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Auf den australischen Paradiesinseln

Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Mit einer beispiellosen Internet-Kampagne sucht der Tourismusverband Queensland weltweit einen Ranger. Wie aber sieht die Inselwelt des Traumjobs aus? stern.de hat das Reiseziel an der australischen Ostküste besucht, vom Luxusresort auf Hayman Island bis zur Backpacker-Unterkunft in Airlie.

Von Marc Goergen

  • Marc Goergen

Vielleicht gehören die Vögel ja einfach zum Schauspiel dazu. Die Kakadus, die sich auf die Frühstückstische der Strandterrasse schwingen und vor verdutzten Gesichtern die Teller in die Schnäbel nehmen, und die Aras, die am halb leeren Cocktail schlürfen. Ja, vielleicht sind die ganzen Hinweise, doch, bitte, bitte, die Vögel nicht zu füttern, um sie nicht noch mehr anzulocken, nur scheinheiliges Gerede. Denn in Wahrheit weiß es das Management natürlich besser: Erst ein klitzekleiner Aufreger macht so ein Paradies auch wirklich zum Garten Eden. Paradies also. Wie soll man Hayman Island, diesen verwöhnten Flecken, auch sonst nennen? Ein Luxusresort mit angehängter Insel mitten in den Whitsunday Islands. 74 Inseln zählen zu diesem Archipel vor der Nordostküste Australiens, die Strände sind weiß, die Lagunen türkis, hier lässt sich campen und wandern, schnorcheln und schwimmen, natürlich tauchen - oder eben einfach gepflegt im teuersten Hotel Australiens abhängen: Hayman.

Die Anfahrt erfolgt auf einer schnittigen Yacht. Die acht bewohnten Inseln werden von strengen Naturschutzauflagen geschützt, und so dürften die Wälder und Buchten etwa in dem Zustand sein, den die ersten Europäer hier vor 237 Jahren antrafen. Das Logbuch notierte Juni 1770. Australien- Entdecker James Cook segelte mit seiner "Endeavour" die Ostküste des Kontinents entlang in Richtung Norden. Eines Morgens sichtete er mehrere Inseln. Da Cook in den Wochen zuvor schon mehr als 300 Buchten, Berge und Küsten hatte taufen müssen und selbst bei schärfstem Grübeln kein Earl oder Duke des britischen Weltreichs mehr als Namenspatron zu finden war, taufte er die Inseln kurzerhand nach dem Feiertag, an dem er sie zuerst zu sehen glaubte: Pfingstsonntag, also "Whitsunday". Indes war der Großnavigator auf seiner langen Reise mit dem Kalender durcheinandergekommen: Vor Australien zählte man schon Montag. Cook notierte frohgemut: "Überall gute Ankerplätze" und "die ganze Passage ist ein sicherer Hafen", setzte aber sein Schiff bald darauf auf ein Riff und wäre fast ertrunken.

Hautfarben von Schwarz bis Krebsrot

Das Hayman-Resort rühmt sich nicht nur eines Pools von olympischen Ausmaßen, nicht nur eines opulenten Palmengartens (samt den genannten Vögeln), nicht nur einer Tauchschule, einer Driving- Range, eines Helikopter-Services, eines gut sortierten Weinkellers und Suiten mit Fernsehlautstärkereglern neben den frei stehenden Riesenbadewannen, es imponiert auch mit 500 Angestellten, die durch unterirdische Gänge eilen, um den Gästen jeden Wunsch nicht nur schnell, sondern auch unauffällig zu erfüllen. Selbst eine Hochzeitskapelle nennt Hayman sein Eigen, samt schneeweißem Rolls-Royce, der das Paar von der Suite zur Kapelle chauffiert. Hayman lebt auch von seinem Ruf als Promi-Refugium. Man ist bekannt für Diskretion, und das schätzen nicht nur australische Sternchen wie Kylie Minogue, sondern mehr und mehr auch die europäischen Vertreter des hohen und mittleren Klatsches. Ende 2006 gab sich das holländische Kronprinzenpaar Willem-Alexander und Máxima samt 18-köpfiger Entourage die Ehre. Zwar konnte Máxima wegen fortgeschrittener Schwangerschaft nicht mehr tauchen, dafür amüsierte sich Willem-Alexander trotz seines eigenen kleinen Bäuchleins königlich.

