Meine Lieblingsorte in Shanghai

Wohin gehen, wenn man zum ersten Mal Shanghai besucht? Unser Autor verrät die schönsten Bars mit Aussicht, leckere Restaurants und Stadtviertel mit kolonialem Charme - eine Liebeserklärung. Von Janis Vougioukas, Shanghai

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Hoch, höher, Hyatt: Treffpunkt für Cocktails mit Aussicht über Shanghai ist das Hyatt Hotel©

Eines vorweg: Shanghai ist nicht schön. Wirklich nicht. Seit genau zehn Jahren wohne ich jetzt in Chinas wichtigster Boomstadt. Seitdem gucke ich zu, wie die Stadt jedes Jahr hässlicher und unmenschlicher wird. Mehr Beton, immer neue Hochhäuser, immer mehr Autos. Trotzdem liebe ich diese Stadt und kann mir inzwischen kaum noch vorstellen, irgendwo anders zu leben.

Inzwischen weiß jeder Mensch, dass Shanghai zu den aufregendsten Orten der Welt gehört. Die mitunter zerstörerische Dynamik, der Baulärm und der Gestank gehören nun mal dazu, und den Preis bezahle ich gerne. Dafür entdecke ich jede Woche einen neuen Wolkenkratzer oder einen eben frisch gestrichenen Stadtteil. Am Wochenende steigen wilde Abrisspartys in stillgelegten Fabriken. Und wenn ich will, kann ich mit dem Transrapid zum Flughafen fahren. Das geht nur hier. In zehn Jahren habe ich mich noch keine einzige Stunde gelangweilt. Denn selbst ein Besuch beim ständig überfüllten Ikea wird hier zur Großstadtsafari.

Der Blick aus dem 87. Stock

Besucher aus Deutschland nehme ich zuerst immer mit in eine der Bars, ganz oben in den nagelneuen Wolkenkratzern, am Besten abends, kurz nach Sonnenuntergang. Dann stehen wir sprachlos am Fenster und schauen auf die dampfende Stadt, die sich bis zum Horizont ausbreitet, auf 6300 Quadratkilometern. Das geht natürlich nur an smogfreien Tagen, dann empfehle ich die Dachterrasse des Flair im 58. Stock des Ritz-Carlton Hotels in Pudong. Oder die Vue Bar im 30. Stock des Hyatt on the Bund. Die haben da sogar einen Whirlpool, und es gibt tatsächlich Menschen, die sich da reinsetzen. Wem das noch nicht reicht, der kann die Bar Level 87 besuchen, ja genau: im 87. Stock. Aber dazu muss der Himmel schon sehr klar sein.

Das wirkliche Leben findet man natürlich nicht in den Hoteltürmen. Wer nach Shanghai kommt, sollte so viel Zeit wie möglich auf der Straße verbringen. Am schönsten ist das französische Konzessionsviertel, wo noch heute die halbverfallenen Kolonialhäuser der Franzosen stehen, wo die Nachbarn ihre Unterhosen zum Trocknen auf die Telefonleitungen hängen. Alt und Modern reiben sich hier aneinander, und am Straßenrand stehen sogar noch die alten Platanen, die die Europäer einst hier pflanzten. Viele Hotels verleihen Fahrräder und helfen sonst auch bei der Suche nach Mietfahrrädern. Toll sind auch die Stadttouren von Shanghai Sideways, stilecht auf alten BMW-Weltkriegsmotorrädern mit Beiwagen.

Gerichte auf dem Teller und iPhone

In Shanghai gibt es über 40.000 Restaurants, und ich versuche, möglichst viele davon auszuprobieren. Essengehen ist die liebste Freizeitbeschäftigung der Chinesen, und die Wartezeit zwischen den Mahlzeiten wird damit überbrückt, dass man sich die Fotos vom letzten Restaurantbesuch anschaut und gleich nach dem Mittag beginnt, Pläne fürs Abendessen zu machen. Ein Muss ist die scharfe Hunan-Küche von Di Shui Dong, die exotischen Yunnan-Gerichte bei Lost Heaven und sonntags zum Brunch die Hongkonger Dim-Sum-Gerichte bei Crystal Jade.

Es gibt in Shanghai inzwischen auch Tausende ausgezeichnete westliche Restaurants, am berühmtesten ist M on the Bund wegen der tollen Aussicht. Ich mag auch die vielen kleinen japanischen Restaurants, die besten, die ich bisher außerhalb von Japan gefunden habe. Eine gute Übersicht mit Tipps, Wegbeschreibungen und Fotos gibt es auf smartshanghai.com.

Im Künstlerviertel Moganshan Lu 50

Shanghai ist keine Stadt mit vielen "klassischen" Touristenattraktionen, abgesehen vom Bund und einem ziemlich hässlichen Fernsehturm. Okay, es gibt auch noch einen überfüllten chinesischen Garten, den ich persönlich eher meide. Ich mag keine Parks, bei denen man Eintritt zahlen muss. Mein Shanghai, das ist das Künstlerviertel Moganshan Lu 50, wo Hunderte Galerien in eine alte Fabrik gezogen sind. Die beste ist ShanghART.

Nach all den vielen Stunden des Herumlaufens in der Stadt, der ausgedehnten Essen, der Nachmittage in Cafés, die es wirklich überall gibt, sollte man sich etwas gönnen, was typisch für Shanghai ist: sich die Füße durchkneten lassen, bei einer ausgiebigen Fußmassage.

Und dann gibt es natürlich die Einkaufszentren. Hunderte Shopping Malls. Tausende vielleicht. Die meisten Ausländer können sich stundenlang auf den Fälschermärkten vergnügen. Hier gibt es eine Liste. Ehrlich gesagt, verstehe ich das nicht. Aber dass muss ich ja auch nicht.

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