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Albtraumurlaub auf der Trauminsel Phuket

Immer mehr Urlauber auf Thailands Ferieninsel klagen über Nepp, Kriminalität und gewaltbereite Taxifahrer. Im Juni ertranken mehrere Badegäste. Sind Reisen nach Phuket noch zu empfehlen?

Von Michael Lenz, Bangkok

  Das Bild vom Strand von Patong trügt: Die Probleme auf Thailands größter Insel werden immer massiver. Mit einem Brandbrief haben sich die Vertreter mehrerer EU-Länder an das thailändische Tourismusministerium gewandt und fordern Abhilfe.

Das Bild vom Strand von Patong trügt: Die Probleme auf Thailands größter Insel werden immer massiver. Mit einem Brandbrief haben sich die Vertreter mehrerer EU-Länder an das thailändische Tourismusministerium gewandt und fordern Abhilfe.

  • Michael Lenz

Nachdem am vorletzten Juni-Wochenende für vier Touristen die Andamanensee zur Todefalle wurde, sind nun die Strände von Kata und Karon auf Phuket komplett gesperrt worden. Eine Ursache der Badeunfälle mag der Leichtsinn von Feriengästen sein, die trotz Warnungen vor den gefährlichen Meeresströmungen während der Monsunzeit ins Wasser gehen. Man hat schließlich für den Traumurlaub bezahlt, die Sonne ist heiß, das Wasser kühl und das blaue Meer verlockend. Aber das ist nur eine Seite der Medaille.

Auf der anderen sind ein unzureichendes Lifeguard-System sowie die mangelnde Durchsetzung von Badewarnungen zu sehen. Ein Punkt, der auch auf der umfangreichen Phuket-Mängelliste von 18 EU-Botschaften in Thailand zu finden ist. Darin fordern EU-Botschafter nachdrücklich die "strikte Durchsetzung mariner Sicherheitsstandards, einschließlich von Flaggen an den Stränden, die markieren, wo Schwimmen sicher ist". Die Botschafter klagen über Jet-Ski-Betrüger, die Gewaltbereitschaft von Tuk-Tuk-Fahrern und den unzureichenden Schutz von Touristen durch Polizei und Einwanderungsbehörde.

In einer Presseerklärung fordern die Botschafter: "Bürger aus der Europäischen Union stellen einen großen Anteil der ausländischen Phuket-Touristen. Ihre Ausgaben pro Kopf sind hoch und ein wichtiger Beitrag zur lokalen Ökonomie. Die Touristen müssen das Gefühl haben, sicher zu sein und fair behandelt zu werden."

Urlauber werden von Tuk-Tuk-Fahrern abgezockt

Seit gut zwei Jahren schon drängen die EU-Botschafter die Behörden von Phuket und Thailands Regierung in Bangkok, die Sicherheit von Phuket-Touristen zu verbessern. Im Juni waren die Diplomaten sowohl beim Gouverneur von Phuket als auch bei Thailands Tourismusminister in Bangkok vorstellig geworden. Auch die Botschafter der USA, Australiens und Chinas machen inzwischen ihrem Unmut über Abzocke, Nepp, Betrug, Gewalt und Korruption auf Phuket Luft. Auch in den Medien, was Diplomaten gewöhnlich nicht gerne tun. Aber ihre Klagen stoßen auf taube Ohren. Der Bangkok-Repräsentant eines großen Reiseveranstalters, der nicht namentlich genannt werden will, sagt resigniert: "Die Initiative der EU-Botschafter wird nichts ändern."

Auch der deutsche Honorarkonsul auf Phuket klingt resigniert. "Seit unserem letzten Gespräch vor zwei Jahren hat sich nichts verändert. Im Gegenteil, es ist alles noch schlimmer geworden", sagt Dirk Naumann. "Die Mafia hat Phuket fest im Griff." Er und seine Konsulkollegen hätten kaum Kontakt zu den örtlichen Behörden. "Der neue Gouverneur von Phuket ist sauer auf uns, weil wir immer wieder mit Beschwerden kommen." Immer weniger Deutsche würden nach Phuket reisen. Grund sei zum einen der hohe Wechselkurs des Bath, zum anderen auch TV-Berichte über verschmutztes Wasser und Nepp. "15 Prozent der deutschen Urlauber kommen nicht wieder, weil sie von Tuk-Tuk-Fahrern angepöbelt, angegriffen und abgezockt werden."

