
Gehören zur Kluft der Amisch-Männer: breitkrempige Hüte© Jessica Braun
Durch ihre Art zu leben haben die Amischen in Missouri sich Dinge bewahrt, die in unserer Welt oft schmerzlich vermisst werden: Trifft eine Familie ein Unglück, brennt ein Haus ab oder wird jemand schwer krank, stehen alle Gemeindemitglieder bei. Das Haus wird innerhalb einer Woche wieder aufgebaut. Die Krankenhausrechnungen unter allen aufgeteilt. Vom eigenen Land leben zu können, steht im Vordergrund und die ganze Familie - bis zu 15 Kinder sind kein Sonderfall - hilft mit, um Haus, Hof und Laden zu bewirtschaften.
In und um Jamesport wird vom handgenähten Quilt bis zur Spielplatzausstattung in Holz alles verkauft, was die Handwerkskunst der Amischen hervorbringt. Und der zweimal im Jahr stattfindende Flohmarkt ist deswegen nicht nur für Touristen aus den Nachbarstaaten ein beliebtes Ausflugsziel, sondern auch für Antiquitäten- und Kunstgewerbehändler von Ost- und Westküste.
Es ist Donnerstagmorgen. Im Restaurant der Familie Gingerich an der Kreuzung riecht es nach Apfelkuchen und gebratenem Hühnchen. Die Gingerichs waren ursprünglich auch Amische. Doch weil sie in ihrem Restaurant Englische bewirteten, die Leute aus dem Ort und Touristen, wurden sie aus ihrer Glaubensgemeinschaft ausgeschlossen. Nun sind sie Mennoiten: in der Kleidung kaum von den Amischen zu unterscheiden, aber nicht mehr ganz so strengen Regeln unterworfen.
Als draußen eine Prozession dutzender Kutschen vorbei fährt, streift sich eine der Töchter die Hände an ihrer Schürze ab. "Heute ist eine Hochzeit." Das Fest findet auf einer Farm von Nachbarn der Beechys statt. Das Ehepaar passt auf die Kleinkinder der Gäste auf, damit diese ungestört feiern können. "Die Gingerichs? Natürlich sprechen wir noch mit ihnen. Aber zu der Hochzeit kommen dürfen sie eben nicht." Mary Beechy akzeptiert, dass es Gemeindemitglieder gibt, die sich gegen ein Leben als Amische entscheiden. Sie selbst scheint damit aber sehr glücklich zu sein: Ihr Gesicht ist voller Lachfalten, und sie scherzt viel.
Nur für eines hat sie kein Verständnis. Vor ein paar Jahren kam eine Touristin in den Ort, die gerne zum Amischen Glauben übertreten wollte - in der Hoffnung auf ein Stück heile Welt. Mary Beechy steht auf ihrer Veranda und sieht hinüber zu den Kutschen, die beständig in Richtung des Hochzeitsfests rollen. "Wir haben die Frau bei uns aufgenommen. Ein paar Monate hat sie bei uns gewohnt." Sie schiebt sich eine dunkle Haarsträhne unter die Haube, die ausgebüchst ist. Schüttelt den Kopf angesichts der Besucherin, die den Ort unverrichteter Dinge als Englische wieder verließ. "Wenn man von Anfang an so aufwächst, ist das eine Sache. Wir kennen es ja nicht anders." Sie zögert. Dann grinst sie: "Ganz ehrlich? Die Frau war völlig verrückt."
| Informationen |
| Unterkunft: Das Arbor House Country Inn bietet große, gemütliche Fremdenzimmer. Der Besitzer Ron Ledesma ist für seine Kochkünste im ganzen Ort bekannt. DZ pro Nacht ab 110 Dollar: 103 South Olive Street, Jamesport, Missouri 64648, Tel. +1 (660) 684 6760, www.jamesport.net |
| Flohmärkte: Zweimal im Jahr, am Muttertag-Wochenende im Mai und dem letzten Juli. |
| Alle von Amisch geführten Läden in Jamesport und Umgebung: www.jamesport.net/amish_shops.html |