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Entführte Lufthansa-Maschine: Landet die "Landshut" im Museum?

Sie steht flugunfähig im Dschungel Brasiliens: eine ehemalige Boeing 737 der Lufthansa. Nicht irgendein Flugzeug, sondern die "Landshut". An Bord spielten sich dramatische Stunden im "Deutschen Herbst" 1977 ab. Nun prüft die Bundesregierung den Kauf dieses Monuments deutscher Zeitgeschichte.

Boeing 737 Landshut

Die ehemalige Boeing 737-200 der Lufthansa auf dem Flugzeugfriedhof in Fortaleza: Von 1970 bis 1985 war die Boeing 737 für die deutsche Airline im Einsatz, dann als "John Adams" für Presidential Airways in den USA. Sie wurde anschließend vom Passagier- zum Frachtflugzeug, flog nach Angaben der Fachseite "planespotters.net" für TAN Honduras, die französische L'Aéropostale, in Malaysia und Indonesien, bis sie 2002 an TAF Linhas Aereas im brasilianischen Fortaleza ging. 

Die "Landshut" steht schon auf dem Friedhof. Eingezwängt zwischen zwei anderen Flugzeugen, die hier vor sich hingammeln. Wer am Flughafen Pinto Martins in Fortaleza, im äußersten Nordosten Brasiliens landet, kann ganz am Ende der Piste in der Ferne einen kleinen "Cemitério de Aviões" erblicken. Ein Abstellplatz für ausrangierte Maschinen, im Volksmund "Flugzeug-Friedhof" genannt.

Es ist Sperrgebiet und es gar nicht so leicht, dort näher heranzukommen. Die einstige "Landshut", vor vierzig Jahren im "Deutschen Herbst" von Terroristen gekapert, sozusagen ein Dokument der Zeitgeschichte, hat nur noch wenig mit dem Lufthansa-Flugzeug von damals gemein.

Kurz vor dem Verschrotten

Der Lack ist nicht nur sprichwörtlich ab: Die gräuliche Außenhaut ist verwittert, der Passagierraum ohne Sitze, Kabinenfenster zugeklebt, die Reifen platt. Die Boeing 737 war nach mehreren Eigentümerwechseln zuletzt in Brasilien als Transportflugzeug unterwegs.

Seit 2008 ist sie flugunfähig, im trostlosen Zustand der Verschrottung geweiht. Der Flughafen steht vor der Privatisierung, das Verfahren wurde 2016 von der Regierung eingeleitet. Spätestens dann könnte das Ende für die hier stehenden ausrangierten Maschinen kommen, heißt es in Fortaleza. "Es gibt Gerüchte, dass die deutsche Regierung versucht, das Flugzeug zu kaufen", sagt Geraldo de França Júnior von der Flughafenfeuerwehr, als er auf dem Flughafen von Fortaleza auf den "Friedhof" zeigt. Seit neun Jahren steht die Maschine hier, schon lange von Deutschland vergessen.

Das BKA hat den Jet bereits inspiziert

Vor kurzem war aber eine Delegation des Bundeskriminalamtes vor Ort, die sich für einzelne Teile wie Türen oder Leitwerk interessierte. Um mit den Originalteilen in der Heimat die Erinnerung an den legendären Einsatz der Bundespolizei-Spezialeinheit GSG 9 bei der Befreiung der "Landshut"-Geiseln vor 40 Jahren aufrechtzuerhalten. Dabei soll es um einen Preis von rund 25.000 Euro gegangen sein. Nun aber wird in der Regierung sogar der Kauf und die Verschiffung des ganzen Flugzeugs geprüft.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) betont, die "Landshut" sei "eine lebendige Zeugin eines wichtigen Moments der Geschichte der jungen Bundesrepublik". CDU-Vizechefin Julia Klöckner will etwas von einer anstehenden Versteigerung erfahren haben, von der man am Flughafen in Fortaleza aber noch nichts weiß. "Es gibt gute Gründe dafür, dass unser Land das Flugzeug bei der anstehenden Versteigerungsaktion erwirbt", sagte Klöckner der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".


tib/DPA
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