HOME
Blog

Ice Air - die geheime Abschiebe-Airline der US-Regierung

Die USA betreiben schon seit Jahren eine Fluggesellschaft, die illegale Einwanderer zurück in ihre Herkunftsländer fliegt. Unter Trumps Politik dürfte sich die Auslastung der Maschinen von Ice Air noch erhöhen. Das Geschäft mit den One-way-Tickets boomt.

Ice Air

98 Menschen werden abgeschoben: Eine Maschine von Ice Air ist aus Arizona kommend auf der Air Force Base von Guatemala City gelandet.

Der Name der Fluglinie signalisiert Eiseskälte: Air. Kein buntes Logo, kein auffälliger Schriftzug ziert den Rumpf. Die Jets der Fluggesellschaft sind in unschuldigem weiß lackiert und sollen möglichst neutral wirken.

Doch bei dieser Airline handelt es sich nicht um eine Linienfluggesellschaft, sondern um eine ganz spezielle Charter-Linie. Denn die drei Buchstaben Ice sind eine Abkürzung und stehen für Immigration and Customs Enforcement. Bei der Organisation handelt es sich um die Polizei- und Zollbehörde des Ministeriums für innere Sicherheit mit Hauptsitz in Washington D.C.

Ice Police

Die Polizisten der Zollbehörde Ice verhaften in den USA ausländische Staatsangehörige und deportieren sie zurück in die Herkunftsländer.


Zu den Aufgaben der Vollzugsbehörde gehört die Überwachung der Bundesgrenzen auch damit auch die der unerlaubten Migration. Für die Abschiebung der illegalen Einwanderer wurde eigens die Fluggesellschaft Ice Air gegründet, die mit gecharterten Jets vom Typ Boeing 737 und McDonnell Douglas MD-80 Immigranten zurück in ihre Heimatländer transportiert.

930.435 Abschiebungen durch Ice Air

Statt freundlicher Stewardessen sind schwarz gekleidete Mitarbeiter der Behörde an Bord, die bewaffneten Ice-Polizisten. Nach Angaben der Website Quartz wurden zwischen 2012 und 2016 unter anderem Flüge nach Mexiko, Jamaika, Kolumbien, Haiti, Honduras, Nicaragua, El Salvador und in die Dominikanische Republik durchgeführt und damit insgesamt 930.435 Menschen abgeschoben.

Die Kosten dafür schlagen mit 8500 US-Dollar pro Flugstunde zu Buche, was dem US-Steuerzahler 464 Millionen US-Dollar kostete. Der Etat dürfte für dieses Jahr erheblich aufgestockt werden. Präsident Donald Trump hat angekündigt, dass er drei Millionen illegale Einwanderer so schnell wie möglich ausfliegen will, was nur mit einer eheblichen Erhöhung der Transportkapazitäten zu bewältigen ist.

Außerdem werden illegale Einwanderer auch per Linienflug abgeschoben, eine ebenfalls in Europa angewandte Praxis. In jüngster Zeit erweist sich das Geschäft mit Sammelabschiebungen per Charterflugzeug auch in Deutschland als zusätzliche Einnahmequelle für Fluggesellschaften.

Meistens finden diese Sonderflüge von kleinen Flughäfen in der Provinz statt. So flog Air Berlin abgelehnte Asylbewerber aus Rostock-Lage zurück in ihre Urspungsländer auf dem Balkan. Erst im Februar brachte ein Airbus der Fluggesellschaft Meridiana einen auf Sardinien abgelehnten Asylbewerber nach Kabul.

Neben der Diskussion, ob es sich bei Afghanistan um ein sicheres Herkunftsland handelt, gibt die schlechte Auslastung der Maschinen bei diesen Flügen zu denken. Auch in den USA werfen Kritiker den Behörden eine schlechte Planung bei Ice-Air-Flügen vor. Wären die Jets nicht halbleer unterwegs gewesen, hätten 41 Millionen Dollar eingespart werden. Eine zynische Argumentation bei den humanitären Dramen, die solche Flüge für die Passagiere bedeuten. 


täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools