Teufelsritt auf dem Franklin River

Felsen wie aus einem Fantasy-Film und ein furioser Fluss, an dessen Ufer merkwürdige Tiere kreischen: Der Fotograf Lars Schneider erlebte in Tasmaniens Regenwald das Rafting-Abenteuer seines Lebens.

Tasmanien, Australien, Rafting, Hobart

Der Tasmanische Teufel steht seit 1941 unter Schutz©

Tag 3: Von The Irenabyss zum Beach Camp

Zum Frühstück gibt es Schinken und Eier - ein Luxus in unserem Waldcamp. Dazu scheint die Sonne den dritten Tag in Folge, ein Wunder im Westen Tasmaniens, einer der feuchtesten Regionen der Erde mit mehr als 2000 Millimeter Niederschlag pro Jahr; das ist etwa dreimal so viel wie in Hamburg. Wir passieren eine Pegel-Messanlage von "Hydro Tasmania", der Energie-Firma, die den Franklin River einst als Stromlieferanten nutzen wollte.

Ein gruseliges Szenario - die Regenwälder mit mannshohen Farnen und Pandanis, die an Palmen erinnern und nur hier wachsen, mit Tieren wie dem Tasmanischen Teufel und, vielleicht, dem Tasmanischen Tiger, wären verloren gewesen. Der letzte der Art starb offiziell 1936 im Zoo von Hobart, doch seitdem gab es mehr als 300 angebliche Sichtungen. Auch die Steinufer mit Löchern, Kuhlen, Rinnen, präzise gefräst wie von Maschinen, hätte der künstliche See geschluckt.

Am Nachmittag kommen rechts die "Jericho Walls" in Sicht, ein dicht bewaldeter Höhenzug, der dem Franklin gut zwei Kilometer folgt. Dann fahren wir in den "Crankle" ein. "Das Wasser strömt hier in jede Himmelrichtung", sagt Matt. "Beobachtet mal eure Schatten!" Sie umkreisen uns, wir tanzen mit dem Licht, aber wie genau? Abends im Camp suchen wir nach Erklärungen, während wir Steaks grillen. Es bleibt ein Rätsel.

Tasmanien, Australien, Rafting, Hobart

Freie Fahrt für Kajaks, aber Raft-Teams müssen an der Stromschnelle "The Corusades" anlegen und ihr Boot schleppen.©

Tag 4: Beach Camp bis Coruscades

Nach einem nächtlichen Gewitter scheint wieder die Sonne. Wo der Fluss sanft dahinströmt, lassen wir uns immer wieder rücklings über Bord kippen. Wir schwimmen neben dem Raft, bis der "Side Slip" kommt, ein Strudel, der uns durchschüttelt. Ein halbe Stunde danach erreichen wir das "Butterfass", "Churn", wo das Wasser in mehreren Stufen abfällt - der Anfang der größten Schlucht des Franklin, in der der Fluss auf sechs Kilometern 150 Höhenmeter verliert. Das steile Gefälle ist für uns nicht befahrbar, aber wir haben Glück: Wegen des niedrigen Wasserstands müssen wir das Boot nur etwa eine halbe Stunde lang tragen, oberhalb des schäumenden Laufs. Bei Hochwasser kann die Schlepperei mehrere Stunden dauern.

Bisher haben wir den Fluss zahm kennengelernt, selten erlebten wir mehr als Wildwasser im dritten Grad. Sobald es aber anfängt zu regnen, sind schnell sechs Grad erreicht, die Grenze der Befahrbarkeit. "Ich habe den Franklin über Nacht fast zehn Meter ansteigen sehen", erzählt Matt. "Dann muss man ein, zwei Tage an Land warten, bis sich das Ungetüm beruhigt hat." Es fängt an zu nieseln. Werden wir ihm begegnen?

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