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Stern Logo Ratgeber Australien - Down Under

Von der Abifeier ins Outback

Nach der Schulzeit zieht es junge Leute in die Ferne. Viele träumen davon, ein anderes Land zu bereisen und nebenbei zu jobben. Früher war es die USA, heute ist es Australien.

Von Lisa Reggentin

  Der Hut schützt vor der Hitze: Meilin Paschke auf einem Weingut

Der Hut schützt vor der Hitze: Meilin Paschke auf einem Weingut

  • Lisa Reggetin

Mit dem Working Holiday Visum ist es möglich: fremde Kulturen und neue Menschen kennenzulernen, indem man auf Plantagen oder in Restaurantküchen sich das Geld für die weiter Reise verdient. Doch wie organisiert man den monatelangen Aufenthalt im Ausland? Wie leicht findet man den passenden Job und reicht das Geld, um viel vom Land zu sehen?

Die 21-jährige hat es ausprobiert. Noch während der Schulzeit hatte sie sich über Australien und das Work and Travel Programm informiert. Schnell war der Entschluss gefasst, das Land für ein Jahr zu bereisen. "Australien bietet sich für einen langen Auslandsaufenthalt einfach an", erzählt die Studentin. Bevor die große Reise zum fünften Kontinent losgehen konnte, musste einiges organisiert werden. Dazu gehört auch die Aufenthaltsgenehmigung. Besonderer Vorteil bei dem Reiseziel Australien ist das Working Holiday Visum, das Weltenbummlern zwischen 18 und 30 Jahren einen Aufenthalt bis zu zwölf Monaten ermöglicht, inklusive Arbeitsgenehmigung. Für das Working-Holiday-Visum kann man sich vor Reiseantritt bewerben. Meilin war von dem unkomplizierten Verfahren begeistert: "Die Antragstellung für das Visum war kein großer Aufwand. Alles hat schnell und einfach geklappt."

Auf Jobsuche in Sydney

Gleich nach der Abifeier ging es zusammen mit der besten Freundin Richtung Sydney. Die ersten Tage verbrachten die beiden in der australischen Metropole. Doch einen passenden Job zu ergattern, war schwieriger als erwartet. "Eigentlich ist das Jobangebot in Australien riesig", berichtet Meilin, "aber weil wir die ersten Tage in Sydney mehr mit Sightseeing als mit der Jobsuche beschäftigt waren, wurden die meisten Stellen schnell an andere Backpacker vergeben – das hatten wir uns etwas leichter vorgestellt".

Im Internet wurde Meilin auf einen Job bei einem Winzer aufmerksam. Doch es brauchte ein wenig Zeit, bis sie sich an die neuen Arbeitsbedingungen gewöhnt hatten. "Wir haben bei 40 Grad im Schatten auf dem offenen Feld gekniet und Löcher in den Boden gegraben. Besonders am Anfang war das sehr anstrengend. Später mussten wir die Weinstöcke beschneiden und fixieren, damit er ranken kann. Das war nicht mehr so anstrengend und dafür war die Bezahlung nicht schlecht." Nach ein paar Monaten auf der Weinplantage fand Meilin einen Job im Norden von Queensland. In Lakeland hat sie auf einer Farm Bäume gepflanzt. Die Unterkunft wurde kostenfrei vom Arbeitgeber gestellt. "Wir lebten in einer kleinen Hütte ohne Bad. Es passten gerade eine Matratze und ein Tisch hinein. Die Dusche war draußen und auch die Toilette selbst gebaut", berichtet Meilin. "Das war sehr gewöhnungsbedürftig, aber ich konnte durch die kostenlose Unterkunft und den gut bezahlten Job viel Geld sparen und sogar ein paar Wochen Urlaub machen." Die Rechnung ist also aufgegangen.

  Bei 40 Grad mussten die Backpacker auf offenem Feld Löcher in den Boden graben

Bei 40 Grad mussten die Backpacker auf offenem Feld Löcher in den Boden graben

Nach den Arbeitsmonaten in Lakeland bereiste die Studentin weite Teile des Landes. Mit dem Wohnmobil ging es die ganze Ostküste entlang, auch die Westküste hat sie gesehen. Ein Abstecher nach Tasmanien löste große Begeisterung aus. "Die meisten lassen Tasmanien bei der Reise durch das Land aus, weil sie denken, dass Tasmanien nur die Insel unterhalb von Australien ist. Aber es lohnt sich", erzählt die 21-Jährige.

In Australien unter Deutschen

Auf ihrer Reise durch Down Under hat die Abiturientin Leute aus den unterschiedlichsten Ländern kennengelernt. "Man trifft sehr viele Deutsche. Manchmal war ich richtig froh, wenn ich mal keinen deutschen Backpacker getroffen habe. Für mich war es interessanter, die Einheimischen und ihre Lebensweise näher kennen zu lernen." Obwohl die Abiturientin gut Englisch spricht, gab es anfangs einige Verständnisschwierigkeiten. "Man braucht ein paar Wochen, um sich an den Akzent der Australier zu gewöhnen." Doch die Sprache war nicht das einzige, an das sie sich gewöhnen musste. Die vielen giftigen Tiere in Australien bringen so manchen ins Schwitzen. "Besonders vor den Schlangen hatte ich am Anfang großen Respekt. Wir wurden gut aufgeklärt, was im Falle eines Spinnen- oder Schlangenbisses zu tun ist. Mit der Zeit haben wir uns sicher gefühlt. Ich habe zwar ein paar Schlangen und Spinnen gesehen, der Abstand war aber immer noch groß genug, um nicht in Panik zu geraten."

Auf die Frage, ob Australien und das Travel and Work Programm ihre Erwartungen bestätigt haben, ist Meilins Antwort eindeutig: "Australien ist einfach toll und ich hätte nie gedacht, dass ich so viel im Land rumkommen würde. Zwar war der Start ein bisschen schwierig, aber ich habe all das gesehen, was ich gerne sehen wollte. Es war eine wichtige Erfahrung in meinem Leben."
Zum Abschluss gibt Meilin einen Tipp: "Das Great Barrier Reef und Sydney muss man einmal gesehen haben. Besonders beeindruckt hat mich aber der Westen des Landes. Im Gegensatz zum Osten, der sehr touristisch ist, bietet der Westen viel unberührte Natur. Und den Trip nach Tasmanien würde ich jedem empfehlen. Dort zeigt sich Australien von einer ganz neuen Seite."

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