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Wo geht's hier zu den Leoparden?

Sonne, Savanne und wilde Tiere - Ranger im südafrikanischen Busch zu sein ist ein Traumjob. Oder? stern.de hat zwei Autoren zu einem fünftägigen Training ins Phinda Reservat geschickt.

Von Jessica Braun und Christoph Koch

  Früh übt sich, was ein Jäger werden will: ein junger Gepard im Abendlicht

Früh übt sich, was ein Jäger werden will: ein junger Gepard im Abendlicht

Von:

Jessica Braun und Christoph Koch

Was mit Tieren machen. Oder mit Menschen. Möglichst im Süden." Wenn Mittdreißiger keine Lust mehr haben auf ihren Job, dann sagen sie gerne solche Sätze. Weil sie nach mehreren Jahren im Arbeitsleben gemerkt haben, dass Zufriedenheit nicht zwangsläufig mit dem Gehaltsscheck einhergeht. Und dass Zwischenmenschliches gern auf der Strecke bleibt, wenn man zu hart an der Karriere arbeitet. Etwas fehlt.

Doch mit Mitte dreißig wird man auch nicht mehr einfach Tierarzt oder Meeresbiologe. Tatsächlich gibt es aber einen Beruf, den man ohne Zweitstudium erlernen kann, der mit Tieren und Menschen und sogar Sonne zu tun hat. Allerdings auch mit Strapazen, Gefahr und niedrigem Einkommen: Wildhüter in Südafrika. Drei Monate dauert die Ausbildung zum Ranger im Schnitt. Beginnen kann man sie auch, wenn man den 30. Geburtstag weit hinter sich gelassen hat. Und nun sitzen wir in unserem Mietwagen, ein Mann und eine Frau, holpern einen staubigen Weg entlang und suchen den Eingang zum Phinda Reservat.

Arbeiten im Ferienparadies

Phinda, ein privater Wildpark mit sechs luxuriösen Lodges, liegt nicht weit vom Indischen Ozean entfernt im südafrikanischen Bezirk Kwazulu-Natal. Hier wartet ein Schnupperkurs auf uns: Wir wollen fünf Tage lang ausprobieren, ob der Ranger-Alltag etwas für uns wäre. Das GPS hat schon lange keinen Empfang. Kein beruhigendes Gefühl. Das Reservat erstreckt sich auf 230 Quadratkilometern Fläche - die Stadt Paris hätte zweimal darin Platz - und unsere Wasserflasche neigt sich dem Ende. "Da, schau mal!" Durch die Äste einer Gruppe Schirmakazien lugt eine Giraffe. Eine halbe Stunde später sehen wir eine Herde Impalas. Und endlich auch das Wärterhäuschen, das den Eingang eines jeden Reservats markiert. "Geradeaus, an der T-Kreuzung links, dann rechts der Straße folgen", instruiert uns der Mann mit dem Gewehr über der Schulter, während er die Schranke öffnet und unsere Namen per Funkgerät an die Mountain Lodge durchgibt. Damit uns jemand sucht, falls wir bis Sonnenuntergang nicht eintreffen.

Es ist heiß. Trotz Klimaanlage. Als würde die Sonne versuchen, Löcher ins Autodach zu brennen. Die Landschaft verändert sich, von hüfthohem, blondem Gras mit vereinzelten Bäumen zu stachelbewehrten Büschen, die weite Flächen bedecken. Drei Warzenschweine rennen über den Weg, die Schwänze aufgestellt wie Antennen. An einer Kreuzung liegt ein ausgebleichter Büffelschädel am Wegrand. Wir folgen den Schildern zur Mountain Lodge. Es ist ungewohnt durch eine Gegend zu fahren, in der man Türen und Fenster besser geschlossen halten sollte - im Phinda Reservat leben mehrere Löwenrudel, Leoparden und Geparden. In den nächsten Tagen werden wir hier nicht nur zu Fuß unterwegs sein, sondern auch ohne Zelt im Gelände übernachten.