Kein Paparazzo belauerte das Paar beim vergnügten Lümmeln am Strand, und so war alles perfekt - wäre da nicht die Sache mit der Flagge gewesen. Die hatte man falsch herum aufgehängt, statt Rot flatterte oben Blau, und beim Anblick, so berichten Angestellte spätabends hinter hochgeklappter Theke, sei dem holländischen Thronprätendenten die Farbe aus dem Gesicht gewichen. Königstaugliche Suiten kosten über tausend Euro pro Nacht, es gibt aber auch Schnäppchen. Agenturen auf dem Festland bieten manchmal Last-Minute-Preise von etwa hundert Euro für ein einfaches Zimmer. Überhaupt sind die Whitsunday Islands nicht nur ein Revier für Platzhirsche mit dicken Börsen. Auf Hook Island oder Daydream Island haben sich Hotels mit familienfreundlichen Tarifen angesiedelt. Airlie Beach, das Eingangstor zu den Whitsundays am nahen Festland, ist sogar das Gegenstück zur Welt der Platin-Karten von Hayman. Hier treffen sich Weltreisende und Langzeitaussteiger, hier mischen sich kanadische Austauschstudenten mit deutschen Australien-Hängenbleibern, statt Rollkoffern werden hier Rucksäcke getragen, und über den Schultern hängen verschrammte Gitarren, hier reichen die Hautfarben von Schwarz bis Krebsrot, kurz: Der Ort ist ein Schmelztiegel von allerhand Nationen und Kulturen unter einem gemeinsamen Nenner: Party.

"Life's short, party hard!

Airlie bietet für diesen Zweck eine ausgeklügelte Infrastruktur. Mehrere Backpackerhotels haben sich entlang der Hauptstraße des Ortes angesiedelt. Größtes seiner Art ist "Magnums". Schon ab zehn Euro gibt's hier eine Schlafgelegenheit im Mehrbettzimmer, aber schlafen will hier eh keiner. Daran lässt schon das Motto des Hostels keinen Zweifel: "Life's short, party hard! - das Leben ist kurz, feier heftig!" So füllen sich mittags die Holzbänke im Innenhof nach und nach mit verschlafenen Gestalten. Um den Rekonvaleszierenden den Aufgalopp zur nächsten Party nicht mit unnützem Schnickschnack zu erschweren, ist bei Magnums an alles gedacht. Sonne, die den Durst wieder nährt, gibt's ja ohnehin, das Bier wird in extragroßen Glaskrügen serviert, Pizza-Laden und Toiletten sind nur ein paar Schritte entfernt, und eine Leinwand mit Surfervideos plus kräftiger Musik ersetzt die zähe Anfangskonversation unter Übermüdeten. Dann, es ist drei oder fünf, wer weiß das schon, betritt ein Gitarrenbursche die Bühne und schrummt die Lieder der üblichen Verdächtigen herunter. Praktischerweise muss auch abends keiner aus der Feier-Fabrik heraus. Kaum hat der Gitarrenjunge seinen Koffer wieder verschlossen, öffnen die Nachtclubs von Magnums, und was gibt's Besseres nach einem Nachmittag mit reichlich Bier als einen Abend mit reichlich Bier plus Schlamm-Wrestling von halb nackten Frauen?

