Entspannen wie Gott in Australien

Ein Roadtrip ist immer noch die entspannendste Art des Urlaubs. Australiens Ostküste ist auf jedem Kilometer ein Genuss, besonders auf dem Pacific Highway nach Norden. Von Sophie Albers

Okay, entspannen. Angst wegatmen. Wann immer diese Megatonnenmonstertrucks kurzzeitig die rabenschwarze Nacht erhellen, einfach an was anderes denken. Nicht daran, dass sie uns zwischen Kühlerhaube und Bergwand zerquetschen könnten, ohne es zu merken. Wie eine Mücke. Wir sind liegengeblieben. Unser wunderbares Cabriolet hat einen Platten. Und wir stehen so dämlich hinter einer Kurve auf dem Seitenstreifen, dass ein schlingernder Truck uns erst sehen würde, wenn es zu spät wäre. Mückenmatsch. Wegatmen. Wir sind schließlich hier, um uns zu entspannen. Deshalb haben wir das trubelige Sydney verlassen.

Entspannen könne man gut in den Blue Mountains, sagt meine wunderbare Roadtrip-Kumpanin Diana. Und weil die Fahrt von Sydney in die blauen Berge nicht einmal eine Stunde dauert, haben wir getrödelt - und dann war die Luft raus. Nach gefühlten zehn Stunden findet der Mann vom Straßendienst uns dann doch, schraubt effizient wie wortlos und wird wieder vom durchdringenden Dunkel verschluckt, das in Europa seinesgleichen sucht. Entspannung muss man sich erarbeiten, sagt meine deutsche Seite.

Wasserfälle und grüne Tunnel

Am nächsten Morgen stehen wir auf der Terrasse unseres modern-rustikalen Cottages in Leura, mitten in den Blue Mountains, und staunen über Landschaft, Farben, Luft. Der Himmel hat einfach kein Ende. Das Atmen macht Spaß. In den Bäumen lärmen Kakadus. Wir fahren nach Katoomba, zum Echo Point. Und dann endlich: Beim Anblick der Three Sisters, dieser beeindruckenden Felsformation, die aus einer blaugrünen Walddecke ragt, auf der Wolkenschatten träge Fangen spielen, fällt einfach aller Stress von einem ab.

Kurze Zeit später kraxeln wir durch Wasserfälle, wandeln durch grüne Tunnel oder starren einfach auf diese für Australien so typische, Kopf leerende Weite. Und als die Entspannung irgendwann am Nachmittag hungrig macht, gibt es Kaffee und Kuchen in einem der zahlreichen Coffeeshops, deren einziges Ziel es zu sein scheint, Glück zu verbreiten. Diese Serviceleidenschaft ist für Deutsche immer wieder eine verstörende Erfahrung. Wer es speziell mag, der sollte im Common Ground Café einkehren. Da gibt es nicht nur sehr gesundes Essen, man hat auch das Gefühl, dass Gandalf gleich um die Ecke kommt.

Aber es geht noch mehr. Unser Ziel ist das Mekka der Entspannung. Das liege im Norden, sagt Diana. In Byron Bay, einer ehemaligen Hippiekommune, die ganz nah am Paradies soll - oder dem, was Großstädter sich darunter vorstellen. Dabei ist schon der Weg zum Pacific Highway ein Seelen-Streichler, und ich bin mittlerweile so entspannt, dass ich bei einem Abstecher zum Strand einen Poller mitnehme. Sollten Sie ein Auto mieten: unbedingt Vollkasko.

Das grüne Wunder

Immer wieder halten wir an. So traumhafte Orte wie Saratoga darf man nicht rechts liegenlassen. Oder diese einsamen Strände, von denen es so viele gibt, dass nach fantasievolleren Namen wie Sapphire Beach irgendwann die Sachlichkeit gewinnt, wie etwa beim Nine Mile Beach. Da steht man dann und fragt sich, was so viel Naturschönheit eigentlich mit den Menschen macht. Und warum man selbst in einem Großstadtmoloch lebt, der sich im Winter gern mal auf minus 23 Grad abkühlt. Doch bevor wir eine Antwort finden, erleben wir unser grünes Wunder.

Die Green Cathedral liegt etwa eine Stunde nördlich von Newcastle, bei Forster. Hinter unscheinbaren Palmen (nach zig Kilometern am Stück werden sie das) versteckt sich der Wallis Lake. Man schreitet durch einen lichtdurchfluteten Palmenhain, und plötzlich steht man knapp knietief in einem ruhigen See, der kilometerweit den Himmel spiegelt. Gerade als ich meiner Begeisterung lautstark Ausdruck geben will, bedeutet mir Diana, ruhig zu sein und zu lauschen. Als wäre diese surreal-schöne Landschaft nicht schon genug, höre ich plötzlich Wellen brechen. Auf der anderen Seite der Straße wartet nämlich der Ozean. Das ist so ein Multi-Moment, den man in seinem Leben nicht vergisst.

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