Teufelsritt auf dem Franklin River

Felsen wie aus einem Fantasy-Film und ein furioser Fluss, an dessen Ufer merkwürdige Tiere kreischen: Der Fotograf Lars Schneider erlebte in Tasmaniens Regenwald das Rafting-Abenteuer seines Lebens.

2 Bewertungen
Tasmanien, Australien, Rafting, Hobart

Hier macht der Fluss einen sanften Eindruck: 125 Kilometer windet sich der Franklin River durch die Wildnis Tasmaniens.©

Tag 5: Coruscades bis Rafters Basin

Wir wachen im Sonnenschein auf. Die Etappe beginnt mit einem Landgang: Die Rafts müssen am Eingang der "Coruscades", einer der längsten Stromschnellen des Franklin, über Felsen gezerrt, abgeseilt und an Tauen durchs schäumende Wasser geleitet werden. Nach einer Stunde werden wir mit dem Wasserfall "Forceit" belohnt - Rafting, wie man es aus dem Kino kennt. Mit kräftigen Paddelschlägen nehmen wir Fahrt auf, schießen über die Abbruchkante, stehen einen Moment in der Luft. "Over left!", brüllt Matt durch das Donnern. Wir schmeißen uns nach links. "Hold on!", der nächste Befehl, wir klammern uns reflexartig an den Griffen am Rand fest. Das Boot stürzt, wir fliegen im freien Fall hinterher. Alles wird blendend weiß, nass, dann Ruhe, kein Gedanke. "Gut gemacht!", ruft Matt nach dem Aufprall.

Tag 6: Rafters Basin bis Newlands Cascades

"Heute wird's noch besser", verspricht Matt, als wir nach dem Frühstück losfahren. Das Boot tänzelt über Schnellen. Wir brauchen nicht viel mehr zu tun, als auf Kommando von links nach rechts oder auf und ab zu hüpfen. Am "Jaw Breaker", dem "Kieferbrecher", und am "Pig Trough", dem "Schweinetrog", müssen wir die Rafts wieder tragen. Den Namen haben britische Gefängnisaufseher im frühen 19. Jahrhundert erdacht: Die Sträflinge, die hier wertvolles Bauholz fällten, haben sich an dem kleinen Wasserfall gewaschen. Unterhalb liegt "Rock Island Bend". Ein Foto der märchenhaften Felsinsel im Fluss war vor 29 Jahren in Zeitungen in aller Welt abgedruckt, mit Titeln wie: "Würden Sie eine Partei unterstützen, die das durch einen Damm zerstören will?"

Wir schlagen unser Camp an den "Newlands Cascades" auf, unter einem gigantischen Überhang. Zum ersten Mal müssen wir nicht eng gedrängt schlafen. Es beginnt zu regnen. Wenn der Pegel steigt, könnte der Fluss so viel Fahrt aufnehmen, dass die Tour am nächsten Tag nach ein paar Stunden in rasendem Tempo beendet sein könnte. Geplant sind zwei weitere gemächliche Tage. Ich weiß nicht, was mir lieber wäre.

Tasmanien, Australien, Rafting, Hobart

Die große Plane ist aufgespannt und schützt vor dem Regen: im Big Falls Camp©

Tag 7: Newlands Cascades bis Big Falls Camp

Es geschieht, was ich mir am wenigsten wünsche: Es regnet, aber das Wasser fließt trotzdem langsam. Wir paddeln und starren in den Fluss. Scharfe Felsen lauern unter der Oberfläche, die die Gummiwand aufschlitzen könnten. "Ihr seid ja so still, Jungs. Alles okay?", fragt Jason. "Hm. Das macht wohl die viele Natur", antwortet Logan. Im Steilhang über uns taucht der Eingang zur "Kutikina Cave" auf. Die Höhle ist die südlichste bekannte menschliche Eiszeitsiedlung. Im Dauerregen erreichen wir die Kiesbank von "Big Falls Camp", verkriechen uns unter dem schnell aufgebauten Tarp und lassen uns von den Tropfen in den Schlaf trommeln.

Tag 8: Big Falls Camp bis Sir John Falls

Ein letztes Mal beladen wir die Rafts und zwängen uns in nasse Neoprenanzüge. Das Wasser ist dunkler und schaumiger als am Vortag, an den Stromschnellen bilden sich Strudel. Vor sechs Tagen hätte mein Herz bei ihrem Anblick geklopft, jetzt meistern wir sie gelassen. Als wir die Mündung erreichen, den mächtigen Gordon River, teilen wir eine letzte Tafel Schokolade. Die restlichen Kilometer bis zum Camp an den "Sir John Falls", einem beliebten Ausflugsziel, paddeln wir stumm. Am Ziel lassen wir die Luft aus den Rafts: einen langen, zufriedenen Seufzer.

Von Lars Schneider
Seite 1: Teufelsritt auf dem Franklin River
Seite 2: Tag 3: Von The Irenabyss zum Beach Camp
Seite 3: Tag 5: Coruscades bis Rafters Basin
 
Lesen Sie auch