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Im Luxus schwelgen

Das 110 Jahre alte Taj in Mumbai ist eine Hotellegende, wo Maharadschas und Könige abstiegen. Aber auch andere indische Luxusketten sind auf Expansionskurs - wir stellen die wichtigsten Häuser vor.

Von Swantje Strieder

  Die Zuckerbäckerfassade des Taj Mahal Hotels in Mumbai

Die Zuckerbäckerfassade des Taj Mahal Hotels in Mumbai

  • Swantje Strieder

In vornehmen Grauweiß, mit Erkern, Türmchen und roten Kuppeln liegt es romantisch an der Bucht von Mumbai. Das Taj Mahal Palace Hotel gilt Fixstern und Refugium in der lärmenden indischen Finanzmetropole, die früher einmal Bombay hieß und mit über 20 Millionen fast soviel Einwohner wie ganz Australien hat. Der verspielte Altbau ist gleichzeitig die Urzelle der größten und ältesten indischen Hotellerie, der Taj Group, die mit über 100 Luxus-Herbergen von New York über Kapstadt, London und Peking auf dem Sprung zum Global Player ist.

In seiner 110-jährigen Geschichte hat das Taj Hotel alles erlebt: von der britischen Kolonialzeit bis zur aufstrebenden Wirtschaftsmacht, auch den modernen Terrorismus. Gegründet wurde es 1903 vom Jamshedji Tata, der der parsischen Religionsgemeinschaft im damaligen Bombay angehörte. Die Engländer, so erzählt man, hätten ihm einst den Zugang zum Watson's, der damaligen britischen Nobelherberge verweigert: "Dogs and Indians not allowed" stand am Eingang.

Der Salon Mumbais

Wahr ist, dass das erste indische Luxushotel, das nach dem echten Taj Mahal, dem zauberhaften Marmorgrabmal aus der Moghulzeit benannt wurde, seine englischen Konkurrenten an Schönheit und Eleganz bald ausstach. Hier logierten Maharadschas, Politiker, Potentaten und Prominente von Prinz Charles über Mick Jagger, Yoko Ono, Bill Clinton, Angela Merkel und Lang Lang. Über den tiefblauen Samtteppich auf der Freitreppe schritt einst ein kleiner kahlköpfiger Mann mit Stock und in weißen Stoffwindeln: Mahatma Gandhi, der hier 1947 die Unabhängigkeit von den Briten mit aushandelte.

Für die Mumbaier Gesellschaft ist das Taj nicht nur ein historisches Hotel, sondern auch Lieblingstreff: zum feinen Five o'clock Tea, ganz anglo-indisch mit Milch und Zucker, zum Business Lunch in knarzenden Korbstühlen an der Poolside Bar, zum Whiskey in der Herrenrunde und zu pompösen Hochzeitsempfängen, wo ein Meer von bunten Seidensaris durch den Kristall-Ballsaal wogt.

Anschlag auf die "Seele Mumbais"

Fast hätte Mumbais "schönstes Wohnzimmer" nicht überlebt: Im November 2008 stürmten wild um sich schießende muslimische Terroristen das Luxushotel, setzten den Dachstuhl in Brand und ermordeten wahllos Gäste und Angestellte. 31 Opfer forderte der blutige Anschlag allein im Taj Hotel, 179 Tote insgesamt. Indiens Finanzmetropole stand unter Schock. Doch die "Seele Mumbais", so versprach der Großindustrielle Ratan Tata, Großneffe des Gründers am Tag nach den Anschlägen, solle haargenau wiederauferstehen. Jedes Steinchen und jeder Lüster ist heute wieder am angestammten Platz.

Die Taj-Gruppe exportiert ihre gehobene Hausmarke weltweit. Allein an den Stränden Goas, Sehnsuchtsziel der Hippies in den Sechzigern, liegen heute fünf Taj-Hotels. Neben der neuen Vivanta-Linie, die für das coole moderne Indien steht, gibt es die prunkvollen alten Maharadscha-Paläste in Jaipur, Jodhpur, Udaipur sowie in Benares und Hyderabad. Außerhalb Indiens gehören das New Yorker Traditionshotel The Pierre, Luxushäuser in London, Sydney, Boston, San Francisco, Dubai, Peking und als jüngstes Mitglied im Portfolio das Taj Palace in Marrakesch, ganz im 1001-Nacht-Stil, dazu.

Oberoi-Hotels: vom Türsteher zum Patriarchen

Auch die Oberoi-Trident-Gruppe, mit 28 Nobelherbergen die zweitgrößte Luxushotelkette, ist eng mit der Geschichte Indiens verbunden. Genauso wie das Taj Mahal Hotel war auch das Oberoi Trident in Mumbai 2008 Terror-Opfer. Zwei Tage lang verschanzten sich die pakistanischen Attentäter mit Maschinengewehren und Handgranaten im Hotel, nahmen Geiseln und töteten über 20 Gäste und Angestellte. Doch auch das Oberoi eröffnete nur Wochen später, kaum dass die Schmauchspuren ausgebessert und die Brandspuren beseitigt waren.

Das hätte Mohan Singh Oberoi, dem Patriarchen und Firmengründer gefallen. 1922 hatte er ganz klein angefangen: als Türsteher in einem britischen Hotel im Himalaya mit 50 Rupien, etwa 80 Cent Monatsgehalt. Nach zehn Jahren übernahm der junge Inder, der nur eine Dorfschule besucht hatte, bereits sein erstes Hotel. Nach der Unabhängigkeit kam 1948 das prestigereiche Grandhotel in Kalkutta dazu, 1965 das erste Fünf-Sterne-Etablissement in Neu Dehli.

"Der Gast ist Gott"

Doch die Oberois expandierten kaum jenseits von Indien: höchstens nach Singapur, Saudi Arabien, Ägypten und Indonesien. Europa und die USA lagen dem alten Oberoi, der im Jahr 2002 mit 103 Jahren starb, nicht am Herzen. Er hatte drei Jahrhunderte gesehen, doch sein Geburtsjahr schönte er stets von 1898 auf 1900, er wollte schließlich nicht als Mann des 19. Jahrhunderts in die Hotelgeschichte eingehen.

"Der Gast ist Gott", heißt ein altes Sanskrit-Sprichwort. Auch der Hotelgast. Diesem Motto fühlte sich der 91-jährige Captain Nair, der Begründer der Leela-Hotels, die mit Kempinski kooperieren, immer verpflichtet. Im Alter von 65 Jahren, wo andere an den Ruhestand denken, gründete der Textilunternehmer aus Kerala sein erstes Fünf-Sterne-Hotel in Mumbai.

"Wir wollten nicht irgendeine Luxusmarke sein, wir wollen das Besondere, den Flair, die Magie und die Farben Indiens vermitteln", sagt er stolz. Inzwischen wurde das achte Leela Palace im südindischen Chennai eröffnet. Nach seiner Philosophie gefragt, meinte der alte Herr stets "meditieren, im Garten pusseln, Erfolg genießen". Das darf er jetzt tun. Anfang Februar 1913 hat der Patriarch die Geschäfte in die Hand seiner Söhne Vivek und Dinesh übergeben.

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