Ein Slum wird Touristenziel

12. September 2009, 09:23 Uhr

Lange war der nördlichste Bezirk New Yorks eine Gegend, die von Reisenden gemieden wurde. Das hat sich geändert. Die Bronx erblüht. Die Entdeckung eines einst verpönten Stadtteils. Von Jessica Braun

Bronx, New York, Kennedy, USA, Städtetrip

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Hügelig und Grün, so wie einst die ganze Stadt gewesen sein muss, präsentiert sich Riverdale am Ufer des Hudson River. Hier sind die Grundstückspreise hoch: Ein Zeichen für die Begehrtheit des Bezirks. Und auch, wenn es nicht so aussieht. Riverdale ist ein Teil der Bronx. Und nicht der einzige, in dem es sich gut leben lässt. Ursprünglich war die Bronx Farmland: Hier hatte sich in der Mitte des 17. Jahrhunderts die schwedische Familie Bronck angesiedelt. Wer hier hinausfuhr, besuchte die Broncks, weswegen es der einzige New Yorker Bezirk ist, der heute immer noch in Verbindung mit einem Artikel genannt wird.

Die Bronx hat allerdings ein Problem: Es gibt zu viele Vorurteile, die Touristen davon abhalten, den Bezirk überhaupt zu betreten. Diese sind nicht ganz unbegründet, denn bis vor zehn Jahren sahen manche der Straßen dort aus, als wäre "hier gerade ein Krieg ausgetragen worden", wie es die Bewohner ausdrücken. Bekannt geworden ist die Bronx durch ihre Kriminalität. In den 60ern gehörten Schießereien, besonders in der South Bronx, zum Alltag. Banden regierten die Straßen, Prostitution und Drogen machten die Gegend zu einem gefährlichen Ort. Für jeden, der seine Kindheit dort verbracht hatte, ohne selbst straffällig zu werden, war die Bronx daher auch ein Gütesiegel. Ein "Bronxite" zu sein bedeutete: Ich hatte es nicht leicht, aber habe es trotzdem geschafft.

Wer noch nie die Bronx besucht hat, wird vom nördlichsten der fünf New Yorker Bezirke überrascht sein. Denn das negative Image versperrt die Sicht auf die Schmuckstücke der Bronx. Hier steht beispielsweise die alte Kennedy-Villa, unterhalb der sich eine der schönsten, öffentlichen Gartenanlagen der Stadt erstreckt. Auf über zehn Hektar Fläche mit Blick auf den Hudson kann man in "Wave Hill" zwischen Rosenranken oder Lavendelbüschen flanieren. Ein echtes Ausflugsziel, denn hier darf über den Rasen laufen, Ball spielen oder picknicken. Ähnliches gilt natürlich auch für das Yankee-Stadium, auf das die Loreley von ihrem Joyce-Kilmer-Park aus hinabblickt.

Unterwegs in der Bronx Besonders bequem lässt sich die Bronx mit dem "Bronx Trolley", einem roten Bus erkunden. Entweder mit öffentlicher Tour oder zur Miete für Kleingruppen. www.bronxtrolley.com
Ein absolutes Muss auf der Tour ist der " Wave Hill Park". Hier lernt man viel über die Besonderheiten der verschiedenen Pflanzen und die Geschichte der Anlage. www.wavehill.org
Beim Yankee-Stadiums gibt es viele Ort zum Esséngehen. Diese Gegend ist für ihre hispanischen Restaurants bekannt. Rund um die Arthur Avenue wartet "Little Italy" mit italienischen Köstlichkeiten.
www.arthuravenue.com
Sehr zu empfehlen ist ein kulinarischer Rundgang mit Susan Birnbaum. Sie ist in der Bronx aufgewachsen und verdankt ihre laute Stimme der Tatsache, dass ihr Elternhaus nahe der Eisenbahnlinie stand. Eine Tour kostet 45 Dollar. www.susansez.com

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