsten Ferien eine böse Überraschung erleben. Die Touristenhochburg Benidorm will den Aufenthalt an den Stränden für die Zeit von 0 bis 7 Uhr morgens generell untersagen. Ein Verstoß gegen das nächtliche Strandverbot soll bis zu 750 Euro kosten.

Nach Presseberichten begründeten die Verantwortlichen das nächtliche Strandverbot damit, dass in der Nacht Reinigungsmaschinen die Strände säubern müssten. In der Vergangenheit seien dem Reinigungsdienst häufig junge Leute im Weg gewesen, die bis tief in die Nacht an den Stränden Feste feierten und Tonnen von Abfällen zurückließen.

Der spanische Ort der Superlative - an keinem anderen Ort auf der Erde ragen pro Einwohner so viele Wolkenkratzer in den Himmel wie in Benidorm - setzt mit der radikalen Strandordnung neue Maßstäbe. Die Hochhausstadt am Mittelmeer möchte ihr schlechtes Image aufpolieren und mit dem Wildwuchs des Massentourismus aufräumen: In dem 73 Artikel umfassenden Werk wird sogar geregelt, welche Materialien für den Bau von Sandburgen erlaubt sind.

Wer gegen Regeln verstößt, muss zahlen

Nächstes Jahr soll der Konsum alkoholischer Getränke an den Stränden verboten und mit einem Bußgeld von 300 Euro geahndet werden. Ballspiele außerhalb der vorgesehenen Spielfelder sollen mit 120 Euro bestraft werden, das Mitnehmen von Hunden an den Strand mit 250 Euro. Urlauber, die früh am Morgen ihre Sonnenschirme am Strand aufpflanzen und sich damit die besten Plätze reservieren, riskieren eine Strafe von 150 Euro.

Die neue Strandordnung muss noch vom Stadtrat verabschiedet werden. Dies gilt jedoch als eine Formalität. Das in der Provinz Alicante gelegene Benidorm ist mit zehn Millionen Übernachtungen im Jahr eine der bedeutendsten Touristenorte am Mittelmeer.

400 Millionen Euro für den Tourismus

Zur Überwindung der Wirtschaftskrise hat die spanische Regierung Hilfen in Höhe von 400 Millionen Euro für den Tourismus im ganzen Land bereit gestellt. Die bewilligten Mittel sollen dazu eingesetzt werden, kleinen und mittleren Unternehmen in der Reisebranche zinslose Kredite für Renovierungsvorhaben zu gewähren. Nutznießer sind die Betreiber von Hotels, Pensionen, Campingplätzen und Restaurants. Wie Vizeregierungschefin María Teresa Fernández de la Vega in Madrid mitteilte, soll das vom Kabinett beschlossene Paket dazu beitragen, die Fremdenverkehrseinrichtungen in Spanien zu modernisieren und Spanien als Reiseziel attraktiver zu machen.

Der Tourismus ist mit einem Anteil von elf Prozent an der Wirtschaftsleistung eine wichtige Stütze der spanischen Ökonomie. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres kamen nach Angaben des Tourismusministeriums 51,7 Millionen ausländische Besucher nach Spanien, 1,4 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Für das gesamte Jahr 2008 wird mit einem Minus von zwei Prozent gerechnet.

tib/DPA

 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
flyingfree (28.11.2008, 07:54 Uhr)
Strand? Wo?
Ach, der unscheinbare Streifen rechts neben den Hochhäusern.
Ich finde, der stört das Gesamtbild.
geronimoVN (26.11.2008, 17:47 Uhr)
Da hilft nur eines...
Wenn sie Benidorm verschönern wollen, sollten sie es liber gleich komplett abreissen. Die Bettenburgen da stören doch viel mehr als mit den falschen Materialien errichtete Sandburgen.
facilidad_de_ser (26.11.2008, 16:16 Uhr)
Gesetze...
... gibt es viele in Spanien, aber sehr wenige Polizisten, die diese auch durchsetzen würden.
No hay que joderse la vida!
eric111 (26.11.2008, 11:55 Uhr)
das eine und das andere
Dass man in der Regierung den Tourismus ankurbeln will hat ja nicht unbedingt was mit Stadtratsbeschlüssen in Benidorm zu tun. Auch muss man unterscheiden: will man Sauftourismus oder 'Reisende'. Es geht ja in Benidorm (und anderen Orten) darum, dass die Strände morgens nicht mit Tonnen von Whisky-, Bier- und Colaflaschen, Kondomen, Inyektionsnadeln und sonstigem Müll voll sein sollen. Und wenn es nicht anders geht, dann eben per Bußgeld. Die andere Seite, die, die morgens um 8 ihre Sonnenschirme in der 1. Reihe verpflanzen und dann erst mal frühstücken gehen, aber eben diesen Platz für sich reserviert haben wollen kennt man auch aus All-Inclusive-Hotels weltweit und man sollte dem schon einen Riegel vorschieben. Der Strand, zumindest in Spanien, ist öffentlich, aber manche Gruppen nutzen dies zum Nachteil der wirklichen Urlauber oder Einheimischen aus.
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