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Ca'Pozzo Venedig

Ein in der Altstadt verstecktes Haus mit viel Kunst an den Wänden und minimalistischem Design - mehr braucht man nicht für einen Wochenendtrip nach Venedig. Zwei stern.de-Autoren verraten ihren persönlichen Hoteltipp, einen preiswerten noch dazu.

Von Jessica Braun und Christoph Koch

Durch diese hohle Gasse sollen wir gehen? Als wir nach der Fahrt mit dem Wasserbus durch die im Abendlicht schimmernden Kanäle an der Ponte delle Guglie aussteigen, sind wir ratlos. Wo mag das Hotel sein? Tatsächlich ist das Ca'Pozzo nicht auf den ersten Blick zu finden. Im venezianischen Ghetto, direkt am Bootsanleger, versteckt sich das kleine Hotel hinter alten Fassaden in einem kleinen Hinterhof.

Der Weg dorthin ist dunkel und feucht: Der Feinkostladen nebenan hat sein Fischlager in dem Durchgang mit den niedrigen Decken. Nicht zu sehen, aber zu riechen. Was zuerst ein wenig abschreckend wirkt, erweist sich in den nächsten Tagen allerdings als Vorteil. Obwohl das Frühstück im Ca'Pozzo deutlich mehr zu bieten hat als trockenes Weißbrot und fettäugige Mortadella, ist der Feinkostladen tagsüber ein guter Anlaufpunkt für den Espresso zwischendurch und eine Handvoll Dolci.

Ausschlafen

Von außen wirkt das Ca'Pozzo nüchtern und modern. Doch der Umbau des alten Gebäudes mit Hinterhof ist gelungen: Die insgesamt 15 Doppelzimmer sind nicht riesig, aber stil- und liebevoll gestaltet. Da die Betreiber des Ca'Pozzo sich der Förderung moderner Kunst verschrieben haben, findet man in jedem Zimmer und auch in den öffentlichen Bereichen des Hauses moderne Gemälde des italienischen Malers Michele Pornaro Borer. Das edle Inventar der Zimmer ist den Farben des jeweiligen Bildes angepasst.

Besonders schmuck sind die noch immer vorhandenen, restaurierten Trägerbalken, mit denen das Haus einstmals gestützt wurde. Öffnet man die hinter hölzernen Läden versteckten Fenster, kann man den Kopf mitten ins venezianische Leben stecken - zwischen Wäscheleinen und Hausfrauen, die sich von Fenster zu Fenster unterhalten. Durch seine Lage ist das Ca'Pozzo, abgesehen vom fernen Leuten der Kirchenglocken, aber sehr ruhig. Und auf der Terrasse - bei einigen Zimmern auch auf dem eigenen Balkon oder im kleinen Garten - kann man windgeschützt die wärmende Sonne genießen. Fernab vom Trubel der Stadt - und dennoch in komfortabler Nähe von Markusplatz, Rialtobrücke und Palazzo Ca’ d’Oro.

Diskretion

"Natürlich haben wir ihnen ein Doppelbett gegeben. Und ein Upgrade", sagt Samantha, die freundliche Rezeptionistin. Ungefragt ist das eine wirklich schöne Überraschung. Zumal wir das Hotel zum Karneval besuchen, wenn normalerweise alle Zimmer ausgebucht und die verbliebenen nur zum dreifachen des üblichen Preises zu haben sind. Morgendliches Trödeln ist auch kein Problem: Obwohl wir das "Nicht stören"-Schild nicht gefunden haben, klopft die Putzfrau bis elf Uhr nicht an. Der Vorteil kleiner Häuser, in denen die Rezeption immer weiß, wer auf seinem Zimmer ist und wer nicht.

Auftanken

Das Hotel hat keinen eigenen Wellness-Bereich. Wer baden möchte, kann aber mit dem Wassertaxi zu den breiten Stränden des Lido übersetzen.

Kerzenschein

Im Hotel wird nur Frühstück angeboten - für abendliche Restaurant-Tipps gibt es extra eine Auswahl von Venedig-Büchern an der Rezeption plus eine ausführliche individuelle Beratung. Samantha hilft gern, das zu den eigenen Wünschen am besten passende Restaurant auszuwählen und reserviert einem unkompliziert einen Tisch. Besonders empfehlenswert: Das "Ribo" (S. Croce 158) - hier speist man hervorragend unter einer riesigen Galerie von Fußballfotos, auf denen sich der schwergewichtige Restaurantbesitzer Barbani Giorigo neben Torhüterlegende Gianluigi Buffon oder Ex-Nationaltrainer Marcello Lippi ablichten ließ.

Raus aus den Federn

Für einen romantischen Tagesausflug bietet sich der Lido an, den man mit dem Vaporetto, das direkt vor dem Hotel abfährt in etwa einer halben Stunde erreicht. In dem einst mondänen Seebad, das nicht nur durch Thomas Manns "Tod in Venedig" unsterblich wurde, ist - gerade weil der Lack ein wenig ab ist - eine angenehme Beschaulichkeit eingekehrt. Von den Grand Hotels vergangener Tage sind nur noch das Excelsior und das Hotel de Bains übrig, am goldbraunen Strand führen inzwischen statt Starlets ihre Diamanten Rentner ihre Hunde spazieren. Ein idealer Ort also, um dem Trubel und der Enge der venezianischen Innenstadt für einen Tag zu entfliehen, Muscheln zu sammeln und das Stimmengewirr des Markusplatzes gegen die gleichmäßige Meeresbrandung einzutauschen.

Fazit

Sie sagt: Obwohl Venedig so viele Touristen anlockt, ist es schwer ein Hotel zu finden, das mehr ist als ein "Jein" - entweder sind die Herbergen schlicht schön, aber auch teuer. Oder sie sind günstig und dafür vollgestopft mit Porzellanhunden und Plastikblumen. Das Ca'Pozzo ist da eine löbliche Ausnahme: ein klares "Ja". Und wozu ist man in Venedig, wenn nicht um "Ja" zu sagen?

Er sagt: Rustikales Gebälk und Design-Minimalismus, schwere Holzfensterläden und moderne technische Ausstattung (vom Badezimmer bis zur Stereoanlage) - selten ist die Kombination aus Tradition und Moderne so gelungen wie hier.

Infos

Hotel Ca'Pozzo
Sottoportego Ca' Pozzo
Cannaregio 1279
30121 Venedig, Italien
Tel. +39 041 5240504, Fax +39 041 5244099
www.capozzoinn.com

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Jessica Braun und Christoph Koch