15. Februar 2010, 10:52 Uhr

Oh, wie schön ist Kanada

Deutsche lieben die Weite und grandiose Natur zwischen Neufundland und der kanadischen Westküste. Andere schätzen die entspannte Lebensweise der Bewohner. Jeder zehnte Kanadier hat deutsche Wurzeln.

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Die Bronze-Statue des Sprinters Henry "Harry" Winston im Stanley Park von Vancouver©

Der gebürtige Deutsche Dietrich Klaue (68) hatte Karl May vor Augen, als er Anfang der 60er Jahre den Sprung ins Unbekannte wagte. Außer Abenteuerlust trieb ihn die Hoffnung auf gut bezahlte Arbeit. Klaue vertritt die erste Welle deutscher Einwanderer in Kanada, die nach seinen Angaben in den 1980er Jahren langsam verebbte.

Wer heute kommt, hat seinen Job schon in der Tasche, ist meist hoch qualifiziert und will Auslandserfahrung sammeln. Nach einigen Jahren fällt es dann schwer, die Zelte wieder abzureißen. Viele kanadische Firmen reißen sich um deutsche Arbeitskräfte und werben sie sogar in der Heimat ab, sagt die Radio- und TV-Journalistin Bernadette Berry. Sie hatte einige Jahre lang das Programm "Germany Today" in Vancouver zusammengestellt.

Das Lieblingsziel der Deutschen

Nach Auskunft des Konsulats leben etwa 250.000 Deutsche der ersten und zweiten Generation in der Provinz British Columbia (B.C.), Vancouver eingeschlossen. Darüber hinaus kommen jedes Jahr gut 300.000 Deutsche zum Urlaub oder auf Geschäftsreisen ins Land.

Anders als die ersten Deutschen in Kanada zieht die neue Generation den Westen wegen seiner Berge, des Klimas und des Lebensgefühls vor. Im Handumdrehen sind sie eingelebt und haben kanadische Freunde. Erst wenn sich Kinder einstellen, halten die jungen Eltern nach deutschen Spielgruppen Ausschau und gewinnen über die Kinder oft auch Kontakt zu anderen Deutschen.

Elke Porter (39), die Tochter eine Deutschkanadierin der zweiten Generation, gibt die Internetzeitung GermanBC.ca und den "Swiss Herald" heraus. "Ich bin dazu da, die deutschsprachige Gemeinde hier aufzubauen", sagt sie. In ihren Online-Publikationen verrät sie, wo es die beste Schokolade und Arzneien aus Europa gibt. Sie stellt Unternehmen und neue Zuwanderer vor und informiert über das kulturelle Angebot im Großraum Vancouver.

Sie gehört zu den 3,2 Millionen der 32,6 Millionen Kanadier, die laut Statistischem Bundesamt bei der letzten kanadischen Volkszählung angegeben haben, deutscher ethnischer Herkunft zu sein. Demnach war deutsch die fünfthäufigste fremde ethnische Herkunft nach englisch (6,6 Millionen), französisch (4,9 Millionen), schottisch (4,7 Millionen) und irisch (4,4 Millionen).

Der deutsche Metzger kommt aus Japan

In der Olympiastadt Vancouver berufen sich 204.000 der über zwei Millionen Bewohner auf deutsche Wurzeln. Damit stellten die Deutschstämmigen auch hier die fünftgrößte Gruppe. Viele Bewohner Vancouvers haben auch englische, schottische, irische und chinesische Wurzeln.

Ein deutsches Kino hat längst dichtgemacht, sagt Porter. Aber im Alpen Club gibt es außer Spezialitäten wie Schnitzel und Spätzle auch Fußball-Spiele der Bundesliga zu sehen und wenigstens einmal die Woche deutsche Kultur. Im Alpen Club gab es bis vor kurzem fast nur "Grauköpfe". Inzwischen wachse der Einfluss junger Leute um die Dreißig, die weniger Brauchtum und mehr Raum für einen Kindergarten und Deutschklassen für die Größeren wollten.

Natürlich fehlt auch der deutsche Metzger in Vancouver nicht. Die Bäckerei hat ein Japaner übernommen, der in Deutschland gearbeitet hatte. Auch das "Kaisereck" auf Granville Island ist statt in deutscher jetzt in arabischer Hand, sagt Porter, und das weiter außerhalb liegende "Katzenjammer Cafe" gehört einem Schotten. Einen Trost gibt es, sagt Porter. Während der Olympischen Winterspiele ist im Zentrum ein deutsches Bierzelt aufgebaut, in dem von daheim importierter Gerstensaft fließt.

tib/DPA
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
dreissigvau (16.02.2010, 00:31 Uhr)
Schade,
nach der Einleitung habe ich einen ausführlichen Bericht über die "erste"
Einwanderungwelle der Deutschen
erwartet. Meine Verwandtschaft in Kanada
gehört zu dieser Generation ( '58 und '59
ausgewandert ).

Kanda ist toll. Für Touristen. Und für Leute
mit Spitzenjobs.

Aber für Normalverdiener sieht die Welt
dort anders aus.
Meine Cousinnen und Cousin müssen
dort zwischen 10 und 12 Stunden täglich arbeiten. Und fahren teilweise noch 100
Kilometer & mehr zur Arbeit. Haben 2 Wochen Urlaub. Und Lohnfortzahlung im Krankeitsfall?

Traum und Wirklichkeit liegen in Kanada
sehr eng zusammen.
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