In China ist alles anders

In China gelten andere Regeln als im europäischen Alltag. stern.de hat die wichtigsten Umgangsregeln zusammengefasst, die man vor einem Besuch im Reich der Mitte unbedingt kennen sollte. Von Carola Kuhlmann

China, Knigge, Sitten & Gebräuchen, Shanghai

Andere Länder, andere Sitten - auch am chinesischen Esstisch.©

Trotz des rasanten Wandels im Reich der Mitte innerhalb der letzten 25 Jahre und einer Annäherung an den Westen sollte man einige Grundbegriffe kennen, die in der chinesischen Gesellschaft auch weiterhin eine große Rolle spielen. Die nach Rubriken aufgeteilten Tipps sind hilfreich beim nächsten China-Besuch, egal, ob es sich um eine Rundreise als Tourist oder um einen Geschäftstermin handelt.

Die drei Grundpfeiler

Das "Guan Xi" (关系) steht für Beziehungen. Die Bevölkerungsdichte und die daraus resultierende harte Konkurrenz, um beispielsweise im Studium oder Arbeitsleben voranzukommen, erfordert Unterstützung von Familie, Bekannten, aber auch Fremden, die dafür sorgfältig ausgewählt werden.

Die Art und Weise, solche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, ist "Ren Qing" (人情). Es bedeutet so viel wie "Jemandem einen Gefallen erweisen". Meist erfolgt der Kontakt über Einladungen zum Essen oder in Form von Geschenken. Diese zwischenmenschlichen Beziehungen werden sehr gepflegt. Wer sie vernachlässigt, verliert schnell den Anschluss und wird ausgeschlossen. Also achtet jeder darauf, am gesellschaftlichen Leben innerhalb einer Gruppe teilzunehmen. Oft entstehen Kontakte innerhalb der gleichen Firma. Während der Gruppenessen klärt man etwa auch Meinungsverschiedenheiten.

Besonders wichtig im gesellschaftlichen Umgang ist "Mian Zi" (面子), die Wahrung des Gesichts. Es wird darauf geachtet, dass sowohl das eigene Gesicht als auch das des Gegenübers gewahrt wird. Dazu gehört auch, dass man seine Mitmenschen nicht durch Kritik bloßstellen darf. Das ist auch einer der Gründe, warum Chinesen ungern Fragen stellen bzw. gestellt bekommen, da sie eventuell zugeben müssten, etwas nicht zu wissen. Geschickter ist es, Alternativen anzubieten, aus denen sie dann auswählen können.

Allgemein

• Die europäische Regel "Ladys first" ist eher unüblich. Ältere Menschen oder Leute mit höheren Positionen werden aus Respektgründen immer zuerst angesprochen, begrüßt, oder ihnen wird die Tür aufgehalten, bzw. man erhebt sich vom Platz.

"Bitte" und "danke" werden in China nicht so häufig verwendet. Chinesen denken, dass es distanziert und oberflächlich klingt. Bestimmte Dinge werden auch als Selbstverständlichkeit hingenommen, die nicht unbedingt eines zusätzlichen Danks bedarf. Ein Äquivalent zum verbalen "Xiexie" (danke) ist das mehrmalige Klopfen mit den Fingerkuppen auf den Tisch.

• Ein gepflegtes Auftreten entspricht der Einstellung "Kleider machen Leute", die in China ganz wichtig ist. Dazu gehören neben ordentlicher Kleidung in jedem Fall saubere Schuhe, aber auch harmonische Bewegungen.

• Kommt es zu einem Problem, gehen Chinesen es aus unterschiedlichen Blickwinkeln an und machen es nicht an einer konkreten Situation fest. Sie benennen nicht einfach das Problem, sondern klären, wie es dazu kam. Zudem wird die Situation immer in einem zeitlichen Kontext betrachtet, also kann man schwer Entscheidungen treffen, da sich die Situation mit der Zeit ja ändern könnte. Die Probleme werden also in ihrer Gesamtheit betrachtet, aus immer wieder neuen Perspektiven beleuchtet und Schritt für Schritt anhand von Gegebenheiten und Erfahrung gelöst. Wichtig ist eine optimale Lösung, die auch anhand von Kriterien wie Harmonie mit der Umwelt und guter Integration ins Ganze gesehen wird.

• Ein weiterer Unterschied zwischen Menschen aus Ost und West ist die Bedeutung des Lächelns. Natürlich lächeln und freuen sich Asiaten über die gleichen Dinge wie Europäer, aber auch bei Unwissenheit, Scham, Missmut oder sogar Schmerz und Trauer sieht man sie lächeln.

• Chinesen werden äußerst selten mit einem "Nein" oder "Das weiß ich nicht" antworten, sondern immer Alternativen für eine Verneinung finden. Das gebietet ihnen die Höflichkeit.

Business-Etiquette

• Dauerhafte Beziehungen zu chinesischen Partnern basieren in der Regel auf guten persönlichen Kontakten.

