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Dubai schnallt den Gürtel enger

Die gegenwärtige Krise macht vor Dubai nicht halt. Ein Vorteil für Touristen, denn das Schnuppern am Luxus war am Golf noch nie so preiswert.

Von Ludwig Moos

Dubai

Dubai Art Fair: Installation auf der Kunstmesse

Auf Meereshöhe wirkt Palm Jumeirah nicht gerade überwältigend. Erdfarbene Wohnblocks säumen den Stamm der für 1,5 Milliarden Euro aufgeschütteten Palmeninsel. Auf den siebzehn Wedeln drängen sich wie aus dem Modellbaukasten dicht an dicht Villen am Wasser, die schon in der Planungsphase ab einer Million aufwärts an die Käufer gingen. Und das Atlantis auf dem Scheitelpunkt des kreisförmigen Wellenbrechers bedient mit seinem bunten Bauzierrat eher kindliche Vorstellungen vom Orient. Nur beim Landeanflug auf Dubai prägt sich die Insel als Symbol mit Wiedererkennungswert ein - und das segelförmige Sieben-Sterne-Hotel Burj Al Arab gleich dazu.

Künstlich in Szene gesetzt

Die Insel Palm Jumeirah, die Dubais Strände um 120 Kilometer erweitert hat, ist von der Raumstation ISS mit bloßem Auge zu erkennen. Noch besser ihre größeren Schwestern Palm Deira, Palm Jebel Ali und The World, die mehr oder minder weit gediehen sind. Markante Zeichen zu setzen, Areale und Bauten zu schaffen, über die sich die Welt verwundert, ist eines der Mittel, mit denen Dubai sich als globaler Tummelplatz in Szene setzt.

Im Al Fahidi Fort, der einstigen Bastion zum Schutz der Siedlung am Dubai Creek, macht heute ein lebendiges Stadtmuseum anschaulich, wie gewaltig der Sprung in die Moderne war. Wie bescheiden sich Dubai noch vor 50 Jahren darbot, zeigt eine Fotomontage mit Stadtansichten, davor Scheich Rashid bin Saeed Al Maktoum, der den heutigen Herrscher Mohammed auf den Knien schaukelt. Die ergiebige Perlentaucherei hatte sich durch die japanischen Zuchtperlen schon erledigt, aber als Handelsplatz mit natürlichem Hafen am Fluss war Dubai fest etabliert, berühmt vor allem für seine Souks mit Schätzen an Gold, Gewürzen und Textilien.

Wolkenkratzer statt Lehmhäuser

Mit dem Öl kam zehn Jahre später die Abrissbirne für die Häuser aus Lehm und Muschelkalk. Nur im Altstadtviertel Bastakiya haben sich einige der Bauten mit den
typischen Windtürmen erhalten, oder man hat sie wie die Souks wieder hergestellt.
Was neu entstand, war eher nüchtern, ebenso funktional wie der Ausbau der Hafenanlagen und des Airports. Nur das World Trade Center, 1979 eröffnet, ließ etwas von der kommenden Kühnheit ahnen. Mitten in der Wüste wuchs es 150 Meter in die Höhe, damals der Spitzenwert im Mittleren Osten. Inzwischen haben ihm die nahen Emirates Towers und andere Hochhäuser des Dubai International Financial Center gründlich die Show gestohlen.

Mitte der Neunziger reifen die Pläne für "Destination Dubai", den rapiden Ausbau der Stadt zum attraktiven Reiseziel. Die Palmeninseln gehören dazu und das Burj Al Arab, dessen verschwenderische Ausstattung von keinerlei Rücksicht auf Rendite angekränkelt ist. Den Anfang aber macht das Dubai Shopping Festival, ein extravaganter Kaufrausch, der seither zu Beginn jeden Jahres vier Wochen lang bis zu drei Millionen Touristen anlockt. Dauer in das Geschäft mit Markenfetischen, Folklore und Schnäppchen bringen vierzig Shopping Malls, mit Extras wie der Skihalle in der Mall of the Emirates.

Bestmarken zu setzen ist das Leitmotiv der Planer, der Sport ein wesensverwandter Helfer. Für den Dubai World Cup, das höchst dotierte Pferderennen auf Erden, gehen die Champions im März 2010 nach zwölf Jahren zum ersten Mal vor ganz großer Kulisse an den Start: Die Tribünen fassen 60.000 Zuschauer. Die Hochkaräter des Tennis treffen sich bei den Dubai Open und liefern beste PR, wie Roger Federer und André Agassi mit ihrem Schaukampf auf der Heli-Plattform des Burj Al Arab 200 Meter über dem Strand.

Traditionen für Touristen

Mit den zuletzt 7,5 Millionen Touristen im Jahr erwirtschaftet Dubai ein Fünftel seines Bruttosozialprodukts, mehr als mit dem in absehbarer Zeit versiegenden Öl.
Für diese Klientel, vor allem den hohen Anteil der Fünf-Sterne-Besucher, wird viel getan.

Eine der jüngsten Kreationen heißt Madinat Jumeirah. Nach dem Vorbild des Dubai Creek, des Meeresarms in der Altstadt, mäandern Wasserläufe durch die Ferienstadt mit Privatstrand. Die beiden großen Hotels und die drei dutzend geräumigen Sommerhäuser und Villen beschwören wie der eigene Souk die arabische Tradition. Windtürme nach lokalem Muster liefern das auffälligste Stilmerkmal, auch wenn sie ihre einstige Funktion an die Klimaanlage abgetreten haben. Das Theater, die Freiluftarena, das Konferenzzentrum und die Ballsäle machen Madinat Jumeirah für jedes Event tauglich, bis hin zur örtlichen Variante des Wiener Opernballs. 40 Restaurants, von Toskanisch bis Thai, betonen die globale Ausrichtung, die sich überall in Dubai zeigt.