So unterschiedlich die Klientel von Airlie und Hayman auch ist - auf dem Wasser findet man dann doch zusammen. Die Whitsundays sind eines der besten Segelreviere der südlichen Hemisphäre, und kaum ein Besucher, ob Backpacker oder Börsenmakler, lässt es sich nehmen, zumindest einen Tag auf einer der zahlreichen Yachten zu verbringen. Dabei schippern hier nicht nur beschauliche Kähne: Die Inseln sind zu einer Art Altersheim für verdiente Hochseerennyachten geworden. Mehrere Skipper haben ausgemusterte Spitzenboote gekauft und segeln damit nun Wasserfreunde durch die Inselwelt. Bernard Heimann zum Beispiel. Der 40-Jährige hat selbst fünfmal die renommierte Regatta zwischen Sydney und Hobart mitgemacht. Sein Boot, die "Ragamuffin", hat als einzige Yacht das Rennen dreimal gewonnen. Zuletzt allerdings schon vor über zehn Jahren, und so transportiert die "Ragamuffin" nun, ein wenig beschaulicher, zahlende Gäste über die Wellen. "Es ist doch fantastisch, wenn eine so schöne Yacht nicht abgewrackt werden muss, sondern ein zweites Leben bekommt", sagt Heimann.

Quietschtender Sand am Whitehaven Beach

Schön, das ist sie wirklich, die "Ragamuffin". 20 Meter lang, weiß und mit mächtigen Segeln, die sie manchmal mit 20 Knoten durchs Wasser ziehen. Wer will, kann helfen, die Segel zu hissen, mindestens ebenso entspannend ist es aber, einfach ihrem Knattern zu lauschen und sich am Panorama von Wasser, Buchten und Wäldern zu erfreuen. Nach ein paar Stunden ist das Ziel erreicht: Whitehaven Beach. Ein sechs Kilometer langer Strand mit so feinem Sand, dass es beim Drauftreten nicht knirscht, sondern quietscht. Whitsunday Island, die dazugehörige Insel, steht komplett unter Naturschutz. Übernachten kann man trotzdem: im Zelt auf ein paar ausgewiesenen Campingplätzen. Wasser und Essen muss man allerdings vom Festland mitbringen. Alles ein wenig rustikaler als auf Hayman. Aber wenn sich abends Stille über die Insel legt, wenn die Wellen zart am Strand knabbern und sich Meer und Himmel rot färben, ist es mindestens genauso schön.

Das Paradies für jeden Geldbeutel

Anreise

Flüge nach Australien bieten zum Beispiel Emirates Airlines oder Thai Airways von verschiedenen deutschen Flughäfen ab etwa 1.000 Euro. Die Whitsunday Islands sind von allen großen australischen Städten einfach über die Flughäfen Hamilton Island oder Proserpine zu erreichen.

Übernachten

Die 244 Zimmer und Suiten des Fünf-Sterne-Resorts Hayman lassen kaum Wünsche offen, die Preise beginnen aber bei 300 Euro. Günstige Angebote machen manchmal Reiseagenturen in Airlie. Einfache Zimmer gibt's dann ab 100 Euro (www.hayman.com.au).
Preiswertere Pauschalangebote bieten Resorts auf den anderen Inseln, etwa das Daydream Island Resort auf Daydream Island (www.daydreamisland.com). Kein Telefon, kein Fernseher - mit Luxus ohne Ablenkung wirbt die South Long Island Nature Lodge. Fünf Tage ab 1600 Euro (www.southlongisland.com).
Airlie Beach hat sich vor allem auf Rucksackreisende eingestellt. Günstige Unterkünfte etwa in Magnums Backpackers ab 10 Euro (www.magnums.com.au). Ruhiger am Rande des Orts gelegen: Backpackers by the Bay. Ab 15 Euro (www.backpackersbythebay.com). Guter Mittelklassestandard im Airlie Beach Hotel. Zimmer ab 80 Euro (www.airliebeachhotel.com.au).
Wer auf einer der Inseln campen möchte, braucht zuvor eine Genehmigung der Naturparkbehörde. Infos unter www.epa.qld.gov.au.

Segeln

Zahlreiche Veranstalter organisieren Ein- oder Mehrtagestörns. Die Routen sind ähnlich. Schöne Eintagesfahrten zum Beispiel bei Ragamuffin für 80 Euro (www.maxiaction.com.au).

Tauchen und Schnorcheln

Die Whitsundays liegen am Rande des Great Barrier Reef, des weltweit größten Korallenriffs. Von Airlie Beach aus operieren zahlreiche Tauchschulen.

Bewerbungen für den Traumjob

Auf der Website www.islandreefjob.com

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