
Designer Craig Native© Andreas Srenk
Einer, dem der Aufstieg gelungen ist und der zur größer werdenden schwarzen Mittelschicht zählt, heißt Craig Native. Das Markenzeichen des erst 32 Jahre alten Modedesigners sind seine Klamotten mit hintersinnigen Botschaften. Auf einem Fußballtrikot, wo normalerweise der Sponsorenname steht, prangen die Wörter "Bushmen Technology". "Ich vermische Mode und Realität mit einer Prise Humor", fasst er seinen Design-Ansatz zusammen. "Westliche Edelmarken wie Gucci kennt doch kaum ein Afrikaner." Stolz trägt er ein T-Shirt mit der Aufschrift "It began in Africa", was auf den Beginn der menschlichen Evolution deutet.
In der Weinregion um Stellenbosch östlich von Kapstadt ist die Zeit für manchen Weißen stehen geblieben. Die Landschaft ist hügelig und fruchtbar, überall durchziehen Weinberge das Land, die Lese ist jetzt in vollem Gange. Die Winzer dieser Region sprechen von einem außergewöhnlich guten Jahrgang, der in die Eichenfässer kommt. Die Weingüter sind oft seit Generationen in weißem Familienbesitz. Schwarze stellen meist das Personal. Doch nicht wenige Weiße sind frustriert und können sich noch immer nicht mit den neuen Zeiten anfreunden.
Ein ehemaliger Polizist, der anonym bleiben möchte, sagt vorsichtig: "Natürlich ist Nelson Mandela ein ehrenwerter Mann. Aber was seine Gefolgsleute jetzt anstellen, ist schädlich: All die illegalen Waffen, die Arbeitslosigkeit, die Kriminalität, die viele junge Leute in die Illegalität treibt." Er sehnt sich nach alten Zeiten und Denkmustern zurück: "Früher gab es längst nicht so viele Verbrechen. Die Schwarzen wohnten an getrennten, abgeschlossenen Orten. Man hatte sie leichter unter Kontrolle. Heute ist alles durchmischt, schwieriger." Er hat seinen Polizistenjob an den Nagel gehängt, als ihm ein schwarzer Chef vor die Nase gesetzt wurde.

Michael Lutzeyer mit Richard, der im Grootbos Nature Reserve eine Ausbildung zum Gärtner macht© Andreas Srenk
Da ist der Weg, den Michael Lutzeyer eingeschlagen hat, zukunftsweisender. 1991 kaufte der deutschstämmige Südafrikaner das "Grootbos Private Nature Reserve". Hier können Gäste in einer komfortablen Lodge wohnen, sich biologisch ernähren und die geschützte Flora und Fauna erkunden. Viele der Schwarzen, die dort als Gärtner arbeiten, hat Lutzeyer aus den Townships geholt. "Das waren Leute ohne Job, ohne jegliche Perspektive. Bei uns absolvieren sie eine dreijährige Lehre, die staatlich anerkannt ist, bekommen 40 Euro Taschengeld im Monat bei freier Kost und Logis, machen nebenbei kostenlos den PKW-Führerschein und belegen einen Computerkurs." Rund 60 Jugendliche hat er bereits aus dem Getto geholt. Manche arbeiten inzwischen bei anderen Arbeitgebern und werden "mit Kusshand genommen, weil ihre Ausbildung so fundiert war."
Wenn Michael, wie ihn alle auf Englisch rufen, als Weißer in die Townships fährt, braucht er sein Auto nicht abzuschließen und kann seine Wertsachen im Wagen lassen. Niemand würde ihn beklauen. Südafrika braucht mehr von diesen Michaels.
| Information zu Südafrika |
| Fremdenverkehrsamt: www.southafricantourism.de |
| Einreise: Noch mindestens sechs Monate gültiger Reisepass genügt. |
| Währung: 1 Euro sind etwa 12 Rand. |
| Anreise: Lufthansa (www.lufthansa.com), South African Airways (www.flysaa.com) fliegen täglich von Frankfurt nach Johannesburg und Kapstadt; Air Berlin fliegt von München zweimal pro Woche nach Kapstadt (www.airberlin.com) |
| Übernachten: Winchester Mansions (www.winchester.co.za), kleineres Vier-Sterne-Haus im kapholländischen Stil bei der Victoria & Alfred Waterfront in Kapstadt, das vom Sohn von Dieter Thomas Heck geleitet wird; Preis ab 790 Rand (rund 70 Euro) pro Nacht inkl. Frühstück. |
| Lanzerac Hotel & Spa (www.lanzerac.co.za), historisches Weingut von 1692 in Stellenbosch, reizvoll eingebettet in der Weinregion; Zimmer ab 3300 Rand (ca. 300 Euro). |
| Mount Nelson (www.mountnelson.co.za), plüschig-gediegenes Fünf-Sterne-Haus im viktorianischen Stil von 1899; direkt am Tafelberg; Zimmer ab 6000 Rand pro Nacht (ca. 500 Euro). |
| Besonderer Tipp: Grootbos Private Nature Reserve (www.grootbos.com), Michael Lutzeyer bietet nicht nur arbeitslosen Jugendlichen eine berufliche Perspektive, sondern auch Gästen eine rustikal-komfortable Unterkunft inmitten eines riesigen Naturreservats. |
| Veranstalter: Meier's Weltreisen (www.meiers-weltreisen.de) bietet in Südafrika Rundreisen wie "Höhepunkte in Kapstadt" an (sechs Nächte inkl. Flug, Programm und Hotel ab 1049 Euro pro Person). |
| Fußball-WM 2010: Dertour wird Reisearrangements zur Fußball-WM (11. Juni bis 11. Juli 2010) inklusive Eintrittskarten anbieten. Ein vorläufiges Reiseprogramm wird im Juli 2009 vorliegen, das endgültige erst nach der Auslosung der einzelnen Gruppen im Dezember 2009. |
| Arbeiten in Kapstadt: Wer am Kap einen Job sucht, zweisprachig ist (deutsch und englisch) hat gute Chancen bei: "Arbeiten in Kapstadt" (www.arbeiteninkapstadt.com); vom konkreten Jobangebot bis zur Arbeitserlaubnis werden alle Fragen kompetent beantwortet. |
| Reiseführer: Der ausführlichste für die Kap-Region ist: Iwanowski's "Kapstadt und die Garden Route", 2007, 700 Seiten, 25,95 Euro. |
| Literatur: Der "südafrikanische Henning Mankell" Deon Meyer schreibt tiefsinnige Thriller mit politischem Hintergrund wie "Der traurige Polizist", Aufbau Verlag Berlin, 452 Seiten, 9,95 Euro. |
| Verhaltentipps: Meiden Sie Downtown Johannesburg, Soweto und die Innenstädte besonders nach Einbruch der Dunkelheit. Tragen Sie tagsüber keinen Schmuck. Lassen Sie keine Wertsachen im Auto liegen - die gehören in den Hotelsafe. Während der Autofahrt Fenster und Türen geschlossen halten. Die landesweite Polizeirufnummer lautet: Tel. 10111. |