Tipps gegen den Stau-Stress

3. August 2012, 13:20 Uhr

Wer insbesondere im Sommer mit dem Auto in den Urlaub fährt, muss viel Gedult mitbringen: Lange Staus drohen an den neuralgischen Punkten des Autobahnnetzes. Wir geben Tipps gegen den Stau-Infarkt.

Wer in diesen Tagen auf deutschen Autobahnen unterwegs ist, hat sich laut ADAC den ungünstigsten Zeitpunkt der Saison ausgesucht: Noch ist der Urlaubsverkehr in Richtung Süden nicht vorbei, und durch den Ferienbeginn in Bayern erhält eine zweite Reisewelle aus Baden-Württemberg noch einmal richtig Schwung. Durch Heimreisende werden gleichzeitig auch die Staus länger und länger, da in Kürze in sieben Bundesländern die Schulferien enden.

Am Besten also, wenn man den absehbaren Autobahn-Ärger umgeht. Wer eine kürzere Strecke vor sich hat und früh losfährt, hat gute Chancen anzukommen, bevor der eigentliche Urlaubsverkehr einsetzt. Wer aber vom Norden in die Alpen möchte, kann fahren wann und wie er will, der Staugefahr entgeht er nicht. Selbst dort, wo nicht Baustellen für einen programmierten Stau sorgen, ist wegen des Verkehrs mit Unfällen und entsprechenden Stauungen zu rechnen.

Frühes Fahren ist dennoch attraktiv, weil die meisten Urlauber erst nach dem Frühstück aufbrechen. Vor sieben Uhr ist zudem der allgemeine Verkehr, der nichts mit einem Urlaub zu tun, deutlich reduziert. Bei extrem langen Strecken funktioniert das Modell vom frühen Start nicht mehr, irgendwann erwacht der übliche Verkehr. Sind die Strecken nicht allzu lang, sollte man statt auf der Autobahn lieber auf der Landstraße fahren. Besonders schöne Routen können aber zur Falle werden. Die kurvenreichen Alpenpässe etwa werden meist von Wohnmobilen und Motorräder dicht gemacht.

Der Nachtstart

Nie nachts fahren, wenn man nicht wirklich ausgeschlafen ist. Eine längere Nachtfahrt nach dem Arbeitsschluss draufzusatteln ist riskant und gefährlich. Dann sollte man lieber eine Fahrt in den Morgen hinein wagen. Auf keinen Fall sollte man sich abends zum raschen Einschlafen einen Schlummertrunk genehmigen. Nachtreisen sind aber nur dann eine Alternative, wenn man nachts gut fahren kann. Wer in der Dunkelheit Probleme mit den Augen oder der Konzentration hat, sollte lieber tagsüber fahren.

Keine Wachmacher

Nichts spricht gegen frische Luft, Cola oder Kaffee - aber diese Hausmittel verwandeln keinen übermüdeten Fahrer in ein Energiebündel. Konzentration und Reaktionsgeschwindigkeit sinken rapide ab. Solche Tricks führen nur dazu, dass der Fahrer in den berüchtigten Sekundenschlaf versinkt. Bei den ersten Anzeichen von Sekundenschlaf wie etwa das Verlassen der Fahrspur mit ruckartigen Gegenbewegungen, Einnicken des Kopfes oder Zufallen der Augenlider, muss bei der nächsten Gelegenheit angehalten werden. Unbedingt.

Mit Kindern fahren

"Wann sind wir denn da?" - Kaum eine Frage wird an diesem Wochenende so häufig von der Rückbank ertönen. Mit einem Kind sollte man häufig Pausen einlegen und nicht mehr als 500 Kilometer am Tag fahren. Nehmen sie viele kleine, leichte Snacks mit wie Obst, Gemüse, Trockfrüchte und Nüsse oder salzige Kekse. Nicht zu viel Süßes und Klebriges. Das gilt auch für die Getränke: Lieber Tee und Saftschorlen als süße Brausen.

