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Lufthansa-Jumbo in schweren Turbulenzen

Nur zwei Tage vor dem Absturz des Air-France-Airbus vor Brasilien ist im selben Gebiet über dem Atlantik ein Jumbo-Jet der Lufthansa ebenfalls in ein schweres Gewitter geraten. Minutenlang erschütterten Turbulenzen die Maschine. An Bord gab es mehrere Verletzte, doch Lufthansa hat den Fall bis heute nicht öffentlich gemacht.

Von Till Bartels

Nach Berichten von Passagieren, die stern.de vorliegen, hatte Lufthansa-Flug 507 am 29. Mai von São Paulo auf seinem Weg nach Frankfurt rund drei Stunden der Flugstrecke hinter sich, als die Boeing 747-400 gegen 21.20 Ortszeit plötzlich und ohne Vorwarnung in ein schweres Gewitter geriet. Zuerst nur mit leichten Turbulenzen, die aber schnell außergewöhnlich heftig wurden - binnen kürzester Zeit, nachdem die Anschnallzeichen aufgeleuchtet hatten. "So etwas habe ich auf der Strecke noch nie erlebt", berichtet ein Vielflieger, der häufig auf der Route Südamerika - Europa unterwegs ist, "wir mussten uns regelrecht festkrallen."

Mehrmals sackte der Lufthansa-Jumbo voll durch. Die Wucht der Erschütterungen in der rund 350 Tonnen schweren Maschine war so stark, dass selbst die schweren Getränkewagen abhoben. Handgepäck, Teller und Kleidungsstücke flogen durch die voll besetzte Kabine. Etliche nicht angeschnallte Passagiere wurden an die Decke geschleudert, dabei wurden mehrere von ihnen verletzt, mindestens einer so schwer, dass er mit einer blutenden Kopfwunde von einem an Bord befindlichen Arzt genäht werden musste.

Nach rund 15 Minuten seien die schlimmsten Turbulenzen vorbei gewesen, berichten Augenzeugen. In der Kabine habe das reinste Chaos geherrscht: "Getränke, Essenreste - alles nur noch ein einziger Brei." Nach Verlassen der Schlechtwetter-Zone konnte die Maschine ihren Flug fortsetzen und landete ohne weitere Vorkommnisse in Frankfurt.

Nach Informationen von stern.de war auch der Pilot von der Heftigkeit der Turbulenzen überrascht. Er habe in der dunklen Tropennacht die Gewitterzellen nicht deutlich ausmachen können, wie er gegenüber Crew-Mitgliedern eingeräumt hat, so berichten Zeugen. Anscheinend hatte auch das Wetterradar keine Warnmeldung anzeigt.

Trotz der Schwere hatte die Lufthansa den Vorfall von LH507 bis heute nicht öffentlich gemacht. Von stern.de damit konfrontiert, räumte Pressesprecher Michael Lamberty ein, dass es einen Verletzten gab. Generell sei auf dieser Strecke mit Turbulenzen zu rechnen. "Bei Lufthansa sind seit rund zweieinhalb Jahren alle Fluggäste verpflichtet, sich anzuschnallen, soweit sie sich auf dem Sitz aufhalten. Dies gilt auch bei ausgeschalteten Anschnallzeichen."

Nach Veröffentlichung des Berichts auf stern.de bezeichnete Michael Lamberty die Darstellung als "haarsträubenden Unsinn". In einer Meldung der Presseagentur DPA bestätigt er, "dass ein nicht angeschnallter Passagier leicht verletzt worden sei, obwohl die Anschnallzeichen eingeschaltet gewesen seien. Die Maschine sei zwar in die für die Region üblichen Turbulenzen geraten, die jedoch nur 15 bis 20 Sekunden gedauert hätten. Von umher fliegenden Teilen könne keine Rede sein."

Das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig bestätigte inzwischen, dass im Laufe des Mittwochs, als der Bericht auf stern.de veröffentlicht wurde, eine Meldung über den Flug LH 507 von Sao Paulo nach Frankfurt einging. Der Zwischenfall werde jetzt untersucht und bewertet.

Erst vor wenigen Wochen war ein Airbus A321 der Lufthansa auf dem Weg von München nach Lissabon über den Alpen in Turbulenzen geraten. Am 10. Mai wurden an Bord von Flug LH4544 mehrere Personen offenbar so schwer verletzt, dass die Maschine außerplanmäßig in Genf landen musste.

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