Der lange Marsch

5. Juni 2012, 10:40 Uhr

Drei Paar Schuhe, 30.000 Fotos und 4646 Kilometer in 352 Tagen: Ein deutscher Student ist von Peking Richtung Heimat gelaufen. Jetzt ist das große China-Abenteuer des Bloggers als Bildband erschienen. Von Christoph Rehage

An seinem 26. Geburtstag bricht Christoph Rehage in Peking nach Deutschland auf. Sein Vorsatz: die ganze Strecke zu laufen. So taucht er ein in ein China, wie es nur jemand erlebt, der das Land zu Fuß erkundet. Da er fließend Mandarin spricht, kommt er mit allen Menschen schnell ins Gespräch. Jeden Tag macht er Fotos von sich, die er zu einem Zeitraffervideo zusammenfügt. Abends schreibt er in seinem Blog "The Longest Way".

Nachdem Rehage eine Strecke von 3000 Kilometern zurückgelegt hatte, sprach stern.de mit ihm über seine Strapazen und die Erfahrungen in der chinesischen Provinz. Jetzt hat er die Eindrücke seiner Mammutwanderung in einem Bildband zusammengefasst. Auf den folgenden Seiten bringen wir exklusiv einen Auszug seiner ersten Wanderetappe.

Peking bis Jiuguan: Der Flug der Schwalben

Auf den chinesischen Karten wird die Hauptstadt mit einem Stern dargestellt. Aber in den Augen der Provinzbewohner ist sie eher so etwas wie der Traum von einem riesigen Geschenkkorb. Man drängt hierher, um ein Stückchen von seinem Inhalt zu erhaschen. Bauern und Wanderarbeiter möchten ihren Familien ein bisschen Wohlstand nach Hause bringen, Geschäftsmänner wollen Kontakte knüpfen und Reichtum anhäufen, Studenten werden von ihren Familien hierhergeschickt, um Prüfungen zu bestehen und etwas aus sich zu machen. Alle zieht es nach Peking. Oder nach Shanghai. Oder nach Guangzhou. Nur nicht zurück in die Provinz.

Doch genau dort möchte ich hin. Ich will Berge und Wüsten sehen, Schafe und Kamele. Will langen, gewundenen Straßen folgen. Vor Wolkenbrüchen davonlaufen, knirschenden Schnee unter meinen Schuhen spüren und mir den Schweiß von der Stirn wischen. Möchte fremde Speisen probieren, Fotos machen, Menschen kennenlernen. Ich kann einfach nicht mehr warten.

Der Fußweg bis zur Lugou-Brücke dauert den ganzen ersten Tag. Sie wird auch Marco- Polo-Brücke genannt, denn der Venezianer Marco Polo hat sie in seinen Reiseerinnerungen mitsamt ihren Löwenstatuen erstaunlich genau beschrieben. Das war vor mehr als 700 Jahren, als noch die Mongolen herrschten. Nach ihnen kam die chinesische Dynastie der Ming, dann die Mandschuren, schließlich Mao Zedong. Und alle hatten ihre Hauptstädte in der Nähe dieser Brücke. Die Chinesen sagen, Peking stehe für das letzte Jahrtausend ihrer Geschichte.

Doch die Stadt hat niemals aufgehört, sich zu wandeln. Mittlerweile zeigt sie der Welt lieber ihr modernes Gesicht: Ringstraßen und Fahrzeuge, Hochhäuser und Werbeplakate. Ich bewege mich nach Süden, und langsam beginnt die Hauptstadt zu verschwinden. Risse erscheinen im Beton. Häuser werden kleiner. Dann, nachdem ich die Lugou-Brücke überschritten habe, an meinem zweiten Tag, liegt Peking endlich, endlich in meinem Rücken. Vor mir erstreckt sich die nordchinesische Ebene.

The Longest Way
The Longest Way
The Longest Way
The Longest Way
The longest Way Bilder einer 4646 Kilometer langen Wanderung
Übernommen aus:

Übernommen aus: Christoph Rehage "China zu Fuß". Der Bildband mit 240 Seiten und ca. 200 Fotos erscheint im Juni 2012 bei National Geographic zum Preis von 39,95 Euro.

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