Wo Kinderaugen nur noch staunen können

12. Mai 2010, 08:09 Uhr

Manhattan gilt als Traumziel für Erwachsene - aber für Kinder? Können die Kleinen in dieser Riesenstadt überhaupt Spaß haben? stern.de gibt Tipps für eine kindgerechte Entdeckung New Yorks. Von Simone Sever

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David und die Skyline: Annäherung per Fernrohr an Manhattan©

Mitten in Manhattan am Times Square stehen wir ganz still und staunen. Um uns herum dreht sich die Metropole New York, alles blinkt und funkelt, die Fassaden sind voller Leuchtreklamen. Knallgelbe Autos mit Werbung für das Broadway-Musical "König der Löwen" hupen wie wild gewordene Raubtiere, andere sind überlang und haben schwarz getönte Scheiben, in denen sich berittene Polizei spiegelt. Und die Briefkästen sehen aus wie R2D2 aus dem Film "Star Wars". "Wow!" haucht Caesar beeindruckt in mein Ohr. Willkommen im Big Apple! Und das soll kein angemessenes Reiseziel für Kinder sein?

Das sehen meine zwei Söhne ganz anders. "Mami, das ist ja so cool hier!", freut sich David. Wo andere Städtereisen mit Kunst und Kultur langweilen, wartet New York mit außergewöhnlichem Alltagsprogramm und versetzt dabei nicht nur die Kleinen in Verzückung: U-Bahnfahren zum Beispiel wird in New York zum Abenteuer. Fahren Sie doch mal vom Broadway nach Coney Island: Steigen Sie am Fuße eines Wolkenkratzers in die Subway ein und über eine Stunde später am Atlantik wieder aus. Wer hat zuerst die Füße im Wasser? Mehr Programm ist für einen Tag nicht nötig.

Weltreise in wenigen Stunden

Auf nach China! Ni Hao. Chinatown mit etwa 300.000 Bewohnern ist die größte chinesische Ansiedlung außerhalb Chinas. Mit all seinen roten Lampions, den gebratenen Enten samt Hals und Kopf im Schaufenster, den unentzifferbaren Schriftzeichen und den sonderbaren Waren ist diese chinesische Kleinstadt doch mindestens so spannend wie ein Tag im Museum. Wer genug hat von China hat, der geht ein paar Schritte weiter in die Mulberry und Grand Street und steht plötzlich in Bella Italia. Ciao! Die Azurri lassen grüßen. Pasta oder Pizza? Oder lieber ein paar Hausblocks weiterziehen und im Deli jüdische Gerichte kosten? Eine halbe Weltreise an nur einem Tag. Wo kriegt man so etwas sonst noch geboten?

Tagsüber und nachts im Museum

Natürlich gibt es in New York Museen, weltbekannte und großartige wie das Guggenheim, das MoMa oder das Metropolitan Museum. Aber sind diese Häsuer etwas für einen Sechsjährigen? Das Children's Museum in Brooklyn, das bereits seit 1899 für neugierige Kinder existiert, bietet Naturkunde, Wissenschaft und Geschichte zum Anfassen. Die Ausstellung "Global Shoes" finden die Jungs total lustig. Ein anderer Museumshöhepunkt wartet bereits: Voll im Trend sind gerade Dinosaurier. Den Film "Nachts im Museum" durften die beiden schon vor der Abreise nach New York sehen. Denn der Film mit Ben Stiller als Museumsnachtwächter spielt im Museum of Natural History, dem Museum der Urzeittiere, das in der Upper West Side beim Central Park thront. Hier werden die Dinosaurier zwar nicht wieder lebendig, aber die Vorstellungskraft der Kinder lässt sie aufleben: die Brachosaurier, Stegosaurier und Tyrannosaurier.

Ein weiterer Angst einflößender Dinogeselle steht laut schnaubend am Times Square bei Toys'R'Us, einem Spielzeugparadies mit einem Riesenrad nicht vor Tür, sondern mitten im Laden. Woody und Buzz Lightyear, der Alien und all die anderen Toy Story Freunde fahren mit.

Begegnung mit Außerirdischen

Mehr außerirdisches Leben erwartet Weltraumforscher und Freunde des Intergalaktischen im Mars 2112, einem Themenrestaurant der galaktischen Sonderklasse. Schon der Flug auf den Mars 2112 ist ein Erlebnis. Die Begrüßung durch Empress Gloriana und Captain Orion verblüfft die Kinder derart, dass sie denken, auf dem Mars gelandet zu sein. Verwirrend. Aber wir sind eben im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Und für Kinder gelten in Manhattan andere Maßstäbe: Die Häuser sind viel höher, die Autos größer und die Feuerwehrautos mit ihren jaulenden Sirenen noch lauter - eine Entdeckung des fremden Alltags im Format XXL.

Von Hamburg nach New York

Im Battery Park, einer willkommenen Grünfläche an der Südspitze der Insel Manhattan, treffen wir die Positive Brothers, eine Theatergruppe, die ohne Eintrittsgeld und Platzkarten eine Vorstellung gibt. Meine Jungs sind beeindruckt, wie die jungen Männer durch die Luft wirbeln und mit ihren Körpern Pyramiden bauen. Zwischendurch schweift der Blick über das Wasser nach Liberty Island und zur Freiheitsstatue. In Hamburg führte uns der Weg am letzten Wochenende vor Abreise ins Auswanderermuseum Ballinstadt. Über fünf Millionen Menschen wanderten von 1850 bis 1938 per Schiff über Hamburg in die USA aus. Nach der oft langen und beschwerlichen Reise erreichten sie den Hafen, sahen die Lady Liberty und mussten erst die Einreiseformalitäten auf Ellis Island über sich ergehen lassen. Das gucken wir uns jetzt an!

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