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10. Juli 2009, 10:14 Uhr

Das Schweigen der Blackbox

Die geborgen Wrackteile des vor Brasilien abgestürzten Airbus werden mit einem Schiff nach Frankreich gebracht, um die Absturzursache zu klären. Air France überprüft derzeit die Anweisungen zur Nutzung des Bordradars. An diesem Freitag wurde die Suche nach den Flugschreibern mit Hilfe von Sonargeräten abgebrochen.

Untersuchungsbericht, Air France, Airbus, Atlantik

Auch das Leitwerk des Unglücks-Airbus wird nach Frankreich verschifft© Eraldo Peres/AP

Der Airbus A330 war in der Nacht zum 1. Juni nach dem Start in Rio de Janeiro mit Ziel Paris vor der Nordostküste von Brasilien ins Meer gestürzt. Alle Insassen kamen ums Leben, unter ihnen auch 28 Deutsche.

Als eine der Konsequenzen aus dem Unglück überarbeitet Air France die Anweisungen zur Nutzung des Bordradars. Das Flugzeug sei unvorbereitet in ein Unwetter geflogen, und der Pilot habe danach die Empfindlichkeit des Radars manuell erhöht, erklärte der Air-France-KLM-Chef Pierre-Henri Gourgeon dem Pariser Blatt "Le Figaro". Man werde nun "die Art und Weise der Radarnutzung überarbeiten", sagte Gourgeon.

Die zweistrahlige Air-France-Maschine war in der Nacht zu Pfingstmontag mit 228 Insassen auf dem Flug in einer Unwetterzone mit großer Geschwindigkeit in den Atlantik gestürzt. Aufschluss über die Ursachen können die auf dem Meeresboden liegende Blackbox geben. Im Umkreis der Absturzstelle wird deshalb fieberhaft nach dem Flugschreiber und Stimmen-Recorder gesucht, der die letzten Gespräche im Cockpit aufgezeichnet hat - bislang ohne Erfolg.

Da aber die Signale der Blackbox, die eine Ortung ermöglichen, von einem Akku gespeist werden, der die Geräte maximal vier Wochen mit Energie versorgen kann, wurde die Suche mit Hilfe von Sonargeräten an diesem Freitag eingestellt. Ferngesteuerte Roboter sollen aber bis zum 20. August den Meeresgrund nach den Geräten absuchen.

Absturzursache weiterhin ungeklärt

Der Absturz der Air-France-Maschine bleibt weiterhin ein Rätsel. "Alle Unfallszenarien werden untersucht", sagte der Air-France-Boss Gourgeon. "Die mechanischen Bereiche, die menschlichen Faktoren, die Wetterkenntnisse." Die letzten Signale des Flugzeugs waren automatische Wartungsmeldungen zum Ausfall der Geschwindigkeitsmesser und des Autopiloten gewesen. Dieses System ist nicht obligatorisch und dient den Technikern am Flughafen zur Vorbereitung der Wartung.

Die Ausfallmeldungen hatten bei den Technikern keine Besorgnis ausgelöst. "Andere Maschinen, die ohne Probleme fliegen und landen, können noch mehr Meldungen senden", sagte Gourgeon. Auch der Verlust des Kontakts zu einem Flugzeug sei nicht unbedingt schlimm. "Wir verlieren oft Flugzeuge über Russland, Afrika und den Ozeanen und wir finden sie wieder." Gourgeon meint damit keinen Totalverlust einer Maschine, sondern nur eine Störung des Funkkontakts und der automatischen Datenübermittlung während des Reisefluges.

Ein Vertreter des Flugzeugbauers Airbus teilte am Donnerstag mit, dass die Wrackteile der vor Brasilien abgestürzten Air-France-Maschine mit einem Schiff nach Frankreich transportiert werden. Dort sollen sie nach weiteren Hinweisen untersucht werden, die Aufschluss auf den Absturz geben können.

Sarkozy will Radar-Löcher über dem Atlantik schließen

Als weitere Konsequenz aus dem Air-France-Unglück will Frankreich für eine bessere Flugüberwachung über dem Atlantik sorgen. Der Airbus war auf dem Weg von Rio nach Paris erst sechs Stunden nach dem Absturz als vermisst gemeldet worden. Frankreich werde Senegal helfen, das "schwarze Loch" der Luftraumkontrolle zwischen Brasilien und Senegal zu verkleinern, sagte diese Woche Präsident Nicolas Sarkozy nach einem Gespräch mit dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inàcio Lula da Silva in Paris. Der französische Staatssekretär Alain Joyandet wird dafür nach Dakar reisen.

Dem französischen Amt für Unfallanalyse BEA zufolge waren die Kontrolleure in Afrika über den Flug nicht korrekt informiert. Das Flugzeug wurde über dem Atlantik von keinem Radar erfasst, und die Piloten hatten keinen HF-Funkkontakt mit Dakar. Der Airbus mit 228 Insassen hatte um 1.35 Uhr letztmals Kontakt mit Recife (Brasilien) und sollte um 2.20 in den von Dakar kontrollierten Luftraum einfliegen. Das letzte automatische Signal gab die A330 um 2.14 Uhr. Erst zwischen 8.00 Uhr und 8.30 Uhr gab die Flugüberwachung in Madrid auf steigender Skala Alarm. Das erste Suchflugzeug in Dakar startete erst um 12.14 Uhr.

tib/DPA/AP

 
 
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