
Meditationskurs in Südindien: im The Leela Kovalam Beach Kerala© Leela Hotels
Pioniergeist hatte C.P. Nair, 1922 im südindischen Kerala geboren, schon immer. Schon als 13-Jähriger schloss er sich dem Unabhängigkeitskampf gegen die Briten an, wurde später Hauptmann der jungen Armee im unabhängigen Indien, weshalb er noch heute vom indischen Premier Mammohan Singh bis zum Leela-Hotelpagen "Captain Nair" genannt wird. Als 28-Jähriger quittierte er den Militärdienst und heiratete seine Leela, die schüchterne 18-jährige Tochter eines keralesischen Textilunternehmers.
Zurückhaltung und Schüchternheit legten sich schnell. Herr und Frau Nair waren bald die bekanntesten Unternehmer Indiens, erst im Gewürzhandel von Kardamon, Kurkuma, Pfeffer bis Vanille erfolgreich, dann als Textilkönige. Leela sorgte dafür, daß 25.000 Fischersfrauen, die nicht lesen und schreiben konnten, eine Schulbildung bekamen und Näherin lernten. Er revolutionierte die indische Baumwollindustrie, ließ neue Stoffe kreieren, bis jedes Kind in Indien die Hausmarke "Leela Laces" kannte. Dann kam, als das Ehepaar Nair schon im Rentenalter war, als jüngstes Baby die Hotellerie dazu.
Warum aber fing er, der erfolgreiche Unternehmer, mit 65 Jahren noch einmal von vorne an? "Genau das hat mich mein Freund, der Dalai Lama, auch gefragt", sagt Captain Nair vergnügt. "Warum ich mir das in meinem Alter noch antäte!" und vermerkt nebenbei, daß das Oberhaupt der Tibeter sich, wenn er im Mumbai sei, im Leela wie zuhause fühle. Aber der Traum vom eigenen Luxushotel sei sehr viel älter. "Als ich 1957 mit der ersten ausländischen Handeldelegation ins Nachkriegsdeutschland kam und mit Ludwig Ehrhard verhandelte, war ich so beeindruckt von der deutschen Gastlichkeit, dass ich mir sagte: Das machst du eines Tages auch!" Ganz im indischen Stil.
Matuli, die junge Medienmanagerin im rotgoldenen Sari bringt schwere Kunstbücher und Baupläne herbei. Bald sieht der Tisch der Präsidentensuite wie ein Architekturstudio aus. "Schauen Sie, unser Juwel" sagt Captain Nair und zeigt auf das Umschlagfoto eines Kunstbuches", wo sein Leela Palace in Bangalore abgebildet ist. "Es wurde 2007 als bestes Business Hotel der Welt ausgezeichnet", souffliert Assistentin Matuli und drückt mir die dreiseitige Liste der Auszeichnungen und Preise, die die Leela-Familie weltweit eingeheimst hat, in die Hand. Am meisten habe ihn die 2008-Auszeichnung des amerikanischen Magazins Business Week für sein Lebenswerk gefreut, als Senior unter lauter "Jungen". Aber jetzt beugt er sich über die Pläne und erklärt mir eine moderne Glasbaukonstruktion, das Leela in Dehli, das kurz vor der Vollendung steht und das Leela-Hotel in Udaipur. "Das wird die Pracht der alten Maharaja-Paläste von Rajasthan noch in den Schatten stellen", sagt er stolz.
Und dann natürlich Goa, die Orchidee im Strauß der Leela-Hotels. Ein romantisches Luxusressort, das wie eine Tempelanlage am einsamen weißen Strand liegt, in einem riesigen Palmenhain. Überhaupt die Palme, philosophiert der alte Herr, der sich heute als Umweltkämpfer bezeichnet. "Sie ist unser schönster und nützlichster Baum. Wir Inder brauchen die Kokospalmen, ihre Früchte, Fasern, Blätter zum Leben, und die Palme braucht uns zur Pflege." Da klingelt ein Handy in den Raum. "Sorry, Captain Nair, Ihre Frau", haucht eine Assistentin und reicht dem alten Herrn das Handy. " Oh je, Leela... nein, natürlich habe ich unser Mittagessen nicht vergessen!" Der Hauptmann erhebt sich mühsam. "Seit über 50 Jahren im Ehedienst, der General ruft!"
Beim Abschied sehe ich plötzlich, daß er derbe Rapper-Turnschuhe zum feinen Seidenanzug trägt. "Wie finden Sie die? Hat mir meine Enkelin aus den USA mitgebracht!" Und winkt mit dem silbernen Krückstock, bis sich die Tür des Hotelfahrstuhls schließt.