
Das 46 Meter breite Heck der "Oasis"© sbw-photo
Und dieser amerikanische Dampfer soll der Reederei die Zukunft sichern. Während die US-Bürger bereits große Kreuzfahrtfans sind und auch die Briten ihren Urlaub gern auf dem Wasser verbringen, hadert der Rest der Welt noch. Die Deutschen holen auf: Eine Million Bundesbürger wird wohl in diesem Jahr in den Ferien zur See fahren. Sämtliche Reedereien hoffen auf das Potential der nicht-amerikanischen Märkte. Zumal: Der amerikanische Markt ist ausgereizt und mit der Wirtschaftskrise stark eingebrochen. Kreuzfahrten ab Florida gibt es derzeit zum Schleuderpreis. "Klar würden auf wir gern mehr Geld für unser Angebot nehmen", so Goldstein.
Um die "Oasis of the Seas" zu sehen, muss der Kreuzfahrtpassagier den Weg über den Atlantik in Kauf nehmen - im Flugzeug. Denn zunächst wird der Koloss ausschließlich in der Karibik eingesetzt. Aber das Fahrtgebiet wird zur Nebensache degradiert. St. Thomas, St. Maarten und Nassau auf den Bahamas werden bei einwöchigen Trips angesteuert. Labadee, eine Bucht Haitis, die die Reederei gekauft hat, ist der einzige Landgang bei einer viertägigen Tour.
Aber wer will schon Land sehen, wenn man im größten Frischwasserpool auf See abtauchen, Kletterwände erklimmen, durch einen Park mit mehr als 12.000 Pflanzen wandeln, Runden auf einem nostalgischen Karussell drehen, mit einer Seilbahn in schwindelerregender Höhe über den Boardwalk schweben, auf einer künstlichen Welle surfen, zwischen 24 Restaurants und Bars wählen und Eislaufen kann?
So wird auch auf der Probefahrt keine Zeit auf Landausflügen verschenkt, kein teurer Diesel für weite, schnelle Fahrten in die seichten Gewässer der Karibik ausgegeben. Das Schiff als Vergnügungspark beschäftigt so sehr, dass man sich nicht auch noch mit dem Gefährt als solchem auseinandersetzen kann. Jeder Winkel wird gefilmt und fotografiert, bestaunt und getestet. Was zuerst sehen, was zuerst (aus)probieren?
Und wer so sehr mit der Innenansicht beschäftigt ist, sich mit gläsernen Fahrstühlen von unten nach oben katapultieren lässt, Treppenstufen im Laufschritt nimmt, der stellt nicht die Frage, wie warum so ein Gigant schwimmt, wie man 8000 Menschen im Notfall evakuiert und er vergisst, dass er nicht auf einer Schönheit schippert. Denn von innen wirkt der Koloss nicht monströs. Viel Glas, zurückhaltende Farben, viele Blickwinkel auf die oberen und unteren Decks, kleine Ecken und Nischen lassen das größte Schiff der Welt überschaubar wirken. Und auch bei Schiffen kommt es auf die inneren Werte an. Wer die mag, stört sich nicht an der äußeren Hülle.