Viele Städte in der Stadt

Dubais aktuellstes Wunder wartet mit einem eigenwilligen Stilmix auf. In Downtown Dubai, dem neuen Zentrum der Stadt, wächst der Burj Dubai mit mehr als 800 Metern seiner Vollendung entgegen und übertrifft den bisherigen Halter des vertikalen Weltrekords, den Taipeh 101 in Taiwans Hauptstadt, gleich um ein gutes Drittel. Zu Füßen des schimmernden Kolosses ist die Old Town entstanden, die mit ihren Residenzen, dem Souk und der Edelherberge The Palace arabischem Flair verpflichtet ist. Gleich nebenan erhebt sich der am Art Decó orientierte Bau des Premiumhotels The Address 300 Meter über den geschwungenen Hallen der Dubai Mall, deren Fülle an Shops und Attraktionen wie dem Riesenaquarium und dem Schlittschuhplatz weltweit unerreicht ist. Großzügige Wasserflächen, hergeleitet vom Dubai Creek, verbinden Downtowns Quartiere, sogar für Fußgänger sind Wege vorgesehen.

Baustopp und Preisverfall

Die Sucht nach Superlativen hat Dubais Marketing anderthalb Jahrzehnte bestimmt. Inzwischen drehen sich die Baukräne langsamer. Die Spekulation mit Immobilien, die seit 2002 möglich war, ist abgestürzt. Mehr als ein Drittel der Bauvorhaben sollen gestoppt sein. Das Indische Konsulat soll sich darauf vorbereiten, bis zu 300.000 Bauarbeiter zurückzuführen.

Die Krise trifft auch die Kultur. Dabei sollte das Großprojekt Khor Dubai den Status einer Metropole komplettieren. Entlang des Dubai Creek, der sich vom Meer über 14 Kilometer halbkreisförmig landeinwärts schlängelt, sind Museen, Theater, Bibliotheken, Galerien, Kulturinstitute und ein Opernhaus geplant. Um die Oper, die die Architektin Zaha Hadid für eine Milliarde Dollar auf einer Insel im Creek bauen möchte, ist es still geworden. Auch wann das ambitionierte Universalmuseum des Weltwissens Gestalt annehmen wird, bleibt offen. Statt von spektakulären Kulturbauten, wie sie in Abu Dhabi schon weit gediehen sind, konzentriert sich der deutsche Kulturmanager Michael Schindhelm, künstlerischer Leiter der staatlichen Culture and Arts Authority, lieber auf die Aufgabe, Menschen auszubilden, die für die Organisation des kulturellen Lebens gebraucht werden.

Unterdessen haben viele Einwohner des Emirates andere Sorgen. Verlieren Ausländer, die über 80 Prozent der etwa 1,7 Millionen Stadtbewohner ausmachen, ihren Job, haben sie vier Wochen Zeit, einen neuen zu finden, oder sie müssen Dubai verlassen. Für Touristen hingegen ist die Krise ein Glücksfall; denn der Preisverfall beschränkt sich nicht auf Appartementpreise. Auch Hotelzimmer werden deutlich günstiger als noch vor einem halben Jahr angeboten. Das Fremdenverkehrsamt spricht ganz offen von einer "temporären Anpassung der Preise", hinzu kommt eine "ganzheitliche Ausrichtung des Angebotsportfolios", was die Abkehr vom reinen Luxustourismus bedeutet. "Das sonnenreiche Emirat ist dank der angepassten Konditionen zurzeit für vollkommen neue Zielgruppen interessant", heißt es in einer Pressemitteilung des Fremdenverkehrsamtes. Begriffe wie "Ferien für Familien" und "Last-Minute-Angebote" fallen - undenkbar noch vor wenigen Monaten. Im Fünf-Sterne-Haus The Address gibt es Doppelzimmer für 185 Euro pro Nacht. Im erst im November eröffneten Atlantis urlaubt man eine Woche lang für 1100 Euro (inklusive Flug und Frühstück). Hotels mit weniger Sternen, an weniger exponierten Orten, gegebenenfalls sogar mit weniger Baustellen in der Nachbarschaft gibt es bereits für unter 500 Euro pro Woche und Person, inklusive Flug.

Auch Dubais Fluglinie Emirates geht mit Angeboten auf Kundenfang: Passagiere der ersten Klasse und Business Class bekommen eine Übernachtung im The Address Downtown Burj Dubai - kostenlos. Dazu gibt es freien Eintritt in das Aquarium, den Unterwasser-Zoo, die Eislaufbahn in der Dubai-Mall. Und wer bis zum 30. September zu zweit in der Business-Klasse fliegt, bekommt ein Ticket geschenkt. Für alle Klassen gilt: mehr Freigepäck. So sollen die Touristen in den Shopping-Malls des Emirates noch mehr einkaufen. Und mit "Flydubai" startet ab Juni ein Billigflieger in Dubai. Zunächst allerdings nur nach Beirut und Amman.

Weitere Infos
Fremdenverkehrsamt: www.dubaitourism.ae
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