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Boeing malt sich selbst in den Himmel

Eine Boeing ist 18 Stunden lang über Nordamerika geflogen, um auf Flightradar ein ganz besonderes Bild entstehen zu lassen. Doch die angebliche PR-Aktion löst in den sozialen Medien eine hitzige Debatte aus.

Was für ein Bild: ein Flugzeug so groß wie die . Die Nase ist über Wyoming platziert, das Ende des linken Flügels über dem südlichen Teil von Texas. Die rechte Tragfläche endet über Michigan, und das Ende der Maschine erstreckt sich über die Südstaaten in der Nähe von Huntsville in Alabama.

Über insgesamt 20 Bundesstaaten flog eine Boeing 787, auch "Dreamliner" genannt, und legte eine Strecke von 25.373 Kilometer zurück. Die Maschine war am Dienstagabend gegen 23 Uhr vom Werksflughafen der Boeing-Werke in Seattle gestartet und zu dem Ultra-Langstreckenflug aufgebrochen - ausschließlich über dem Territorium der USA.

Das Abbild der Route nach 13 Stunden Flugzeit auf flightradar24.com: Die Reise der Boeing 787 begann in Seattle im Nordwesten der USA.

Das Abbild der Route nach 13 Stunden Flugzeit auf flightradar24.com: Die Reise der Boeing 787 begann in Seattle im Nordwesten der USA.

Wie sonst bei Testflügen üblich, wurde nicht ein Kreis oder eine geradlinige Strecke geflogen, sondern eine höchste ungewöhnliche Route eingeschlagen: Durch die Eingabe bestimmter Koordinaten, sogenannter Wegepunkte, in den Autopiloten, kam ein Kurs zustande, der im Abbild auf flightradar24.com als Silhouette eines Riesenflugzeugs mit zwei Triebwerken erscheint, dessen Spitze genau auf Seattle im Bundesstaat Washington zeigt.

Auf dem 18-stündigen bewegte sich die Boeing 787, ein modernes Langstreckenflugzeug, von dem bereits 565 Exemplare an Fluggesellschaften ausgeliefert sind, in einer Höhe von gut 13.000 Metern.

Keine Kunst am Himmel, sondern ein Testflug

Viele User konnten auf der Website von flightradar die Entstehung des Bildes live mitverfolgen. Doch die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Als in Deutschland die Tagesschau von der Aktion "Flugzeug malt Flugzeug" auf Facebook berichtete, hagelte es kritische Kommentare: "Mit wievielen Tonnen CO2 ist denn dieses Boeing-PR Desaster Bild gemalt?", fragt zum Beispiel Peter Hundert. Und Diana Marquardt gibt den Ratschlag: "Dafür muss man haufenweise Sprit in die Luft blasen? Trampelt doch ein Flugzeug in ein Kornfeld."

Doch bei dem Flug handelt es sich nicht um eine PR-Kampagne, sondern um einen Testflug, der vom Flugzeugbauer Boeing geschickt vermarktet wurde. "Das war kein Flug zum Spaß", sagt Randy Tinseth von Boeing. "Das war ein 18-stündiger ETOPS-Dauertest für die 787-8 mit ihren General Electric Triebwerken." Mit der ETOPS-Abkürzung sind "extended operations" gemeint, die insbesondere Flugzeuge mit nur zwei Triebwerken bei langen Strecken über Ozeane betreffen.

Dreamliner mit Rolls-Royce-Treibwer

Ein Testflugzeug vom Typ Boeing 787: ein Dreamliner mit Rolls-Royce-Treibwerk

Das ETOPS-Regelwerk stellt sicher, dass im Falle eines Triebwerksausfalls in einem festgelegten Maximalzeitraum stets ein Ausweichflughafen sicher erreicht werden kann.

Die Luftfahrtbehörden weltweit stellen bei der Zulassung neu entwickelter zweistrahliger Maschinen hohe Anforderungen an die Zuverlässigkeit der Turbinen und deren Wartung. So stellt der Flug mit der Nummer BOE004 nur nebenbei das wohl größte je gezeichnete Bild der Welt dar. Es handelt sich eben nicht um "Blödsinn", sondern diente vor allem einem Zweck: der Sicherheit auf Ultra-Langstreckenflügen.

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