Valencia, die Metropole an der Costa del Azahar, verzaubert selbstbewusst mit Altem und Modernem zugleich.

Blick über Valencias Altstadt vom Glockenturm der Kathedrale© Cornelius Meffert
Juan hat uns gewarnt. Es werde laut. Sehr laut. Immerhin sei seine Stadt "der zweitgrößte Hersteller von Feuerwerkskörpern in Europa", und einen Teil der Produktion pflege man an Ort und Stelle zu verballern. Also, Watte in die Ohren! Wir haben geschmunzelt. Juan arbeitet im Tourismusbüro. Wie sie immer übertreiben, diese PR-Leute. Was kann schon lauter sein als das Silvesterfeuerwerk am Hamburger Hafen? So stehen wir vor dem Rathaus von Valencia, das mit seinen Säulen, Figuren, Balustraden, dem Glockenturm und den vorgepflanzten Palmen ausschaut wie der Gouverneurspalast einer Märchenkolonie, und harren der Dinge.Es ist der Tag der autonomen Regionalregierung. Die ganze Stadt auf den Beinen. Alles Autonome wird hier hoch gehängt. Reflex auf die Franco-Ära, jene Epoche der Gleichschaltung unters Madrider Diktat - heißt es. Vielleicht auch bloß Protest gegen die europäische Gleichbürsterei. Jedenfalls wabert ein Meer von blaurotgelben Valencia-Flaggen durch die Straßen. Die Sprachpuristen schwenken "Llengua Valenciana"-Parolen, als sei das valencianische Idiom - dem Katalanischen äußerst nahe - von Ausrottung bedroht. Die alte Stadtflagge mit der Fledermaus wird unter großem Buhei vom Rathaus in die Kathedrale verbracht, eskortiert von Reitern mit Bürstenhelmen. Aus Lautsprechern schmettert die Gute-Laune-Arie: Valencia, es la tierra des las flores, de la luz y del amor... . Eingedeutscht war das einst bei uns ein Hit.
Dann der Höhepunkt. Nicht laut. Nicht sehr laut. Feuerwerk? Quatsch, zehnminütiges Trommelfeuer. Ein elektronisch ausgeklügeltes Schlagzeugsolo, ultramegahyperlaut. Der Bauch bebt, der Magen möchte zwischen die Knie sacken. Donnerblitze rasen im Rund des abgesperrten Platzes, bis schließlich alles in einer Wolke aus Pulverdampf versinkt.Später sitzen wir mit Juan in der Bodega Montana im alten Hafenviertel, wo es die besten Tapas der Stadt gibt und Weine zum Augenverdrehen. Die Ohren sirren noch wie ein Wespennest. Woher kommt diese Lust am Krach? "Wahrscheinlich von den Moros", sagt der gebürtige Valencianer Juan, einen geflügelten Spruch der Stadt zitierend. Immer wenn was dubios ist, müssen die ollen Mauren herhalten, die einstigen Besetzer der Iberischen Halbinsel. Valencia ist Spaniens drittgrößte Metropole, liegt aber von jeher im Schatten von Madrid und Barcelona. Gewöhnlich ist diese Stadt an der Costa del Azahar, 100 Kilometer nördlich der Tourismusmaschine Benidorm, recht geruhsam, weniger exaltiert und aufgeregt als die großen zwei. Das Nachtleben konzentriert sich auf Discotheken am Strand, wo der irre Techno-Sound Bakalao der heimischen Jugend die Reste ihres Hörempfindens wegbläst. Aber das Leben in der 750 000-Einwohner-Stadt sei auch weniger kostspielig, weniger kommerzialisiert, weniger anstrengend, finden die Menschen. Und dann der Mercado Central, haben Sie den schon gesehen? Dagegen kann sogar Barcelonas Vorzeigemarkt Boqueria einpacken.
Information ReisezeitReisezeit: Frühjahr bis Mitte September. Karwoche und Ostern meidenAnreise: Z. B. mit Iberia über Barcelona oder Madrid ab 360 Euro. Charterflüge von verschiedenen deutschen Flughäfen nonstop nach Alicante, z. B. mit Hapag-Lloyd ab 150 Euro (inkl. Rückflug). Von Alicante mit dem Zug nach Valencia (zwei Stunden). Oder rechtzeitig Billig-Airlines buchen. Zum Beispiel Hapag-Lloyd Express von Hannover nach Valencia und zurück für 39,98 Euro