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Stern Logo Ratgeber Asien-Reisen

Wo die Straßen flüssig sind

Noch lässt sich in Indochina ein Stück unbekanntes Asien entdecken: bei einer Bootstour auf dem Mekong. An seinen Wassern verschwimmen Mythos und Wirklichkeit des Landes.

Von Dirk Lehmann

Wasserwelt Mekong: Durch Vietnam stromern
  Samtstrand mit Platzdeckchen: Romantischer Minimalismus: Die Cua-Dai-Strandbars bei Hoi An bestehen aus Bastmatten, Laternen, Luft und Liebe. Bier und Essen gibt's an Ständen

Samtstrand mit Platzdeckchen: Romantischer Minimalismus: Die Cua-Dai-Strandbars bei Hoi An bestehen aus Bastmatten, Laternen, Luft und Liebe. Bier und Essen gibt's an Ständen

Seit zwei Tagen sind Fotograf Hauke Dressler und ich mit einem kleinen Passagierschiff im Mekong-Delta unterwegs. Hier verliert sich der fast 4500 Kilometer lange "Fluss der neun Drachen" in acht, mitunter mehr als 1000 Meter breite Ströme, verbunden durch unzählige Seitenarme und Kanäle. Dieses nasse Labyrinth ist Verkehrsnetz und Bewässerungssystem, Abwasserkanal und Trinkwasserreservoir, Biotop und Lebensraum für 15 bis 20 Millionen Menschen.

Flusskreuzfahrt intensiv

Zwischen dichtem Tropenwald mit Pandanus- und Bananenbäumen drängen sich am Ufer Holzhäuser aneinander, die teils auf Stelzen im Fluss stehen. Hoang erklärt, dass man in Vietnam für ein Haus nur dann Steuern zahlen müsse, wenn es an Land errichtet worden sei. Eine Kanalisation haben diese Häuser nicht, oft beobachten wir, wie die Bewohner Küchenabfälle und Müll in den Mekong kippen. In denselben Fluss, in dem wenig entfernt Kinder baden, in dem sich eine Frau die Haare wäscht, in den ein Junge in hohem Bogen pinkelt - und uns fröhlich winkt.

Longtail-Boote springen spritzend durch die braune Flut, auf dem Heck rumoren riesige, meist unverkleidete Dieselmotoren. Den Frachtschiffen hat man am Bug Augen gemalt: Der böse Blick soll die Flussgeister bannen. Fischfarmen schaukeln in den Wellen, Felder aus Wasserhyazinthen treiben vorbei - die schwimmenden Inseln des Mekongs.

Etwa zwölf Meter lang ist unser namenloses Boot, rund zwei Meter breit, es bietet Platz für bis zu vier Passagiere und die Crew. Der vordere Teil der Kabine ist offen, im hinteren steht das Bett in einer schmalen Koje. Zwischen Schlafabteil und Küche stampft laut der Motor, nachts muss das Boot ankern, man bekäme sonst kein Auge zu. Am winzigen Herd hantiert Dung, die stämmige Köchin, mit großen Töpfen und Pfannen. Jeden Tag bereitet sie Obst zum Frühstück, süßen Kaffee, Saft, Weißbrot. Jeden Tag ein mehrgängiges Mittagessen und ein mehrgängiges Abendmenü. Es gibt Salat, Fisch- oder Nudelsuppe, gedünstetes Gemüse wie grüne Bohnen mit Tomaten und Koriander, gebratenes Hühnerfleisch mit milden Chilis und Nüssen oder in Papier gegarten Fisch mit Limone und Thai-Basilikum.

Serviert wird das Essen von Chien, dem Helfer für alles, er macht das Boot fest, repariert, kauft ein. Abends sitzen wir oft auf dem Oberdeck. Der Tisch steht hinter der stets mit Blumen geschmückten Kapitänskajüte, in der hockt Hoc auf einem abgesägten Gartenstuhl. Der Kapitän ist mit der Köchin verheiratet und mit Helfer Chien verwandt. Nur Übersetzer Hoang lebt nicht am Fluss, er kommt aus Ho-Chi-Minh-Stadt. Deutsch hat er in einem Volkshochschulkurs gelernt, und obwohl er einige Reisegruppen in diese Welt begleitet hat, ist oft kaum zu verstehen, was er sagt. Beim Mittagessen kündigt er an, dass wir nach Xeo Quit fahren, in ein Camp der Vietkong. "Wir besichtigen Verstecke." Dann fügt er hinzu, dass wir im angeschlossenen Vergnügungspark einen Snack nehmen werden. Haben wir uns verhört?