Sorgen Sie für Sonnenschutz an den Fenstern und für genügend Unterhaltungsprogramm. Das muss nicht der mobile DVD-Spieler an der Kopfstütze der Vordersitze sein, sondern können auch Malbücher, Comichefte oder Hörspiele. Dazu die altbewährten Spiele ohne Zubehör wie Kennzeichen raten oder Wagen einer bestimmen Marke oder Farbe zählen.

Essen und Trinken

Auch wenn es ein bisschen nach Großmutter aussieht: eine gut gefüllte Kühltasche kann nicht schaden. Obst und leichte Getreideriegel sind zu empfehlen. Und viel, viel Flüssigkeit. In einem Wagen mit Klimaanlage setzt der Sonnenschein den Insassen nicht so wie in einem ungekühlten Gefährt. Dennoch benötigt der Körper in der Hitze viel Flüssigkeit. Denken Sie lieber in Litern als in Dosen.

Tipp: In vielen modernen Fahrzeugen kann man ein Staufach zum Kühlen benutzen. Die meisten Fahrer wissen von diesem Feature allerdings nichts. Es lohnt sich also, in der Bedienungsanleitung zu blättern.

Straßenkarte und Radio

Trotz Navigation sollte eine aktuelle Straßenkarte mitgeführt werden. Sie ist geeigneter um eine Ausweichrouten zu finden, als der kleine Bildschirm. Wer Radio hört, erfährt unter Umständen rechtzeitig von einem Stau und kann bei der nächsten Ausfahrt die Autobahn verlassen. Die Frequenzen der einzelnen Verkehrssender werden durch entsprechende Schilder entlang der Autobahnen genannt, sie stehen nach jeder Einfahrt.

Raststätten

Die Vorausschau schützt auch bei den meist nächtlichen Staus an Rasthöfen. Bereits zu Beginn der Abbiegespur ist sich auf dem Verzögerungsstreifen einzuordnen, so dass die Situation auf dem Rasthof richtig und rechtzeitig eingeschätzt werden kann. Wie bei einem Stau sollte man sich auch hier langsam, vorsichtig und bremsbereit dem Rasthof nähern und nicht mehr überraschend die Spur zurück auf die Autobahn wählen. Der Wagen sollte auf der Abbiegespur bereits abgebremst sein, denn es ist möglich, dass direkt im Einschwenkbereich der Spur schon unbeleuchtete Fahrzeuge stehen, die nur eine kleine Gasse frei lassen. Obendrein können sich auch noch Personen auf der Strecke befinden. Kurz und gut: den Bereich einer Autobahntankstelle sollte man so befahren wie den einer städtischen Tankstelle.

Weder Pinkeln noch Picknick

Auch wenn die Wartezeit lang ist, verwandelt sich die Autobahn dennoch nicht in eine Loungezone. Bleiben Sie im Auto, auch wenn es schwerfällt. Wenn der Wagen doch verlassen werden muss, ist äußerste Vorsicht angebracht. Einsatzfahrzeuge dürfen am Stau vorbei fahren, andere Fahrer machen es trotz Verbot. Mit spielenden Kindern rechnet dort niemand. Entfernen Sie sich niemals weiter als nötig vom Fahrzeug. Ein Stau kann sich sehr schnell auflösen, wenn dann ein Fahrzeug warten muss, um die Passagiere aufzunehmen, liegen die Nerven aller anderen meist blank. Hupkonzerte und Beschimpfungen sind das Wenigste. Häufig wird versucht, irgendwie an dem Hindernis vorbeizukommen. Für hinzu eilende Kinder kann das schnell zum tödlichen Ausflug werden.