• Es ist darauf zu achten, dass auch bei geschäftlichen Kontakten fast immer persönliche und private Aspekte Einfluss haben. Die Harmonie der Geschäftsbeziehung ist wichtiger als der kurzfristige wirtschaftliche Erfolg. Daher sollte man bei Geschäftstreffen auch nie sofort "zum Punkt kommen", sondern erst einmal eine harmonische Atmosphäre schaffen.

• Das gesellige Beisammensein der Kollegen nach Feierabend ist ein Muss und fast schon Bestandteil der Arbeit.

• Der Status gilt viel, und man sollte sich nicht scheuen, nebenbei von Zugehörigkeiten zu exklusiven Vereinen oder dem Kennen wichtiger Leute zu sprechen; das verschafft Anerkennung.

• Es ist unabdingbar, sich im Vorfeld über den neuen Geschäftspartner und das Projekt sorgfältig zu informieren. Punkte sammelt man jedoch nicht über forsches und erfahrenes Auftreten, sondern eher durch Schweigen und gezieltes Fragenstellen.

• In China ist die Rangfolge der Teilnehmer erkennbar. Das heißt: Die höchstrangige Person betritt immer als Erste den Raum, um sich dann an den wichtigsten Vertreter der anderen Gruppe beziehungsweise den Gastgeber zu wenden. Alle Anwesenden begrüßen sich schließlich entsprechend ihrem Status. Dabei schüttelt man mit leichter Verbeugung sanft die Hände.

• Der Einsatz von Visitenkarten und deren korrekte Übergabe spielen eine große Rolle im Geschäftsleben.

• Im Geschäftsleben ist Pünktlichkeit Pflicht.

Ess- und Trinkgewohnheiten

• Chinesen bevorzugen warmes Essen und warme Getränke; man kann fast sagen, dass die gesamten Mahlzeiten warm genossen werden.

• In China wird mit Stäbchen gegessen; zwischen den einzelnen Gängen legt man diese auf ein kleines Bänkchen neben dem Teller.

• Man steckt niemals die Stäbchen in eine Schale mit Reis, dies ist nur bei den Opfergaben für die Ahnen üblich und soll deshalb Unglück bringen.

• Neben grünem Tee wird zum Essen gern abgekochtes Wasser getrunken.

• Ein gemeinsames Essen im Restaurant endet in der Regel sehr abrupt. Der chinesische Gast verlässt meist nach Beenden der Mahlzeit schnell den Tisch.

• Bei einer Einladung zum Essen bedient man sich nicht selbst, das ist die Aufgabe des Gastgebers.

• Es gilt als unhöflich, alles aufzuessen, da dann angenommen wird, dass man noch Hunger hat. Man lässt einen kleinen Rest übrig, sonst wird nachgelegt.

• In netter Runde wird gern Alkohol getrunken; dabei sind Trinksprüche sehr verbreitet.

Gesten, Gewohnheiten, Tabus

• Die Fuß- oder Schuhsohlen gelten als der "niederste Teil" des Körpers. Man zeigt deshalb nicht mit dem Fuß auf etwas oder schiebt Gegenstände mit diesem vor sich her. Dieses Tabu ist auch beim "Übereinanderschlagen der Beine" zu beachten.

• Beim Betreten eines Privathauses oder einer religiösen Stätte, lässt man die Schuhe vor der Tür stehen.

• Man sollte nicht mit der ausgestreckten Hand oder gar dem Zeigefinger auf Personen deuten. Dies gilt in als grober Verstoß der Höflichkeit.

• Obwohl es im Alltag (etwa in der U-Bahn) so scheint, als hätten Chinesen keine Berührungsängste, sind ihnen persönliche Berührungen wie Umarmung, Begrüßungsküsschen, Schulterklopfen eher fremd.

Gute Gesprächsthemen sind: Geschichte, Kultur, Familie, Fortschritt in China.

Schlechte Gesprächsthemen sind: Kulturrevolution, Sex, Vermögen, Politik.

• Aberglaube und Zahlen spielen in China eine sehr wichtige Rolle. Glück bringende Zahlen sind die 2 ("Das Glück ist als Zwilling geboren"), die 3 (bedeutet Wohlstand, Erfolg, Leben), die 6 (hat denselben Wortlaut wie "erfolgreich, ohne Hindernisse"), die generelle Glückszahl 8 (bedeutet "reich werden") und die 9 (heißt "lang anhaltend" und war Symbol des Kaisers). Die Unglückszahlen sind viele ungerade Zahlen und vor allem die 4, denn sie hat denselben Laut wie das Wort "Tod".

• Von wichtiger Bedeutung sind auch Farben und Symbolik. Dieser Symbolismus hat viele Ausdrucksformen. Zum Beispiel Früchte - Orangen (Glück), Äpfel (Frieden) und Pfirsiche (langes Leben) sind positive Symbole. Geschenke werden in Farbpapiere eingewickelt, die Wünsche symbolisieren (Rot und Gold sind positive Farben, Weiß und Schwarz sollten vermieden werden). Gäste werden gern in Räumen empfangen, die geografische oder geschichtliche Symbolik enthalten.

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