Per E-Mail haben deutsche Urlauber dem Konsul über ihre schlechten Erfahrungen auf Phuket berichtet. So musste eine Familie mit zwei Kindern aus dem Rheinland für die Tuk-Tuk-Fahrt von Hotel zum Abendessen in ein anderthalb Kilometer entferntes Restaurant 200 Baht (ca. 5 Euro) bezahlen. Das ist gut das Dreifache des Preises einer vergleichbaren Taxifahrt in Bangkok. Für die Rückfahrt wurden ebenfalls 200 Bath gefordert - aber pro Person. "Da wird die Tuk-Tuk-Fahrt teurer als das Abendessen", sagt Naumann. Phuket ist die teuerste Region Thailands. Selbst in Bangkok ist das Leben billiger, für Touristen, aber auch für Einheimische. Naumann sagt: "Hähnchen, Eier und Reis sind in Deutschland billiger."

Die bessere Seite Phukets

Kann man Reisen nach Phuket noch empfehlen? "Auf jeden Fall", sagt Christof Müller entschieden. Er ist Chef des Reiseveranstalters Go Vacation Thailand: "Phuket besteht nicht nur aus den Problemregionen Karon, wo Abwässer ungeklärt ins Meer laufen, und Patong mit seiner Kriminalität. Vor allem für Familien wurden ganz neue Regionen auf Phuket erschlossen." Die großen Probleme Phukets von Überentwicklung, Umweltzerstörung, Nepp und Gewalt gegen Touristen leugnet auch Müller nicht. Aber "unsere Kunden" seien als Pauschalurlauber Problemen wie den betrügerischen Flughafentaxis nicht ausgesetzt. "Wir sorgen für den Transport vom Flughafen zum Hotel. Vor Ort stehen unsere Mitarbeiter als Ansprechpartner bereit. Wenn unsere Kunden abends aber auf eigene Faust losziehen, sind sie natürlich auf sich gestellt."

Thailands Fremdenverkehrsamt versichert, die Behörden, die Touristenpolizei, die privaten Unternehmen und das Fremdenverkehrsamt selbst würden den Sicherheitsproblemen auf Phuket "Priorität" einräumen. Erst vor kurzem seien private Taxis legalisiert worden, in touristischen Zentren wie Phuket Town, Kata, Karon und Patong würden "schrittweise" Kameraüberwachungssysteme installiert. Zudem seien in diesen Orten rund um die Uhr auch Patrouillen der freiwilligen Touristenpolizei unterwegs, versichert Suraphon Svetasreni, Gouverneur der Tourism Authority Thailand.

Trotz aller Probleme: Phuket boomt

In den letzten Jahren hat sich das tropische Eiland neue Märkte erschlossen. Zu Hunderttausenden fliegen Russen und Chinesen ein. Die Besucherzahlen steigen und überkompensieren die rückläufige Nachfrage aus den europäischen Märkten. Naumann findet jedoch, dass sich die Thais in die Tasche lügen, wenn sie nur die Zahl der Ankünfte auf den Flughafen zählen. "Ein klareres Bild der Situation würde die Zahl der durchschnittlichen Übernachtungen sowie die Höhe der Ausgaben der Touristen ergeben." Dann werde offenbar, dass Europäer bei weitem mehr Geld in Phuket lassen als viele Chinesen oder Russen, die im Schnitt nur 2,7 Tage bleiben - Europäer verbringen dagegen 7,9 Tage.

Eine umfassende und nachhaltige Lösung der Probleme ist nicht Sicht. Mit Massenprotesten und unverhüllten Drohungen gegen die Inselregierung widersetzen sich die vielen illegalen Taxi- und Tuk-Tuk-Fahrer jedem Versuch der staatlichen Regulierung. Illegale Fremdenführer nehmen Touristen aus. Taxifahrer "entführen" Fahrgäste zu Hotels, die sie nicht gebucht haben, oder zu Geschäften, in denen sie zu Einkäufen genötigt werden. Nach dem tödlichsten Strandwochenende seit langem verlängerten die Behörden in Windeseile den Vertrag mit dem Phuket Lifeguard Club. Aber nur für zehn Monate und ohne zusätzliche finanzielle Mittel für die laut Vertrag zusätzlichen einzurichtenden fünf Lebensretterstationen an den Stränden von Kata, Kata Noi, Karon, Patong und Kamala.

Naumann ist traurig über die fatale Entwicklung von Phuket. "Ich bin jetzt seit 40 Jahren hier", sagt der Honorarkonsul, der vorrausichtlich im kommenden Jahr in den Ruhestand gehen wird, und fügt hinzu: "Ich hätte nie gedacht, dass es mal soweit kommen würde, aber Phuket ist schlimmer als Pattaya."

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