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A380-Pilot fliegt auf Kollisionskurs - und merkt es nicht

Fast wäre es vor wenigen Tagen zum Crash eines Airbus A380 von Emirates mit einem Jet von Air Seychelles gekommen. Doch die Technik bemerkte das menschliche Versagen und verhinderte Schlimmeres.

Am 14. Juli rasten zwei Flugzeuge nördlich von Mauritius aufeinander zu: Der Airbus A380 von Emirates kam aus den Norden, von Süden ein Airbus A330 von Air Seychelles. 

Am 14. Juli rasten zwei Flugzeuge nördlich von Mauritius aufeinander zu: Der Airbus A380 von Emirates kam aus den Norden, von Süden ein Airbus A330 von Air Seychelles. 

Luftstraßen sind Einbahnstraßen. Entgegenkommende Flugzeuge werden von in unterschiedlichen Höhen und in räumlich weit voneinander getrennten Luftkorridoren geleitet. Dennoch fürchten sich Piloten ähnlich wie Autofahrer vor Geisterfahrern - vor Gegenverkehr in der Luft. Denn durch menschliches Versagen kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen, wenn sich die Flugbahnen zweier Jets kreuzen. In der Fliegersprache werden diese Beinah-Kollisionen - etwas umständlich - "near miss" genannt.

Ein solcher Zwischenfall ereignete sich am vorigen Freitag, als ein von Dubai nach Mauritius fliegender Airbus A380 in den Sinkflug zur Inselgruppe im Indischen Ozean ging. Der Fluglotse hatte die Cockpit-Crew dieses Fluges mit der Nummer EK 703 angewiesen, auf Flugfläche 380 (flight level 380) zu sinken. Das entspricht einer Flughöhe von 38.000 Fuß, wie das Portal "Aviation Herald" berichtet.

Doch der verantwortliche Pilot muss flight level 360 verstanden haben. Denn er wiederholte im Funksprechverkehr "FL360". Doch diesen Fehler nahm der Fluglotse zunächst nicht zur Kenntnis. Das Fatale: Kurz zuvor war ein A330 der Air Seychelles in Mauritius in Gegenrichtung gestartet und angewiesen auf flight level 370 zu steigen.

Der riesige Airbus A380 flog zu tief

Dann passierte es: Beide Flugzeuge rasten aufeinander zu. Doch aufgrund bereits Jahrzehnte zurückliegender, früherer Katastrophen gibt es in jedem größeren Flugzeug das Traffic Alert and Collision Avoidance System (TACS). Dieses Kollisionswarnsystem TCAS schlägt an, wenn zwei Maschinen den Sicherheitsabstand unterschreiten. Das System errechnet auch korrespondierende Ausweichempfehlungen: In diesem Fall reagierte der A330-Pilot prompt und zog die Maschine des Fluges mit dem Kürzel HM 54 nach rechts.

Auf Bildern von flightradar24.com, einer Grafik vom Aviation Herald und Google Earth sowie einem auf Youtube veröffentlichten Video ist deutlich zu sehen, wie der kleine Airbus dem größten Passagierflugzeug der Welt ausgewichen ist, um einen Kollision zu verhindern.

Die Flughöhen und das Ausweichmanöver: Links die Route des A380 von Emirates (EK703), rechts den nach Norden fliegen Jets von Air Seychelles (HM-54).

Die Flughöhen und das Ausweichmanöver: Links die Route des A380 von Emirates (EK703), rechts den nach Norden fliegen Jets von Air Seychelles (HM-54).


Die Flugzeuge kamen sich demnach recht nahe: "Beide Crews konnten sich gegenseitig sehen", schreibt der "Aviation Herald": Sie flogen auf derselben Höhe, nur knapp 14 Kilometer voneinander entfernt. Die Begegnung dauerte nur Sekunden, da die Flugzeuge sich mit Geschwindigkeiten von ungefähr 800 Stundenkilometern entgegen kamen.

Nach dem Ausweichmanöver des A330-Piloten machte der Fluglotse den Kapitän an Bord des Super-Jumbos auf seinen Fehler aufmerksam und sagte dem anderen Piloten über Funk: "Der Emirates-Pilot bekommt Schwierigkeiten, wenn Sie eine Meldung machen. Aber wenn Sie den Vorfall nicht anzeigen, ist das für mich erledigt." Vertuscht wurde der Fall jedenfalls nicht.

Kurz nach dem Zwischenfall: Ausschnitt aus dem Funksprechverkehr des Fluglotsen an den Piloten des Maschine von Air Seychelles.

Kurz nach dem Zwischenfall: Ausschnitt aus dem Funksprechverkehr des Fluglotsen an den Piloten des Maschine von Air Seychelles.

Auf der Website von eTurboNews wird der Pilot der Seychellen-Maschine inzwischen hoch gelobt: Deren Schlagzeile zum Artikel über den Beinah-Zusammenstoß lautet: "Air Seychelles Pilot ist ein Held, Emirates Airlines A380-Pilot in Trouble, Passagiere dürfen sich glücklich schätzen!".

tib

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