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Diese Bunker und Raketen sollten die Welt vernichten – nun verfallen sie

Im Kalten Krieg standen sich zwei Machtblöcke bis auf die Zähne bewaffnet gegenüber. Überall in Europa und vor allem in Deutschland gibt es noch die Zeugnisse eines Krieges, der nie ausbrach.

Mrzeyno, Polen: Flugabwehrstellung mit einer SA-5. Mit dieser Rakete und ihrer Einsatzreichweite von 250 Kilometern wurde ein gestaffeltes Abwehrsystem aufgebaut.

Mrzeyno, Polen: Flugabwehrstellung mit einer SA-5. Mit dieser Rakete und ihrer Einsatzreichweite von 250 Kilometern wurde ein gestaffeltes Abwehrsystem aufgebaut.

Mit dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums 1989 endete die bis dahin größte Rüstungsschlacht der Welt zwischen der Nato und den Staaten des Wahrschauerpaktes. Der Kalte Krieg war zu Ende. Eine Zeit lang glaubten viele an das "Ende der Geschichte", dann an einen Zusammenstoß der Kulturen.

Seit ein paar Jahren leben wir wiederum in einer Phase der Aufrüstung – auf der einen Seite die westlichen Staaten und auf der anderen Russland und im gewissen Sinn auch China.

Doch immer noch lebt der alte Kalte Krieg nach 28 Jahren fort – am deutlichsten sichtbar in den Anlagen und Bunker, die damals gebaut und später aufgegeben oder eingemottet wurden.

Für den Band "Spuren des Kalten Krieges – Bunker, Grenzen und Kasernen" bereisten Stefan Büttner und Martin Kaule die verlassenen Zeugnisse dieser Epoche. 120 Orte haben sie besucht und fotografiert in 32 Ländern – wenn auch der Schwerpunkt eindeutig auf liegt. Es ist ein dokumentarisch, historisches Buch mit ausführlicher Kommentierung.

Es ist kein Bildband im Sinne von "Die verlassenen Orte des Militärs". Wer eine optisch aufwendige Bebilderung mit einem gruseligen Schuss Army-Porn zum Durchblättern sucht, wird mit dem gut recherchierten Band nicht glücklich. Anders derjenige, der Hintergrundinformationen zum Rüstungswahn der damaligen Zeit sucht.

Wie eben verlassen

Für den Band spricht auch, dass sich die Autoren nicht auf die allein auf die spektakulärsten Fotos beschränkt haben. Nur wenige Anlagen haben so eine imposante Ausdruckskraft wie das bekannte Busludsha-Denkmal – das "Ufo des Kommunismus" - in Bulgarien. Die meisten der verlassenen Bunkert verströmen eine Tristesse, die sich aus den kunststoffbeschichteten Resopaltischen und den muffigen Braun- und Grüntönen der Zeit speist.

Es ist eine Reise in eine verlassene, unwirtliche Welt von alten Abschussrampen, die ihre antiquierten Luftabwehrraketen gegen einen imaginären Feind richten. Felder voller riesiger Maulwurfshügel aus Beton, unter denen einst in den Silos lauerten. Unterirdische Hangars, in denen vergessene Jets immer noch auf ihren Einsatz warten

Auf den ersten Blick eine Welt von gestern. Dieser Eindruck täuscht: Nach wie vor sind ähnliche, moderne Anlagen in Betrieb. Auch zum Ende des kalten Krieges wurde nur ein Teil der Basen aufgeben. Auf der Krim und im Baltikum kann man derzeit beobachten, wie schnell die alten, schlafenden Militärstrukturen zu neuem, gefährlichen Leben erweckt werden können.

Stefan Büttner / Martin Kaule: "Spuren des Kalten Krieges – Bunker, Grenzen und Kasernen", Mitteldeutscher Verlag, Halle/S. 2017, 240 Seiten, 29,95 Euro.

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