Die Straße steigt an und endlich sehen wir Häuser: die Lodge, oben auf einem Hügel. Man erwartet uns. Verschwitzt und müde klettern wir aus dem Auto, überlassen unser Gepäck dankbar einer jungen Frau mit dem Namen Happiness und uns der Lodge-Managerin Karen. "Restaurant, Bar, Pool", erklärt sie, während sie vor uns hergeht. Die Mountain Lodge ist eine Mischung aus Kolonialstil und Moderne. Ausgestattet mit Fellen, Hörnern, Masken und mächtigen Ledersofas. Hinter jedem Fenster erstreckt sich das Reservat bis zum Horizont. Die einzelnen Bungalows liegen versteckt zwischen Bäumen, unter denen Nyalas - Antilopen so groß wie Ponys - unbeeindruckt von den Menschen an scharfkantigen Blättern kauen. Unser Bungalow steht am äußersten Rand der Lodge. "Um fünf Uhr holt euch Darryl zu einem Game-Drive ab", grinst Karen verschmitzt. "Damit ihr seht, was die Gäste hier sonst so machen." Dann ist sie weg. An den Wänden hängen Geparden-Fotos und Zeichnungen aus der Kolonialzeit. Auf der Terrasse stehen zwei Liegen neben einem Pool, der an die Tauchbecken in der Sauna erinnert. Die Außendusche ist durch einen Zaun aus Ästen vor Blicken geschützt.

Anfängerglück am ersten Tag

"Noch einen Drink, bevor es losgeht?" fragt uns Ranger Darryl. Dann scheucht er uns zum Jeep, in dem unser Tracker wartet: Betwell. Ein Zulu mit Vollbart und ansteckendem Lachen, der den schon hochgewachsenen, blonden Darryl noch um einen Kopf überragt. Der Tracker sitzt vorne auf dem Jeep, um für den Ranger die Tiere aufzuspüren. "Zwei Game-Drives pro Tag gehören hier zum Programm", erklärt Darryl. Einer in den frühen Morgenstunden, der andere jetzt, kurz vor Sonnenuntergang. Im offenen Jeep fahren wir über zugewucherte Wege, den Tieren auf der Spur.

Wir haben Anfängerglück und sehen am ersten Tag fast alles, was das Reservat zu bieten hat: Einen jungen Leoparden, der im Dickicht döst, eine Gepardenmutter mit ihren fünf flauschgesichtigen Jungen, Zebras, Giraffen, Antilopen und Gnus. Als die Sonne wie eine Orangenscheibe in Campari versinkt, halten wir an einem Wasserloch. Betwell und Darryl decken einen Klapptisch mit Spirituosen und Snacks zum Sundowner. Als lägen sie auf einer unsichtbaren Achse, steigt der Mond parallel zur verschwindenen Sonne nach oben. Wir trinken Gin Tonics, hören den Geräuschen der Nacht zu. Ein Buschbaby ruft heiser sein Territorium aus, ein Schwarm Enten zieht Richtung Südkreuz. Das Wasserloch reflektiert das Mondlicht. Es ist schwer, sich eine schönere Arbeitsumgebung vorzustellen. "Lasst uns aufbrechen", sagt Darryl. "Morgen wird ein anstrengender Tag für euch." Natürlich. Wir haben es ja so gewollt.

Lesen auch die weiteren Folgen des Ranger-Trainings in Südafrika:
Folge 2: Ab auf die Schulbank!
Folge 3: "Achtung Löwe!"
Folge 4: Dem Rhino auf der Spur
Folge 5: Auf Nachtwache allein im Busch

Weitere Informationen

Phinda Game Reserve: Eine Übernachtung inklusive Verpflegung und Getränken, einer Walking-Safari und zwei Game-Drives kostet pro Person zwischen 2865 Rand (ca. 215 Euro) und 4785 Rand (ca. 360 Euro). Die Ranger gehen auf spezielle Wünsche wie Leoparden-Tracking oder Vogel-Beobachtung ein. Vier Tage Ranger-Training in der Bush Skills Academy inklusive Spurenlesen und Waffentraining kosten für eine Gruppe von bis zu sechs Teilnehmern ab 14.985 Rand (ca. 1126 Euro), exklusive Übernachtung.
Informationen und Reservierung in Deutschland unter Tel. 02131/1533991: www.phinda.com
Weitere Informationen zum Reiseland Südafrika unter der kostenfreien Service-Nummer Tel. 0800/1189118 und im Web unter: www.dein-suedafrika.de, www.southafrica.net. Reiseangebote deutscher Veranstalter unter www.tierischsuedafrika.de
Flüge mit South African Airways täglich ab Frankfurt und München: www.flysaa.com

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