Kempinski setzt auf Luxus in Nordkorea

5. November 2012, 10:56 Uhr

Die Luxuskette Kempinski wagt sich als erste westliche in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang. Dort will sie künftig das berüchtigte Ryugyong-Hotel betreiben - ein gewagtes Unterfangen. Von Georg Fahrion und Ulf Brychcy

Nordkorea, Ryugyong, Pjöngjang, Kempinski, Reto Wittwer

Die 330 Meter hohe Bauruine in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang: Vermutlich soll 2013 das Hotel Ryugyong eröffnet werden.©

Geht man vom Spitznamen aus, steht das Geschäft unter schlechten Vorzeichen: "Hotel of Doom", Hotel der Verdammnis, nennen Spötter das 105-stöckige Ryugyong in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang. Doch nachdem die Pyramide zwei Jahrzehnte lang als Bauruine vom Scheitern der kommunistischen Wirtschaftspolitik kündete, hat das Hotel endlich einen willigen Betreiber gefunden: Ein Ableger der Luxushotelgruppe Kempinski verhandelt darüber derzeit mit dem Regime.

"Dieses pyramidenförmige Monsterhotel wird das gesamte Geschäft in der Stadt monopolisieren", sagte Kempinski-Chef Reto Wittwer am vergangenen Donnerstag in Seoul. "Ich habe mir gesagt: Wenn es je eine Möglichkeit gibt, müssen wir dieses Hotel bekommen. Falls sich Nordkorea öffnet, wird das eine Gelddruckmaschine", zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg den 64-jährigen Schweizer. Er will die Gäste in 150 der ursprünglich geplanten 1500 Zimmer in den höchsten Etagen des Hochhauses einquartieren. Shops, Restaurants und ein Ballsaal sollen dazukommen.

Touristen als Devisenquelle

Mit dem Engagement in Pjöngjang geht Wittwer eine riskante Wette ein. Zwar inszeniert sich der junge nordkoreanische Diktator Kim Jong-un als moderner Führer. Seit Monaten wabern Gerüchte durch die Szene der Nordkorea-Kenner, Wirtschaftsreformen stünden kurz bevor. Doch konkrete Belege dafür gibt es kaum - eine Öffnung des Landes lässt auf sich warten.

Das betrifft auch die Hotelbranche. Zu Touristen hat Nordkorea ein gespaltenes Verhältnis: Zwar will das chronisch klamme Regime deren Dollars abgreifen. Andererseits beargwöhnt es westliche Ausländer und lässt sie von Aufpassern überwachen. Wie viele internationale Besucher pro Jahr nach Nordkorea reisen, ist nicht bekannt, denn das Land veröffentlicht keine Statistiken. Die Zahl dürfte aber bestenfalls im niedrigen sechsstelligen Bereich liegen. Zum Vergleich: Südkorea verzeichnete 2011 laut der Welttourismusorganisation knapp zehn Millionen ausländische Touristen.

Joint Venture mit der Beijing Tourism Group

Kempinski gilt als expansionsfreudig in Regionen, die noch nicht im Fokus der Nobelhotellerie liegen. Schon vor 20 Jahren war der Hotelbetreiber einer der ersten, die in Russland und dann in China aktiv wurden. Und jetzt, eine Einigung vorausgesetzt, auch in Nordkorea. "Dort sehen wir große Möglichkeiten auch für ein Luxushotel", sagte eine Kempinski-Sprecherin. Kommt der Deal zustande, wird ein Joint Venture mit der Beijing Tourism Group, an dem Kempinski mit 50 Prozent beteiligt ist, das Ryugyong betreiben. Die ersten Gäste sollen im Sommer 2013 einchecken. Für den Betrieb kassiert das Unternehmen eine Managementgebühr. Dieses Modell gilt für fast alle der weltweit 74 Kempinski-Häuser, wie etwa das Berliner Kempinski und das Atlantic in Hamburg.

Die drei großen Herbergen in Pjöngjang, wo internationale Gäste zumeist unterkommen - das Koryo, das Yanggakdo und das Potonggang -, werden vom Staat betrieben. Sie bieten zwar passablen Komfort, entsprechen aber nicht internationalen Spitzenstandards. Kempinski wäre der erste westliche Hotelkonzern, der in Nordkorea aktiv wird - und dürfte somit künftig einen Gutteil der ausländischen Kundschaft anziehen.

Die Kempinski-Gruppe, die von Genf aus gemanagt wird, gilt als profitabel. Geschäftszahlen veröffentlicht das Unternehmen nicht. "Wir sind in privater Hand", begründete die Sprecherin. Die Kette gehört seit 2004 zu gut 95 Prozent dem thailändischen Königshaus. Wittwer berichtet dem Crown Property Bureau in Bangkok, der Vermögensverwaltung der Königsfamilie, über die Geschäftsentwicklung.

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ein König Anteil hat am Schicksal eines Gebäudes, das der Stolz der Kommunisten werden sollte. 1987 begannen die Bauarbeiten an der Pyramide, doch 1993 mussten sie wegen Ressourcenmangels eingestellt werden. Erst 2008 begann der ägyptische Konzern Orascom mit der Fertigstellung - als Teil eines Deals mit dem Regime, das Orascom im Gegenzug erlaubte, ein Mobilfunknetz aufzubauen. Wittwer zufolge haben die Ägypter bereits 180 Mio. Dollar in die Fassade investiert. Weitere Investitionen seien notwendig, um das Niveau eines Luxushotels zu erreichen, so die Kempinski-Sprecherin. Ob die künftige Nobelherberge den Namen Kempinski tragen wird, ist noch ist offen.

Übernommen aus ... FTD www.ftd.de

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