Mit Apps und Co. durch San Francisco

25. Dezember 2012, 19:54 Uhr

Stadtentdeckung der anderen Art: San Francisco lässt sich bequem mit Smartphone-Apps und sozialen Netzwerken erkunden - ein Selbstversuch mit Tipps für die besten Gratis-Apps. Von Karsten Lemm

San Francisco, App, Kalifornien, California, Golden Gate

Digitale Boheme und Cable Cars

Kurze Pause im Café "Cavalli". Jonas, einer meiner unbekannten Freunde bei "Yelp", hatte vom "besten Tiramisù in San Francisco" geschwärmt. Meine Skepsis gegenüber Lobhudelei in sozialen Netzen schwindet mit jedem Löffel ein bisschen mehr. Um mich herum vertiefen sich viele andere Gäste in ihre Laptops oder lesen Zeitung auf dem iPad. Die digitale Boheme gehört zum Stadtbild wie die Cable Cars.

Welche Bands heute Abend in welchem Club spielen, welche Restaurants in North Beach gerade in sind, wen ich treffen kann - ich befrage ob Freunde in der Nähe sind, mit denen ich ausgehen könnte (Fehlanzeige). "Spindle", eine neue App mit Tipps für San Francisco und Boston, kennt sich aus mit "Nightlife" und "Food & Drink", bietet aber wenig mehr als Rabatt-Aktionen von Restaurants. Bei "Scoutmob" finde ich zwischen Artikeln über "laptopfreundlichste Cafés" und "Tipps fürs Wochenende" eine Show von Nachwuchskomikern im nahen "Purple Onion"-Club, der war mal eine Legende der Beat-Ära. Wird gebucht - gleich per iPhone. Für acht Dollar.

Vor der Show spaziere ich durch North Beach mit seinen gelb, blau und minzgrün gestrichenen viktorianischen Holzhäusern zum Telegraph Hill mit dem Coit Tower, dem Feuerwehr-Denkmal. Ich schnaufe die Filibert Steps hinauf, vorbei an Hängegärten, in denen Papageien schwirren. Auf dem Hügel blicke ich bei einer Runde um den Turm über die ganze Bucht von San Francisco und seine Achterbahn-artige Topografie.

Bei Bier und Schummerlicht im "Purple Onion"

Zwischen den Bürotürmen der Innenstadt pikst die weiße Transamerica-Pyramide die Wolken. Links davon ragt das aufwendig renovierte Ferry Building auf mit seinem umwerfenden Farmers Market direkt an der Bucht. Einer der schönsten Wochenmärkte, die ich kenne, wo Feinschmecker bei Bauern aus der Region ihre Zutaten kaufen. Im Norden schält sich Alcatraz aus der Bucht (ein absolutes Muss - danke, Traci, für die Empfehlung auf "gogobot.com", aber die fesselnde Audiotour durch den Knast kannte ich schon). Westlich leuchten die Pylone der Golden Gate Bridge über dem Pazifik.

San Francisco, App, Kalifornien, California, Golden Gate

Nicht nur in San Francisco: Die App Foursquare ortet per GPS des Smartphones, ob Freunde in der Nähe sind.©

Zeit für das Abendprogramm im "Purple Onion". Das Publikum besteht zumeist aus Freunden und Eltern der Humoristen, die einander auf der Bühne das Mikrofon reichen. Ihre Pointen, denen ich bei Bier und Schummerlicht lausche, verpuffen meist kläglich unterhalb der Gürtellinie. Nach 20 Minuten habe ich genug über Paarungsrituale gelernt und mich mit einer Kleinkünstlerin namens Joanne bekannt gemacht, die ihren Auftritt als Therapie gegen ihre Schüchternheit sieht. Macht nichts. Der erste Flop kam relativ spät, und von der witzlosen Show werde ich zu Hause gern erzählen. Ironie des Schicksals: Der Comedy-Club soll in eine Stripbar umgewandelt werden.

Mit dem Fahrrad über die Golden Gate Bridge

Fluchtgedanken packen mich auch am nächsten Morgen. Nebel hängt über der Stadt. Von wegen "Golden" Gate. Ich tippe auf gut Glück "Nebel" und "things to do" bei Bing und Google ein, ignoriere alle Museen und lande bei einer Facebook-Liste mit dem perfekten Tipp: Rauf aufs Rad und raus aus der Stadt! San Francisco pflegt ohnehin sein grünes Image, prescht voraus mit Hybrid-Bussen und ist frisch verliebt ins Fahrrad. Auf Mountainbikes mit 24 Gängen verlieren selbst steile Hügel den Schrecken. Es wimmelt von Fahrradverleihen; der größte, "Blazing Saddles", hat eine eigene App mit Tourenvorschlägen und Tipps für unterwegs.

Ich lasse mich am Wasser entlang nach Sausalito auf der Nordseite der Bucht lotsen: vorbei an Segelbooten in der Marina auf die Golden Gate Bridge zu, das Nebelhorn trötet. Wolken wattieren die Spitzen der 75-jährigen alten Dame, schön wie am ersten Tag. Auf der Brücke kommt der Wind wie ein unsichtbarer Feind mal von vorn, mal vom offenen Meer und verteilt Hiebe. Zwischen Nebelschwaden gleiten Frachtschiffe und Segelboote vorbei, Klippen und Strände blitzen auf.

Die fünf besten Gratis-Apps EveryTrail: Was liegt am Wegesrand? Vorschläge für Spaziergänge samt Hintergrundinfos für unterwegs. Android und iTunes.

FourSquare: Wer ist wo? Nutzer nennen ihren Standort und sehen, ob Freunde in der Nähe sind und was ringsherum populär ist. Für Android und iTunes.

Scoutmob: Freizeit-Tipps und aktuell gültige Rabatte für Restaurants in der Nähe. Für Android und iTunes.

Sosh: Was ist hier los? Ausgeh-Tipps und Aktivitäten, nach Rubriken geordnet. Nur iTunes (USA).

Yelp: Was taugt ein Restaurant oder Geschäft? Nutzer vergeben Sterne und schreiben Kritiken. Für Android und iTunes.

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