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Raus ins Grüne

Hongkong besteht nicht nur aus Hochhäusern, sondern auch aus grünen Oasen und Stränden. Man muss die erholsamen Orte nur kennen.

Von Jan-Philipp Sendker

Lamma Island

Nur 30 Minuten vom quirligen Downtown Hongkong entfernt: Lamma Island

Hu ist ein ruhiger Mann, der stille Orte liebt. Er sitzt am Lo So Shing Beach im Schatten einer Pinie. Vor ihm liegt ein fast türkisblaues Meer, auf dem sich ein paar weiße Schaumkronen kräuseln. Es ist feucht und warm, aber dank des Windes nicht zu heiß. In der einsamen Bucht dümpelt ein Ponton für Schwimmer, der Strand ist sauber und menschenleer, drei Bademeister hocken an einem Tisch und spielen Karten. "Wenn ich hier sitze, vergesse ich manchmal, wo ich bin", sagt Hu und seine leise Stimme übertönt nur mit Mühe, das sanfte Rauschen der Brandung. Er ist in Hongkong, genauer, auf Lamma Island, der drittgrößten Insel der ehemaligen britischen Kronkolonie und wer sie einmal besucht hat, versteht, was Hu meint.

Lamma ist nur eine knapp dreißigminütige Fährfahrt vom Zentrum Hongkongs entfernt. Doch liegen Welten zwischen den beiden Gesichtern der Großstadt. Auf der Hauptinsel bestimmen Wolkenkratzer und Straßenschluchten das Bild. Über dem Hafen liegt oft eine braune Glocke aus Smog und Dunst. Gegenüber in Kowloon leben 43.000 Menschen auf einem Quadratkilometer, so viele wie kaum irgendwo sonst in der Welt. Auf Lamma hingegen darf kein Haus mehr als drei Stockwerke haben. Es gibt keine Autos. Durch die schmalen Gassen der Dörfer rennen spielende Kinder. Morgens wecken krähende Hähne die Bewohner. Die Entdeckung der Langsamkeit, mit der Weltstadt in Sichtweite.

Hu kam vor zehn Jahren aus Peking in das Insel-Idyll. Der 48-jährige Poet und Literaturwissenschaftler musste aus China fliehen, weil er politisch in Ungnade gefallen war und seine Verhaftung drohte. Er wollte in Hongkong nicht länger bleiben als unbedingt nötig. Bis sich die Wogen geglättet hatten, ein paar Monate vielleicht. Höchstens. Daraus wurde mehr als ein Jahrzehnt und ein Ende seines Exils ist nicht in Sicht. Wann immer er sich in China an einer Universität bewirbt, legt die Staatssicherheit ihr Veto ein. "Ich gewöhne mich an den Gedanken, für immer hier zu leben," sagt er, steht auf und macht sich auf den Heimweg.

Der Wanderpfad führt durch eine dichte subtropische Vegetation, am Rand des Weges wachsen Bananenstauden, meterhohe Farne und Bambushaine. Von den Bäumen hängen Luftwurzeln, die manche Ecken in einen Dschungel verwandeln. Wo die leichte Meeresbrise fehlt, ist es heiß und feucht, der Schweiß rinnt in kleinen Bächen den Körper hinunter. An einer Biegung hat ein geschäftstüchtiger Chinese einen kleinen Stand mit gekühlten Erfrischungsgetränken aufgebaut. Wir erklimmen einen lang gestreckten Berg und marschieren auf dem Kamm weiter. Der Blick ist überwältigend. Richtung Norden ragen die Hochhäuser von Aberdeen und Pok Fu Lam in den blauen, wolkenlosen Himmel. Im Westen sind die fast tausend Meter hohen Berge Lantaus zu sehen. Davor liegen mehrere Containerschiffe auf Reede. Unter uns das südchinesische Meer und eine raue, zerklüftete Küstenlandschaft mit kleinen Buchten und Felsen, an denen sich die Wellen brechen. "Ich hätte es schlechter treffen können", sagt Hu. Über sein Gesicht fliegt ein kurzes, fast schüchternes Lächeln, dann marschiert er weiter.

Kleine Fluchten per Fähre

Sein Unterschlupf ist eine von vielen, wenig bekannten Oasen, die Hongkong seinen Bewohnern - und Besuchern - bietet. Die knapp über sieben Millionen Einwohner zählende Stadt steht in dem Ruf, nur ein Betonmoloch zu sein. Ein internationales Finanzzentrum, eine riesige Shopping Mall. Falsch. Ganz falsch. Hongkong ist auch ein Paradies für Wanderer und Naturfreunde - oft genügt eine kurze Fährfahrt und von der Großstadt mit ihrem Krach, dem Schmutz und der Enge bleibt nur noch die Erinnerung. Kaum ein Besucher weiß, wie grün die Metropole eigentlich ist. Von den gut tausend Quadratkilometern sind nur 25 Prozent bebaut, bald die Hälfte der Fläche ist Parks und Naturschutzgebieten von eindrucksvoller Schönheit vorbehalten.

Eine andere, weniger versteckte Oase, ist die Sai Kung Halbinsel im Osten der ehemaligen Kolonie. In diesem dünn besiedelten Gebiet kann man zahlreiche, ganz unterschiedliche Wanderungen machen. Eine besonders schöne führt in einem weiten Bogen um das High Island Reservoir. Früher wurde in der Nähe Sai Kungs Erdnüsse, Gemüse, Reis und Tee angebaut, daran erinnern nur noch vereinzelte Ruinen im dichten Grün. Statt kultivierter Vegetation zeigen sich dem Wanderer heute Landschaften von erstaunlicher Vielfalt. Manche der baumlosen Hügel wirken so karg und abweisend wie schottisches Hochland.

