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Entschleunigung an der Südspitze

Wo im Süden Indiens das Arabische Meer auf den Indischen Ozean trifft, ist Entspannung unter Palmen angesagt. Oder eine ruhige Tour per Hausboot auf den Kanälen - eine Reise vom Kap Komorin bis Kochi.

Von Katharina Finke

Reise durch Südindien: Entdecken, erleben, entspannen
  Kanyakumari: Vom südlichsten Punkt des indischen Festlandes blickt man auf die wenige hundert Meter vorgelagerten Inseln mit Gedenktempel für Philosophen Vivekananda und die Steinstatue von Dichter Triuvalluvar.

Kanyakumari: Vom südlichsten Punkt des indischen Festlandes blickt man auf die wenige hundert Meter vorgelagerten Inseln mit Gedenktempel für Philosophen Vivekananda und die Steinstatue von Dichter Triuvalluvar.

Die aufgehende Sonne funkelt über dem Meer. Sanft brechen sich die Wellen am Ufer, und der Horizont scheint unendlich weit zu sein. Das Kap Komorin markiert genau die Grenze zwischen den indischen Bundesstaaten Tamil Nadu und Kerala.

Für Hindus hat die südlichste Landesspitze eine große Bedeutung. Seit 3000 Jahren steht hier der Tempel der jungfräulichen Göttin Kumari Amman. Sie ist im Hinduismus so wichtig, dass der Ort nach ihr benannt wurde: Kanyakumari. An den Teppenstufen des Tempels, die zum Wasser führen, nehmen täglich die Gläubigen ihre rituellen Bäder. Damit ist die Stadt am Kap Komorin eines der bedeutendsten hinduistischen Pilgerziele des Landes.

Nach Mahatma Gandhis Tod im Jahre 1948 wurde an dieser Stelle auch ein Teil seiner Asche ins Meer gestreut. Die übrigen Reste sind in einem Tempel am Ufer untergebracht, der dem Widerstandskämpfer gewidmet ist. Schon aus der Ferne straht er in grellem Weiß. Bei einem Besuch Kanyakumaris fallen außerdem eine 40 Meter große Steinstatue und ein Gebäude auf, die sich auf zwei vorgelagerten Inseln befinden: Die Statue zeigt den Dichter Triuvalluvar, und das Gebäude ist dem Philosophen Vivekananda gewidmet, der auf dem Felsen tagelang meditiert hatte. Beide Monumente sind per Fähre zu erreichen.

Abschalten in Varkala

Für die Weiterfahrt nach Thiruvananthapuram, der nächstgrößeren Stadt an der Südwestküste, benötigt man auf den mit hupenden Autos überfüllten Straßen mehr als zwei Stunden. Entspannter wird es in dem noch 50 Kilometer weiter westlich gelegenen Varkala, einem Ort mit kleinen Strandbuchten. Hier sollte man sich unter Palmen eine Ayurveda-Massage gönnen. Die gelassene Atmosphäre scheint so verlockend zu sein, dass man immer wieder hört: "Eigentlich wollte ich nur ein paar Tage bleiben, aber nun bin ich hier hängen geblieben."

Von Varkala aus erstrecken sich entlang der Küste bis nach Kochi palmengesäumte Kanäle im Hinterland, die sogenannten Backwaters. Früher nutzten die Bewohner die Wasserwege vor allem zum Warenaustausch. Heute tuckern Hausboote mit Touristen an Bord durch diese amphibische Landschaft. Backwaters-Touren werden auch mit Kanus angeboten, die ebenfalls durch die schmalsten Kanäle hindurchpassen. Bei einer Fahrt im Schritttempo schippert man durch grüne Reisfelder, Garnelen-Lagunen und vorbei an riesigen Bambussträuchern, zwischen denen hin und wieder eine Kuh steht.

Gewürze und Gebeine

Weiter nördlich dreht es sich im umtriebigen Kochi um Tradition und Handel. In Ernakulam, dem neuen auf dem Festland liegenden Teil der zweitgrößten Stadt Keralas, gibt es gleich zwei Bahnhöfe und einen Flughafen. Ansonsten besteht Kochi aus mehreren untereinander verbundenen Inseln und Halbinseln. Die wichtigste ist Fort Cochin, benannt nach dem bedeutenden Hafen. Dort legen pausenlos Schiffe aus asiatischen und arabischen Ländern an, um Waren wie Tee, Kaffee, Kardamon, Kautschuk, Ingwer und Pfeffer in die ganze Welt zu transportieren.

Die Stadt mit rund 600.000 Einwohnern lebt auch vom Fischfang, wie die unzähligen Fischernetze entlang des Naturhafens Fort Kochi zeigen. Die zerbrechlich wirkenden, nur mit dünnem Holz und einfacheren Netzen ausgestatteten Konstruktionen am Ufer stammen noch aus der Zeit, bevor die Europäer kamen. Als erstes die Portugiesen, die im 16. Jahrhundert in Mattancherry einen Palast für die Rajas errichten, um von ihnen Handelsrechte für die Region zu erhalten.

In der St. Francis Church erinnert das Grab Vasco da Gama an diese Epoche der Kolonialzeit. Der portugiesische Seefahrer starb 1524 in Kochi und wurde hier begraben, auch wenn seine Gebeine später nach Lissabon umgebettet wurden. Aber die St. Francis Church bleibt die älteste von Europäern erbaute Kirche Indiens. Im 17. Jahrhundert übernahmen die Niederländer die Macht und damit auch den Palast, weswegen er heute als "Dutch Palast" bekannt ist. Erst im 19. Jahrhundert folgten die Briten.

Kathakali in Kerala

Doch auch indische Traditionen sind in Kochi zu finden. Um eine der ältesten und für Kerala typischen kommt man nicht herum: Kathakal, eine Kunstmischung aus Tanz, Drama, Musik und Ritual. Dabei werden die Künstler aufwändig bunt geschminkt und mit farbenfrohen Kostümen ausstaffiert, um dann mit Begleitmusik nur mit Gestik und Mimik hinduistische Epen zu erzählen. Kochi ist dafür die beste Adresse, da sich hier die wichtigsten Schulen des Landes befinden, die täglich zu öffentlichen Darbietungen einladen.

Aufgrund der tagsüber herrschenden Hitze finden die Aufführungen abends statt. Sie dauern meist mehrere Stunden. Für Einsteiger gibt es auch wesentlich kürzere Inszenierungen. So kann man im Anschluss weiter zum Hafen schlendern, um einen der atemraubenden Sonnenuntergänge mit dem Fischernetzpanorama zu erleben.

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