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Wenn Rudolph Schlitten fährt

In den Vereinigten Staaten hat die Weihnachtssaison mit dem Thanksgiving Day begonnen. Durch in Rot und Grün dekorierte Vorgärten und Shopping Center rast Santa Claus mit dem rotnasigen Rentier.

Von Till Bartels

Mit der vom Kaufhaus Macy's gesponserten Thanksgiving Day Parade am 25. November in New York ist in diesem Jahr die Weihnachtssaison offiziell eröffnet worden. Am Thanksgiving Day, dem für die Amerikaner wichtigsten Fest des Jahres, kommen die Familien zusammen und verspeisen einen Truthahn. Das Gemeinschaftserlebnis hat seinen Ursprung im Erntedankfest und läutet gleichzeitig die Vorweihnachtszeit ein. Doch im 21. Jahrhundert sind die puritanische Bescheidenheit und Mäßigung vergessen - Völlerei ist angesagt.

Kunstschnee in Kalifornien

Vom Thanksgiving Day an sind nicht nur in New York bei den Einkauftempeln Macy's und Bloomingdale's die Schaufenster festlich geschmückt. Gerade in Manhattan sind Weihnachten und Shopping Synonyme. Der gigantische und zwölf Tonnen schwere Christbaum am Rockefeller Center in der Fifth Avenue symbolisiert die Jahreszeit des Konsums. Auf der kleinen Eisbahn vor der goldglänzenden Prometheus-Statue ziehen Schlittschuhläufer ihre Kreise, und goldene Engel am Brunnen glitzern um die Wette.

Im ganzen Land schmücken Menschen ihre Häuser mit Lichterketten. Dabei bricht in manchen Vorstädten ein Wettbewerb aus, welcher Nachbar die meisten Glühlämpchen verbaut hat. Energie gibt es in den Staaten nach wie vor im Überfluss. Auch überdimensionale und in bunten Farben blinkende Rentiere zieren Vorgärten und Fassaden. In Südkalifornien, wo im Dezember weder Frost noch Schneefall zu erwarten sind, träumen die Menschen von einer weißen Weihnacht mithilfe von Kunstschnee, der bei dem Dekorieren zum Einsatz kommt - Hollywood lässt grüßen.

"Rudolph, the red-nosed reindeer"

Fällt der 24. Dezember auf einen Wochentag, gehen die Amerikaner ganz normal zur Arbeit, denn das eigentliche Weihnachtsfest beginnt erst am 25. Dezember. Für Kinder ist es eine Sitte, am Abend zuvor die Socken am Kamin zu befestigen, nachdem sie ihre Wünsche an Santa Claus, den Weihnachtsmann, geschickt hatten. Denn die Legende besagt, dass in der Nacht zum 25. Dezember der rotnäsige Rudolph mit seinen acht Rentierkollegen, die auf die Namen Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner und Blitzen hören, die Geschenke bringt.

Dieses amerikanische Weihnachtsmärchen basiert auf der Geschichte "A Visit from St. Nicholas" des New Yorkers Clarke Moore aus dem 19. Jahrhundert. Aber kaum einer weiß heute, dass die Geschichte von Rudolph und seinem schwer beladenen Schlittengespann erst durch die Werbekampagne eines Kaufhauses vor 70 Jahren weite Verbreitung fand. Ein Zeichner schuf 1939 für das Kinderbuch der Kaufhauskette Montgomery Ward die damals neue Figur des Rentiers Rudolph, das mit seiner rot leuchtenden Nase dem Santa Claus den Weg durch die dunkle Winternacht leuchtet. Durch den Weihnachtsohrwurm "Rudolph, the red-nosed Reindeer" zehn Jahre später und den Zeichentrickfilm eroberte das Rentier endgültig die Kinderherzen - nicht nur in den Vereinigten Staaten.

Season's greetings statt Christmas

Noch vor dem Frühstück mit Pancakes und Ahornsirup am 25. Dezember heißt es, die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum auspacken. Beim Baum lassen die Amerikaner ein wenig Hingabe vermissen. Es darf auch gerne ein Exemplar aus grünem Plastik mit Elektrokerzen sein, der alle Jahre verwendet wird. Im Laufe des Tages kommen Freunde und Verwandte vorbei, es geht locker zu. Als Willkommenstrunk wird Egg Nogg gereicht, ein süßes Mixgetränk mit viel Whiskey. Meistens wird ein "turkey", ein Truthahn, verspeist. Dazu werden Preiselbeeren und als Nachtisch ein Kuchen aus Süßkartoffeln gereicht. Aber im Gegensatz zu Thanksgiving bleibt das Weihnachtsfest auf einen Tag beschränkt. Ein zweiter Feiertag existiert offiziell nicht; schon am 26. Dezember ruft wieder die Arbeit.

Aus Rücksicht auf Amerikaner, die jüdischer, islamischer, hinduistischer Herkunft sind oder einer anderen Religionsgemeinschaft angehören, werden seit Jahren die Weihnachtsgrüße und guten Wünsche für das kommende Jahr nicht mehr als "Christmas greetings", sondern neutraler als "season's greetings" verschickt. Und längst wurde im Land der Abkürzung das Wörtchen "Christmas" auf "Xmas" reduziert.

Rezept: Egg Nogg

Für vier Portionen

4 Eigelb
2 Esslöffel Ahornsirup
1/2 Liter kalte Milch
150 ml Bourbon Whiskey
Frisch geriebene Muskatnuss

In einen Behälter den Ahornsirup mit den Eigelben verquirlen und anschließend mit Milch und Whiskey auffüllen. Zuletzt geriebene Muskatnuss dazugeben und den fertigen Egg Nogg in eine Karaffe mit Eiswürfel geben und servieren - merry Christmas.

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