HOME

Fluggäste müssen Stunden auf dem Rollfeld warten - dann kam die Polizei

Die Passagiere fühlten sich als Geiseln der Airline: Nach einem Transatlantikflug landete der Airbus in Ottawa, wo die 336 Fluggäste weder aussteigen durften, noch mit Getränken oder Frischluft versorgt wurden - bis die Polizei anrückte.

Air Transat Airbus A310

Ein Airbus der kanadischen Ferienfluggesellschaft Air Transat (Symbolfoto)

Harte Landung für die Passagiere eines langen Tagesfluges aus Europa, deren Reise viel länger dauerte als geplant. Der Airbus A330 der kanadischen Charterfluglinie Air Transat war am 31. Juli mittags in Brüssel gestartet und hatte Montreal zum Ziel. Doch da am Aéroport international Pierre-Elliott-Trudeau de Montréal ein Unwetter herrschte, wurde der Flug mit der Abkürzung TS157 zum Ausweichflughafen in umgeleitet.

Eigentlich ein Routinevorgang, denn Cockpit-Crews, Airlines und Flughäfen sind auf diese Situation stets vorbereitet. Doch was die 336 Passagiere an Bord erleben mussten, war eine Zumutung. Nachdem die Maschine nach einem mehr als achtstündigen gegen 17.10 Uhr auf dem Ottawa International Airport gelandet war, passierte nichts - über Stunden.

Per Tweet beschrieb später der Airport-Betreiber: "Wir sind enttäuscht über Air Transat Reaktion auf die Umleitung des Fluges 157 nach YOW", womit der Drei-Letter-Code für den Flughafen Ottawa gemeint ist.

Dem Langstrecken- wurde eine Vorfeldposition zugewiesen. Doch nach Angaben des Flughafens wurde keinerlei Service in Anspruch genommen. Stundenlang mussten die Passagiere auf ihren Sitzen in der Kabine ausharren, ohne dass sie mit Getränken versorgt wurden. Was ihnen am meisten zu schaffen machte: Die Klimaanlage war nicht eingeschaltet.

Da sich das Personal an Bord nicht ausreichend um das Wohl der Passagiere kümmerte, griffen einzelne Personen zum Mobiltelefon und wählten die Telefonnummer 911 - der Notruf der örtlichen . Die Flughafenpolizei veranlasste schließlich, dass die Türen des Airbus geöffnet wurden. Außerdem wurden Ventilatoren und Flaschen mit Wasser zum Flugzeug gebracht. Ein Fluggast musste auch medizinisch betreut werden.

An Bord des Transat-Jets eskaliert die Situation

Das Verhalten der Airline hat das Flughafenpersonal sehr verwundert. "Wir hatten ein freies Gate-Tor und eine Treppe für den Fall, dass sich die Fluggesellschaft zum Aussteigen der Passagiere entschieden hätte", heißt es in einer Stellungnahme des Flughafens. "Wir hatten auch Busse auf dem Vorfeld, um Passagiere zum Terminal zu bringen. Doch weder der Bodenabfertigungsdienst noch die Fluggesellschaft forderten diese an."

Die Fluggesellschaft sieht das anders und argumentiert auf Twitter, dass sie den Fall untersuchen wird. Sie spricht von einem "Unbehagen" für die Passagiere, für das sie sich entschuldigt.

Erst nach knapp sechs Stunden hob die Maschine gegen 23 Uhr zum Weiterflug nach ab, und die Passagiere erreichten mit mehr als acht Stunden Verspätung ihr Ziel.



tib

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wissenscommunity