An anderen Stellen fallen die steilen Vulkanfelsen dramatisch ins Meer, als wäre es die Atlantikküste. Die feinsandigen Strände in der Bucht von Tai Long Wan sind so lang und breit, dass sie auch in der Karibik liegen könnten, das Wasser schimmert türkis in der Sonne. Die Inselwelt vor Sai Kung mutet im Gegenlicht der tief stehenden Sonne fast mediterran an. Die einzigen Geräusche sind die Brandung des Meeres, Vogelgesang, ein vereinzelter Wasserfall und das Zurren der Insekten. Unvorstellbar, das in einem Umkreis von wenigen Kilometern mehrere Millionen Menschen leben. Quer über die Halbinsel und durch die New Territories führt in mehreren Etappen und auf über hundert Kilometern der Mac Lehose Trail.

Wandern auf Lantau

Auch die größte Insel, Lantau, kann man auf mehr als siebzig Kilometer langen, gut ausgeschilderten, Pfaden durchqueren. Wer nur ein paar Stunden Zeit hat, muss, um Ruhe zu finden, nicht einmal in die Vororte oder aufs Land fahren. Selbst Hongkong Island, das bei einem flüchtigen Blick aussieht, als wäre fast jeder Quadratmeter bebaut, besitzt einen fünfzig Kilometer langen Wanderweg, der sich über die Insel windet und dabei nur viermal auf eine Strasse trifft.

Sai Wan Ho, Fähranleger, früher Abend. Das Wasser gluckst und gurgelt an der Kaimauer, eine kleine Fähre legt sich mit der Steuerbordseite an den Pier. Der Kapitän und Steuermann steht auf seiner Brücke und beobachtet, wie die wenigen Passagiere ins Boot klettern. Als der letzte an Bord ist, macht der Matrose die Leinen los, das Schiff wendet und der alte Dieselmotor beginnt laut zu stampfen. Das Schiff ist so klein, dass wir unter der Brücke, am Bug, sitzen und die Beine baumeln lassen können. Unter uns spritzt die weiße Gischt, der warme Wind streichelt die Haut. Für fünf Hongkong Dollar, umgerechnet knapp vierzig Cent, geht die zwanzigminütige Fahrt auf die andere Seite des Hongkonger Hafens, vorbei am stillgelegten Flughafen Kai Tak, nach Sam Ka Tsuen. In der Ferne blinken die vielen bunten Leuchtreklamen der berühmten Skyline, vor uns gleitet ein großes Kreuzfahrtschiff hinaus aufs Meer.

Für die meisten Hongkonger sind die vielen Fähren zwischen den Inseln lediglich Transportmittel, für Besucher sind sie eine der romantischsten Arten, die Stadt zu erfahren. Nicht die großen Schiffe, auf denen hunderte von Passagieren in klimatisierten Räumen sitzen, sondern die kleinen, die fast im Verborgenen auf den wenig benutzten Routen fahren.

Wo Buddha in Hongkong seinen Tee trinken würde

Eine Oase mitten im Herzen der Stadt ist das World Peace Cafe in Wan Chai. Draußen drückt die heiße und stickige Luft, in der Mittagszeit drängeln und schieben sich die Menschen auf den schmalen Bürgersteigen, vor vielen Restaurants stehen lange Warteschlagen. Auch im Cafe ist jeder Platz besetzt, aber es ist ruhig, aus den Lautsprechern tönt gedämpfte Jazzmusik. Freundliche Kellnerinnen nehmen ohne jede Hast Bestellungen auf. Das Cafe gehört zu einem angrenzenden buddhistischem Zentrum, wer hier arbeitet, ob als Koch, Kellner oder Tellerwäscher, tut das freiwillig und ohne Bezahlung.

Eine der Kellnerinnen ist Evelyn Tang, im Hauptberuf Schmuckdesignerin. Die 35jährige hat in Central einen kleinen Modeschmuckladen und serviert, wann immer sie es einrichten kann, in ihrer Mittagspause im World Peace Cafe. Oft kommt sie morgens, vor der Öffnung ihres Ladens, noch zu einer Meditation vorbei. "Meine Eltern glauben ich spinne", sagt sie und lacht. "Arbeiten, ohne Geld dafür zu bekommen. Aber ich brauche die Ruhe hier als Ausgleich. Wenn Hongkong seine Oasen nicht hätte, wäre es keine Stadt, in der ich leben möchte." Glücklicherweise gibt es genug davon.

Infos

Hong Kong Tourism Board


Humboldtstrasse 94, 60318 Frankfurt

Tel. 069 - 969 1290

www.hkta.org


World Peace Cafe


Wo Buddha in Hongkong seinen Tee trinken würde. Ein Ort der Ruhe im hektischen Wan Chai.

21-23 Tai Wong Street, Wan Chai, Hong Kong

Tel. 00852 2527 5870

Geöffnet tägl. außer sonntags, 12-15 Uhr

www.worldpeacecafe.hk


Man Lai Wah Hotel


Für den kleinen Geldbeutel: Bescheidenes Haus auf gehobenem Jugendherbergsniveau, dafür Zimmer mit Balkon und Blick aufs Meer. Sauber und zuverlässig. DZ ab 30 Euro

2 Po Wah Garden, Yung Shue Wan, Lamma, Hong Kong, Tel. 00852 2982 0220

E-Mail: manlaiwahhotel@yahoo.com

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