HOME

"Harte Arbeit, die Spaß macht"

Für ihre Reise durch Afrika nahmen sich Fotograf Michael Poliza und sein Team zwei Helikopter und acht Wochen Zeit. Das Resultat ihres Trips von Hamburg nach Kapstadt sind tausende Eindrücke und Bilder. stern.de präsentiert die Höhenflüge und Tieflagen des Abenteuers.

Der deutsche Fotograf Michael Poliza und sein Freund Stefan Breuer haben sich einen Kindheitstraum erfüllt: Mit dem Helikopter flogen sie von Hamburg nach Kapstadt. Auf ihrer achtwöchigen Reise haben sie einzigartige Bilder und Eindrücke von der Schönheit Afrikas gesammelt. stern.de veröffentlichte die Fotos und Tagebücher jeder Etappe. Jetzt berichtet der stern in seiner aktuellen Titelgeschichte von den Abenteuern des Teams. Mittlerweile ist Poliza wieder zurück in Hamburg.

Herr Poliza, ist Ihnen jetzt langweilig?

Von Langeweile kann keine Rede sein. Klar fällt man nach so einer Reise kurzfristig in ein kleines Loch hinein. Doch zwei Tage, nachdem wir zurück waren, wurde bei mir zuhause eingebrochen - Laptops, Elektrogeräte, alle Wertsachen waren weg. Zum Glück hatten wir schon alle Daten kopiert, sonst wäre das Schlamassel jetzt groß. Ich war in den vergangenen sechs Monaten insgesamt nur drei Wochen zuhause in Kapstadt und freue mich schon darauf zurückzukommen.

Was war das für ein Gefühl, einmal quer über Afrika zu fliegen?

Es war eine lange Reise von meinem einen Zuhause in Hamburg zu meinem anderen Zuhause in Kapstadt - und es war toll, endlich den Zusammenhang zu sehen. Manche Reisegefährten wurden von den Vibrationen im Helikopter müde, aber ich habe jeden Meter der Etappen mitbekommen und konzentriert fotografiert. Reisemüdigkeit habe ich nie empfunden.

Dennoch war der Trip harte Arbeit, selbst wenn er Spaß gemacht hat. An jedem Ziel mussten wir eine Satellitenverbindung herstellen, die Generatoren aufstellen, die Laptops auspacken, die Bilder hochladen, grob bearbeiten, sichern und an stern.de versenden. Ich habe auf dieser Reise 750 Gigabyte Datensicherung betrieben. Die Arbeit ging für mich im Camp, beziehungsweise im Lager oder im Hotel, erst los. Hinzu kam, dass man ständig die unterschiedlichen Interessen der Reisegefährten unter einen Hut bringen muss. Man ist den ganzen Tag beisammen und der Helikopter ist sehr eng - da geht man sich schon mal auf die Nerven. Der eine will nach rechts fliegen, der andere nach links... Man arrangiert sich dann damit, aber spannungsfrei kann eine solche Reise nicht sein.

Gab es gefährliche Momente?

Es gab einen brenzligen Moment: Wir sind in einer äthiopischen Kleinstadt gelandet und waren plötzlich von 2000 Menschen umringt, von denen viele noch nie einen Helikopter gesehen hatten. Die Polizei traf ein, um für Ordnung zu sorgen, und es entstand eine Situation, die leicht hätte kippen können. Es waren einfach zu viele aufgeregte Menschen an einem Ort, da hätte leicht Gewalt ausbrechen können. Danach haben wir solche Landungen vermieden.

Haben Sie auch das arme Afrika erlebt?

Wir haben ein armes, aber ein überwiegend glückliches Afrika erlebt. Das elende Afrika haben wir absichtlich gemieden. Wir wollten die Schönheit des Kontinents fotografisch dokumentieren.

Wo sind Sie nachts untergekommen?

Wir haben die ganze Palette an Unterkünften durchgemacht. In Äthiopien übernachteten wir auf Isomatten unter freiem Himmel und ernährten uns von Tüten-Spaghetti. An anderen Orten kamen wir in Fünf-Sterne-Hotels unter. Der größte Teil der Route war geplant. Wir waren mit sechs bis acht Leuten unterwegs und konnten in vielen der kleineren Camps nicht einfach unangemeldet auftauchen. Einzelne Tage haben wir allerdings frei gestaltet.

Sie waren bereits in 140 Ländern unterwegs. Stumpft man nach einer Weile ab, wenn man schon so viel gesehen hat?

Nein. Man wird erfahrener und das Reisen wird normaler, aber je mehr man reist, desto stärker merkt man, was man alles noch nicht gesehen hat.

Was hat Sie besonders beeindruckt?

Die Muster, Texturen und Strukturen, die aus der Luft sichtbar werden - Bilder, die die Natur malt. Ein Höhepunkt war auch die Vielfalt Äthiopiens. Das Land kannte ich noch gar nicht und es hat meine Erwartungen voll erfüllt. Dort gibt es alles - Kultur, Tiere und atemberaubende Landschaft. Dorthin möchte ich unbedingt zurückkehren. Aber auch am Lake Natron, in Botswana, Kenia, Mosambik hätten wir viel mehr Zeit verbringen können. Jetzt freue ich mich auf andere Länder. Als nächstes besuche ich Gabun und die Antarktis.

Interview: Heike Sonnberger

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wissenscommunity