Das Stauende

Während der Ferienzeit und im täglichen Berufsverkehr ist "Stop and Go"gerade bei der Fahrt entlang vielbefahrener Strecken angesagt. Aber auch Pannen, Unfälle und Baustellen sorgen oft für kilometerlange Staus. Am einfachsten ist es daher, entsprechende Streckenabschnitte und Hauptverkehrszeiten zu meiden. Da dies in der Realität leider kaum umsetzbar ist, sollte man stets Vorsicht walten lassen, wenn Verkehrszeichen wie beispielsweise Baustellenschilder auf ein Staurisiko hindeuten. Erhöhte Aufmerksamkeit ist ferner vor Kurven und Hügelkuppen gefragt, da ein Stauende erst spät einsehbar ist. Ebenso reduziert eine regelmäßige Information über den Verkehrsfunk die Gefahr eines Auffahrunfalls.

Angemessen abbremsen

Beim frühzeitigen Erkennen eines Stauendes soll die Geschwindigkeit rechtzeitig und gleichmäßig verringert werden. Bei unübersichtlichen Situationen ist es besser, einmal zuviel abzubremsen, als auf das Glück zu vertrauen und dann von der Vollbremsung des Vordermannes überrascht zu werden. Keinesfalls sollte man forsch an das Ende des Staus heranfahren. Sofortiges, rabiates Abbremsen bei ersten Anzeichen eines Staus kann den Hintermann allerdings übel überraschen. Das Einschalten der Warnblinkanlage informiert die folgenden Fahrzeuge über den stehenden Verkehr, denn sie sind die eigentliche Gefahr.

Abstand im Stand

Empfehlenswert ist laut der Zeitschrift "Auto Tests" auch im Stand ein Abstand zum Vordermann von mindestens drei bis vier Wagenlängen. Im Notfall kann so ausgewichen werden, wenn ein zu schnell fahrendes Fahrzeug von hinten heran rauscht. Schnelle Reaktionszeit und Beobachtung des ankommenden Verkehrs ist in den ersten Minuten enorm wichtig. Immer wieder fahren Fahrzeuge in ein Stauende. Besonders gefährlich sind Lkw und Busse. Sie können sogar mehrere Fahrzeuge ineinanderschieben. Abstand ist hier also wichtig. Besondere Vorsicht ist auch angebracht, wenn man hinter einem LKW zum Stehen kommt. Wer von hinten unter den Aufbau vorn gedrückt wird, hat kaum eine Überlebenschance. Hat sich erst ein hundert Meter langer "Schwanz" hinter dem eigenen Wagen aufgebaut, ist die größte Gefahr vorbei. Ist ein Crash jedoch unvermeidlich, sollte man den Körper fest in den Sitz sowie den Kopf gegen die Kopfstützen pressen und sich keinesfalls abschnallen.

Standstreifen und Rettungsgasse sind tabu

Die Sonne scheint, die Zeit verrinnt und nichts passiert. Immer wieder kommen dann Fahrer auf die Idee die Wartezeit abzukürzen, indem sie auf dem Standstreifen oder gar auf einer Rettungsgasse an den anderen vorbeifahren. Ganz Wilde kommen sogar auf die Idee sich hinter ein Einsatzfahrzeug zu hängen und den Blaulichteinsatz als "Eisbrecher" zu nutzen. Das ist nicht nur verboten sondern auch unverantwortlich gefährlich. Das "Eisbrechermodell" hat härteste Konsequenzen zur Folge. So jemand beweist, dass er nicht in der Lage sich in den Verkehr einzuordnen. Beim Befahren von Gassen und Standstreifen warten neben der Strafe zahlreiche Gefahren. Türen können sich öffnen, Wagen ausscheren, andere Fahrzeuge regulär abbiegen. Jedes Mal liegt das Verschulden beim Abkürzer. Man sollte sich auch von anderen Fahrern nicht provozieren lassen, es ihnen gleichzutun, auch wenn es schwer fällt. Insbesondere Motorradfahrer scheinen häufig an ein "Zwei-Rad-Recht" zu glauben, dass ihnen das Warten im Stau erspart. Dieses Recht existiert natürlich nicht.

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