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23. September 2005, 10:47 Uhr

"Im Dirndl gibt's koa Sünd"

Dirndl und Lederhosen sind auf dem Oktoberfest Pflicht. Dass die traditionelle Trachtenmode auch sexy sein kann, stellt "Wiesn-Playmate" Thessa Gierer unter Beweis.

"Wiesn-Playmate" Thessa Gierer© Florian Lohmann für Playboy 10/05

Bunte Röcke, Spitzenblusen, Leserhosen - zum Oktoberfest boomt die Trachtenmontur. Nicht nur auf der Wiesn, auch beim abendlichen Tanz, in den Gaststätten und auf den Straßen in München sind mehr denn je Frauen in Dirndl und Männer in Lederhosen unterwegs. Etwa die Hälfte der Besucher kommen in Tracht. Während besonders die Jugend noch vor einigen Jahren in Jeans und T-Shirt auf die Wiesn marschierte, kommen selbst Teenager heute traditionell herausgeputzt daher.

Auch die erotische Komponente darf bei der Trachtenmode nicht zu kurz kommen. "Wiesn-Playmate" Thessa Gierer macht es vor. Im engen Dirndl ist sie in der neusten Playboy-Ausgabe zu sehen und verstärkt damit den Nachahm-Effekt: In den Kaufhäusern drängen auch nach Wiesn-Start noch Trachtenhungrige in die einschlägigen Abteilungen.

Silva aus Mexiko im Dirndl und mit Maßkrug auf dem Oktoberfest© Reuters

Die Gründe für den Trachtenboom bleiben indessen vage. Die Tracht symbolisiere Zugehörigkeit, Geborgenheit und Heimat, meint Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl. "Die Tracht bedeutet Besinnung auf traditionelle Werte. Im Zeitalter von Massenmedien und Entpersonalisierung hat der Mensch ein Bedürfnis nach Heimat." Bei den jüngeren Menschen sei es auch der Wunsch, dabei und "hip" zu sein. Vollständig erklären kann aber auch Weishäupl den Trend nicht: "Es ist wie ein Zwang zur Kostümierung."Die Münchner Tourismus-Chefin selbst trägt die Tracht von Berufs wegen: "Das wird so erwartet - vor allem im Ausland und bei Fototerminen." Um sich in ihr Festdirndl zu gewanden, braucht sie 20 Minuten. Denn am Mieder muss säuberlich eine zwei Meter lange Silberkordel geschnürt werden. "Da muss man sich Zeit nehmen - sonst verheddert man sich."

Es gibt Dirndl und Dirndl

Weitgehend "out" ist mittlerweile die Landhausmode, man trägt wieder zumindest klassisch Nachempfundenes: bedruckte Stoffe mit Blumenrankenmuster und Streublümchen bei den Damen, Wildbock und Hirschleder bei den Herren. "Die Leute achten wieder auf Qualität - und Tracht ist Qualität." Für die traditionellen Trachtler bleiben freilich unüberbrückbare Unterschiede zur echten Tracht. Während das Dirndl von der Stange oft schon für 100 Euro zu haben ist, kann eine originale Festtags-Tracht bis zu 10.000 Euro kosten, das Ankleiden dauert schon mal eine Stunde. Bei dem derzeitigen Trend handelt es sich lediglich um Trachtenmode.

Mai
 
 
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