  Hier sind die Frauen am Ruder: Sie gondeln Besucher durch die schmalen, grün gesäumten Wasserstraßen der Einhorninsel Thoi Son

Hier sind die Frauen am Ruder: Sie gondeln Besucher durch die schmalen, grün gesäumten Wasserstraßen der Einhorninsel Thoi Son

Der Krieg und die Liebe

Unser Schiff legt in der Stadt Sa Dec an. Wir springen an Land und folgen einem schmalen, asphaltierten Weg. Vorbei an einem Haus, in dessen Gärten zwei Sarkophage stehen. Was es damit auf sich hat, will ich von Hoang wissen. "Die Eltern", antwortet er, "wir ehren unsere Toten." In vielen Gärten stehen Särge, in Wohnzimmern gibt es Ahnenschreine mit Fotos von Vater und Mutter, mit Räucherstäbchen und Opfergaben. Im nahen Kindergarten hocken Mädchen und Jungen auf dem Boden und singen. Klingelnd scheuchen uns drei Radlerinnen aus dem Weg. Ihre langen weißen Kleider flattern im Fahrtwind. Am Ufer des Flusses hockt eine Frau und spült ihr Geschirr. Aus einer Wellblechhütte scheppert Vietnampop. Hinter uns hupt es. Ein Moped rast vorbei. Schließlich erreichen wir den Markt von Sa Dec. Diese Stadt im Mekong-Delta ist ein Begriff: Hier verliebte sich die Französin Marguerite Duras in einen Chinesen, ihr Buch "Der Liebhaber" wurde ein Weltbestseller. Wir schlendern über den Markt. An den Ständen verkaufen fast nur Frauen - Stoffe, Kleidung, Kleiderbügel, Karaoke-Anlagen.

Um die Ware vor der Sonne zu schützen, haben die Händlerinnen ihre Stände mit Planen abgedeckt, sodass ein buntes Plastikdach die gesamte Marktfläche beschattet. Es hängt ziemlich niedrig, Hauke und ich müssen die Köpfe einziehen. Die Verkäuferinnen kichern und halten sich die Hände vor den Mund, sobald wir sie ansehen. "Hoang", flüstere ich, "warum lachen sie?" Er antwortet: "Schiefe Männer sind lustig."

Zum Camp der Partisanen

Wir steigen in ein kleines Boot, es bringt uns nach Xeo Quit, einem Versteck der Vietcong, Hoang nennt es das "Camp der Partisanen". Frauen in schwarzen Hemden stellen die früheren Krieger dar und paddeln uns durch schmale Kanäle. Xeo Quit ist eine Gedenkstätte für den "Amerikanischen Krieg", wie der Vietnamkrieg in Vietnam heißt. Die Amerikaner betrieben einen großen Militärstützpunkt, rund einen Kilometer entfernt. Und haben nie gemerkt, dass ihre ärgsten Gegner so nah waren. Die Vietcong lebten in unterirdischen Gruben, die Eintrittsluken mit Grassoden getarnt, versteckten sich in Teichen, atmeten durch Halme.

Dicht stehen die Bäume, üppiges Grün umfängt uns, Mücken, schwarze Schmetterlinge und dicke Hummeln taumeln durch die Luft. Wir passieren eine abgesperrte Lichtung, Bambus raschelt im Wind. Ein Schild mit einem Totenkopf warnt: Nicht betreten! Lebensgefahr! Es ist eines der Areale in diesem Land, in dem noch Kampfstoffe liegen. Auf Vietnam wurden mehr Bomben geworfen als auf Deutschland während des Zweiten Weltkriegs.

Umso verblüffender, dass hier ein Mann mit weißer Gitarre eine Treppe herabgetänzelt kommt und mit dem Instrument eine auffallend hübsche Frau in einem schulterfreien, zitronenfaltergelben Chiffonkleid vor der Sonne schützt. Das Paar baut sich zwischen meterhohen Koniferen auf, neben dem geheimen Kommandostand der Vietcong. Und ein professionell ausgerüsteter Fotograf feuert die beiden an, lächeln sollen sie, sich anhimmeln, er soll ihr einen Handkuss geben.

Die beiden sind keine Models, dies ist kein Fotoshooting für Gitarren - die beiden sind Lehrer. Er, 30 Jahre alt, heißt Ben und unterrichtet Mathematik in Chau Doc. Doung, 25 Jahre, Lehrerin für Technik, ist seine Braut. In einigen Wochen wollen sie heiraten. Hier lassen sie die Fotos für die Einladung machen, die sollen ihr Glück zeigen. Warum im Vietcong-Camp? Weil die Natur so schön sei, zudem gebe es diesen kleinen Vergnügungspark mit Vögeln, Schildkröten und Krokodilen. Man bekommt Softdrinks und Snacks, und im Schatten der Bäume schweben Hängematten. Geschichtsträchtige Orte sind in Vietnam nicht tabu.

Im Vergleich zu Thailand kommt uns Vietnam weniger glatt und auf den Tourismus ausgerichtet vor, wirkt nicht schroff und unberechenbar wie China mancherorts. Und so wie wir uns manchmal über die Vietnamesen wundern, amüsieren die sich auch, nicht immer dezent, über uns - über unsere Körperlänge, Leibesfülle und vor allem unsere Haare. Hauke mit seinem Lockenkopf halten sie anfangs für einen Popstar und mich, den Grauschopf, für seinen Vater. Graues Haar haben in Vietnam nur Großväter, altehrwürdige Männer und Suffköppe.

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