HOME

Die verlassene Seucheninsel von New York

Von Ellis Island im Hudson River haben schon viele gehört. Aber keiner kennt North Brother Island. Die versteckt liegende Insel ist seit mehr als 50 Jahren unbewohnt. Der Fotograf Christopher Payne hat sie besucht.

North Brother Island aus der Luft: Seit den frühen 1960er Jahren ist die Insel verlassen. Einst behandelten Ärzte in den heute verfallenen Gebäuden des Riverside Hospitals Hunderte von Patienten, die an Seuchen erkrankt waren.

North Brother Island aus der Luft: Seit den frühen 1960er Jahren ist die Insel verlassen. Einst behandelten Ärzte in den heute verfallenen Gebäuden des Riverside Hospitals Hunderte von Patienten, die an Seuchen erkrankt waren.

Was nur die wenigsten wissen: Manhattan ist eine Insel. Umgeben von Wasser und weiteren Inseln. Da wären die Einwandererinsel Ellis Island unweit der Freiheitsstatue und das inzwischen von den New Yorkern wiederentdeckte Governors Island vor der Südspitze Manhattans.

Das schmale Roosevelt Island im East River, in den frühen 1980er Jahren noch ein heruntergekommenes Eiland, gilt jetzt als bevorzugte Wohngegend und Touristenattraktion, dank der renovierten Luftseilbahn und U-Bahnstation.

Ganz im Nordosten Manhattans, zwischen dem La Guardia Airport in Queens und der Bronx gibt es weitere Archipele wie die Gefängnisinsel Rikers Island und die zwei Bruder-Inseln. Die beiden letzteren sagen selbst waschechten New Yorkern wenig. Die nördliche und größere, nämlich North Brother Island, misst gerade mal fünf Hektar.

Doch um 1900 war diese Insel den meisten Bewohnern der Metropole bekannt - allerdings stets mit einem Grauen verbunden. Als die Bevölkerungszahlen von New York City gegen Ende des 19. Jahrhunderts explodierten, grassierten immer mehr ansteckende Krankheiten in den Slums Manhattans: Pocken, Typhus, Tuberkulose, Masern, Diphtherie, Fieber und Kinderlähmung gehörten zu den häufigsten Epidemien.

Insel zwischen starken Strömungen

Wegen der isolierten Lage und den berüchtigten Strömungen war North Brother Island noch immer ein unbebautes Areal. Hier entschlossen sich die Stadtväter zum Bau eines speziellen Krankenhauses: Das Riverside Hospital wurde ab 1885 das Quarantänekrankenhaus von .

Die bekannteste -Patientin war Mary Mallon. Die Einwanderin aus Irland war besser als "Thypus-Mary" bekannt, weil sie Thypus-Bakterien verbreitete, ohne erkrankt zu sein. Jedoch hatte sie in ihrer Umgebung zahlreiche Menschen infiziert, weshalb sie bis zu ihrem Tod 1938 im Riverside Hospital leben musste.

1963 wurde das Krankenhaus, in dem zuletzt eine Suchtklinik für Jugendliche untergebracht war, geschlossen. Seitdem bleibt die Insel sich selbst überlassen. Das Betreten des Geländes ist strengstens verboten. Grünpflanzen wuchern, eine Kolonie von Nachtreihern hat hier Quartier bezogen.

Der US-Fotograf Christopher Payne hat mehrmals die verwunschene Seucheninsel besucht, ist durch die leeren Krankensäle, Küchen und Wohnhäuser gestromert und hat die Quarantäne-Welt von einst im Bild festgehalten. Unter dem Titel "North Brother Island - The Last Unknown Place in New York City" sind seine besten Aufnahmen in einem Bildband bei Empire State Editions, einem Verlag der Fordham Universtity Press, erschienen.


Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wissenscommunity