Wer sich in Tansania auf die Spuren von Hardy Krüger und der weißen Jägerin begibt, stößt im Schatten des Mount Kilimandscharo auf deutsch-ostafrikanische Geschichte inmitten wilder Natur. Von Roland Brockmann

Das Buschhotel liegt im Herzen Ostafrikas, eingerahmt von Wäldern mit dem Mount Meru© Jörg Gabriel
20:10. Frankfurt am Main, Flughafen. Nieselregen, ein kalter Wind weht. Nur weg hier, denke ich, und steige in den Ferienflieger. Rund acht Stunden Flugzeit später öffnet sich die Bordtür. Weiche Tropenluft umfängt mich. Kilimandscharo Airport. Tansania.
Vor dem kleinen Flughafen wartet bereits Jörg Gabriel neben seinem Geländewagen: Der 44-Jährige ist Besitzer der Hatari Lodge. Ein paar Kilometer Asphalt und dann, rechts abgebogen, durchqueren wir auch schon den Arusha Nationalpark. Es ist noch kühl. Die ersten Giraffen zupfen mit ihrer langen Zunge Blätter von den Akaziensträuchern.
"Wollt ihr Kaffee?", fragt Marlies, als wir dreißig Minuten später bei Jörgs Frau auf die Terrasse der Hatari Lodge in Momella treten. Ich kann das alles noch gar nicht richtig fassen. Wie im Traum blicke ich auf den höchsten Berg Afrikas, der sich am Horizont in den Morgendunst erhebt. Schnee auf dem Kilimandscharo - ich denke an Hemingway. Aber das hier ist eine andere Geschichte. Denn die Terrasse, auf der ich jetzt sitze, gehörte einst Hardy Krüger. Das Land war einst seine Farm.
Doch die deutschen Wurzeln von Momella reichen noch viel weiter, wie Jörg Gabriel erzählt: "Genau hier kam vor hundert Jahren Margarete Trappe mit ihrem Mann an. Allerdings nach monatelanger Fahrt mit dem Dampfer und schließlich tagelangen Märschen mit einer Trägerkolonne."
Das Jahr 1907. Tansania hieß noch Deutsch-Ostafrika. Die Tochter eines deutschen Gutsbesitzers wollte sich einen Traum erfüllen: eine Farm in Afrika. Zunächst lebte das Ehepaar im Zelt, täglich ritt Barbara Trappe durch den Busch und schoss vom Sattel aus - nicht aus Sport, sondern um das Wild zu verkaufen. Unter den Einheimischen machte sie sich bald einen Namen als "die weiße Jägerin".
Erst ein halbes Jahrhundert später kam Hardy Krüger." Auf dem Gelände der ehemaligen Trappe-Farm hatte er an der Seite von John Wayne "Hatari" gedreht - der Hollywood-Klassiker über weiße Tierfänger machte die Safariwelt überhaupt erst einem breiteren Publikum bekannt. Krüger ahnte diesen Trend und baute neben seiner Farm eines der ersten Touristenhotels in Tansania.
"Bis heute hat sich nicht viel vereändert," erklärt Jörg, während wir schon wieder im Jeep sitzen, um das alte Hotel von Krüger zu besichtigen. Selbst der Swimmingpool, in den laut Hardy Krügers Erinnerungen mal ein Flusspferd gestürzt war, liegt noch immer idyllisch vor der Kulisse des Mount Meru.
Und an der Bar, wo einst auch die Filmcrew nach Drehschluss ihren Whiskey trank, kann man wie einst John Wayne eine Drink vor dem Kamin nehmen. Allerdings wurde das Hotel inzwischen von einem lokalem Besitzer ziemlich runtergewirtschaftet; denn auch Hardy Krüger hatte irgendwann Farm und Hotel aufgeben müssen.
Mehr Informationen www.hatarilodge.com
Der Kilimandscharo Flughafen wird fünf Mal in der Woche
von KLM via Amsterdam angeflogen und einmal pro Woche ab Frankfurt von Condor.