Mit Apps und Co. durch San Francisco

25. Dezember 2012, 19:54 Uhr

Stadtentdeckung der anderen Art: San Francisco lässt sich bequem mit Smartphone-Apps und sozialen Netzwerken erkunden - ein Selbstversuch mit Tipps für die besten Gratis-Apps. Von Karsten Lemm

San Francisco, App, Kalifornien, California, Golden Gate

Otto schaut nicht mal auf, als ich bei ihm einziehe. Wieder ein neuer Mitbewohner, er kennt das schon. Der Kater mit den Koboldohren - "ein Devon Rex", erklärt sein Frauchen Catherine - räkelt sich auf einem Sessel in der Abendsonne. Dies wird also der Stützpunkt für mein Experiment sein. Sieht sympathisch aus.

Uns hat das Internet zusammengeführt, meine Gastgeberin Catherine Schlereth, Otto und mich. Die beiden sind Teil eines Feldversuchs: Wie wäre es, die Stadt, in der ich seit fast 15 Jahren lebe, als Fremder zu bereisen, unter Nutzung aller technischen Spielereien aus dem nahen Silicon Valley, aber ohne sonstige Vorbereitung? Die Idee: Ich hangle mich an der digitalen Leine mit Apps, Social Networks und mit der Schwarmintelligenz mir völlig unbekannter Nutzer durch meine Stadt.

Leichteste Übung: die Unterkunft

Da ich keine Lust habe, von Couch zu Couch zu surfen, suche ich bei den digitalen Klassikern Airbnb und 9flats, Diensten, die - als Website und App - Unterkünfte bei Privatleuten vermitteln. "Lauschiges Apartment in North Beach" klingt perfekt. Fünf Sterne geben ihm die bisherigen Gäste: "Großartige Gastgeberin, sehr angenehm und unterhaltsam", schwärmt ein Cosmin. Der Preis von 100 Dollar pro Nacht ist für San Francisco ein Schnäppchen. Klick! Gebucht. So bin ich bei Otto und Catherine gelandet.

"Nur dank Airbnb kann ich es mir überhaupt leisten, hier zu wohnen", erzählt die 34-jährige Kalifornierin, während sie mir ihr Zuhause zeigt: drei Zimmer, Küche, Bad; ein Altbau mit Parkett und weißen Wänden, Topfblumen und Regalen voller Bücher. 1700 Dollar werden jeden Monat für die Miete fällig - viel Geld für eine angehende Kinderbuchautorin, die kellnert, um über die Runden zu kommen.

Ich kenne North Beach als Klein-Italien am Pazifik, mit Straßencafés, Eisdielen und Läden, die maßgefertigte Hüte und alte Plattenspieler verkaufen. Leider haben wir uns über die Jahre auseinandergelebt, North Beach und ich, mit jeder zerkochten Pasta, jedem verwässerten Cappuccino ein wenig mehr. "Wo kann man hier noch original italienisch essen?", frage ich Catherine. "Auf keinen Fall in den Cafés auf der Columbus Avenue. Um die mach ich einen Bogen", sagt sie. Und weil sie Hunger hat wie ich, begleitet sie mich zu ihrem Lieblingsrestaurant "Baonecci", in einer Nebenstraße zwischen Bars und einem Tattooladen gelegen. Es wäre mir niemals aufgefallen: schlichte Holzstühle, rotweiß karierte Tischdecken, an den Wänden Bilder von Pisa, Bud Spencer und Sophia Loren. Wir bestellen Pizza mit köstlicher, unamerikanisch dünner, knuspriger Kruste und hausgemachter Tomatensauce. Der Rotwein dazu stammt aus der toskanischen Winzerei, in der der Vater der Besitzer gearbeitet hat. Geht gut los, finde ich.

Um Mitternacht falle ich ins Bett und überhöre dank Catherines Tipp: "Bring Ohrstöpsel mit!", die Autos, Busse, Motorräder vor dem Fenster.

Auf den Spuren der Beatniks

Beim Frühstück öffne ich auf meinem Smartphone "Google +Local", eine App für die Umgebungssuche. Sie listet auf, was es in der Nachbarschaft zu erleben gibt. Weit vorn steht das "Beat Museum" für San Franciscos Rebellen der Nachkriegsliteratur, von Jack Kerouac bis Charles Bukowski. Mein Blick wandert zum blauen Himmel. Jetzt ins Museum? Ich beuge mich meinem digitalen Ideengeber und stehe wenig später vor einem Meer aus bewusstseinserweiternden Farben: einer überpinselten Collage aus Manuskripten und Autorenfotos. "Ich bin nur heute in der Stadt und wollte nur eine Sache machen: hierherkommen", sagt Kylie, eine 24-jährige Kanadierin, die auf einem Kreuzfahrtschiff arbeitet, das gerade angedockt hat.

Wir stehen vor einer Vitrine mit Kerouacs Schreibmaschine, einer Underwood, dem Modell, auf dem er in drei Wochen sein Kultbuch "On the Road" herunterhämmerte. Das Buch wurde gerade verfilmt. Auch Regisseur Walter Salles und seine Crew holten sich in dem vollgestopften Haus Inspiration, bewunderten Allen Ginsbergs Orgel, die Gedichte, Fotos, Poster an den Wänden.

Jerry Cimino, 58, Glatze, Bäuchlein, Kerouac-Fan seit 35 Jahren und Direktor des Museums, kennt das Phänomen: "Alles, was die Kids heute als normal ansehen, geht auf die Beatniks zurück", sagt er. Gleichberechtigung, gleiche Rechte für Homosexuelle, Umweltschutz – "die Werte der Beat-Generation sind Leitbilder unserer Kultur geworden". Leben und leben lassen, San Francisco war dem Rest des puritanischen Landes schon immer voraus. Ein guter Ort, um diesen Spirit zu spüren.

Übernommen aus:

Übernommen aus: Geo Saison, Heft 1/2013, ab sofort für 6 Euro am Kiosk. Dort finden Sie auch den vollständigen Text und den ausführlichen Serviceteil.

Günstig mobil surfen Smartphone-Apps erlauben spontane Infosuche unterwegs - wenn das Handy Kontakt zum Internet hält. Wifi-Hotspots finden sich aber meist nur in Hotels und Cafés, und Roaming-Gebühren können astronomische Kosten verursachen. Eine Option sind Prepaid-Pakete für die USA, etwa von T-Mobile (t-mobile.com) oder Red Pocket (goredpocket.com), die ca. 50 Dollar für 30 Tage kosten. Wichtig: Nur die Netze von AT&T und T-Mobile vertragen sich mit den in Deutschland üblichen GSM-Handys.

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