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Die Revolution der Kellermeister

14. Februar 2012, 09:18 Uhr

Der "Platter's Wine Guide", die Weinbibel Südafrikas, beschreibt inzwischen 900 verschiedene Weingüter.

Gregory Mutambe gehört zu den führenden Sommeliers des Landes. Er lernte sein Handwerk an der Cape Wine Academy in Johannesburg, arbeitete für das Vineyard Hotel in Kapstadt und ist seit Mai 2011 Sommelier im Azure Restaurant des Hotels Twelve Apostles in Camps Bay.

Südafrikanische Weine haben nicht immer den besten Ruf?

Ja, es gab Weine, die an der falschen Stelle angebaut wurden. Heute aber stehen Weine aus Südafrika bei internationalen Blindverkostungen und im Vergleich zu Weinen aus der Neuen Welt weitaus besser dar.

Der "Platter's Wine Guide 2012" listet im Vergleich zur vorigen Ausgabe hundert neue Weingüter auf - gibt es inzwischen zu viele?

In der Tat schießen neue Weingüter wie Pilze aus dem Boden. Aber die Entwicklung begrüße ich, denn das bewirkt einen intensiven Wettbewerb unter den Winzern, wovon die Konsumenten profitieren.

Setzen die neuen Produzenten etablierte Weingüter unter Druck?

Einige Weingüter, die Geschichte geschrieben haben, verlassen sich auf ihren guten Ruf. Wenn Sie deren Weine trinken, ohne das Etikett zu sehen, erfüllen sie nicht immer die Erwartungen, die der Preis weckt.

Was machen die Winzer jetzt besser?

In den letzten zehn Jahren ist viel passiert. Die Winzer lassen genau ihre Böden, das "terroir", untersuchen und berücksichtigen das vor Ort herrschende Mikroklima, um zu wissen, welches die passendsten Rebsorten sind.

Wo sind die innovativen Weinregionen zu finden?

Nehmen wir das Weinanbaugebiet um Hermanus: Dort gibt es durch die Nähe zum Meer ein besonderes kühlendes Klima und Lehmböden, die ideal für Pinor Noir, Chardonnay und Sauvignon Blanc sind. Die Top-Weine der dortigen Produzenten Hamilton Russell und Bouchard Finlayson sind gute Beispiele für eine Entwicklung, wie die Weine Südafrikas sein sollten.

Geht der Trend von der Quantität zur Qualität?

Ja, ich kenne viele Winzer, die nach der Ernte nicht alle Trauben auspressen, sondern nur die besten Trauben auswählen. Sie konzentrieren sich ganz auf die Frucht und stellen nur 30 Fässer pro Jahrgang her. Das zeigt, wie qualitätsbewusst die Winzer geworden sind.

Werden Chardonnay-Weißweine wieder trinkbar?

Weintrinker nannten die Gewächse Südafrikas auch abschätzig "ABC" - anything but Chardonnay. Diese Weißweine schmeckten in Südafrika viel zu intensiv nur nach Holzfass. Das hat sich geändert. Die Chardonnays Kaaimansgat oder Crocodile's Lair von Bouchard Finlayson bleiben höchstens acht Monate im Fass aus französischer Eiche. Die Winzer nutzen die Reife im Fass nur dazu, um das Fruchtaroma zu unterstützen und die Komplexität auszubauen.

Welchen Stellenwert haben Weine aus Stellenbosch?

Die besten Sauvignon Blanc-Weine kommen heute aus Stellenbosch oder Walker Bay. Bei Rotweinen, insbesondere die im Bordeaux-Stil ausgebaut werden, ist Stellenbosch führend, zum Beispiel der Meerlust Rubicon.

Was tut sich bei der Rebsorte Shiraz?

Eine spannende Rebsorte ist die französische Syrah, bei uns auch Shiraz genannt. Einen Wein, den ich gerade entdeckt habe, kommt aus dem jungen Anbaugebiet Swartland: Der Mullineux des Jahrgangs 2009 ist ein klassisches Beispiel für einen hervorragenden Shiraz. Der nimmt es mit jedem australischen Shiraz oder Syrah auf. Und diese Weine sind noch bezahlbar. Das Qualitätsniveau und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen einfach bei südafrikanischen Weinen.

Interview: Till Bartels

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