Heimat-Trekking vor der Haustür

Im Allgäu vom Himalaya träumen, im Rhön-Wald untertauchen: Die Autoren von "Geo Saison" empfehlen zwei Wanderrouten, für die sie immer wieder die Stiefel schnüren würden. Von Katja Trippel und Dirk Lehmann

Usedom, Kamminke, Helgoland, Düne, Sommerfrische, Geo Saison

Oberhalb der Baumgrenze: Fernblick in den Bergen©

Im Hochgebirge: Der Allgäuer Nanga Parbat
In der Wiese unter dem Laufbacher Eck, dem 2178 Meter hohen Gipfel des gleichnamigen Wanderwegs, habe ich mein Lieblingsmesser verbummelt. Es geschah beim Picknick, mir war nach der Zickzack-Überquerung der monstersteilen Grashänge wohl zu euphorisch zumute, außerdem lenkte mich das Panorama vom konzentrierten Semmelschmieren ab: Fast senkrecht ragen hier die vier Zacken der Höfats, auch "Allgäuer Nanga Parbat" genannt, vom Oytal in den Himmel, dahinter türmen sich die zerklüfteten Hochalpen auf.

Vermutlich ist es in Richtung des blau funkelnden Seealpsees gekullert, oder das Blumenmeer aus Enzian und Eisenkraut hat es verschluckt. Wer zufällig darüber stolpert - es ist ein Opinel mit reingeschnitzten Herzchen -, bekommt als Finderlohn ein köstliches Glas frische Buttermilch auf der Käseralpe beim Abstieg spendiert. Und der Chor der Murmeltiere wird zum Dank ein Pfeifkonzert anstimmen.

Infos

www.oberstdorf.de; Beschreibung der nicht ganz leichten Wanderung ab Nebelhorn.

Übernachten

Prinz Luitpold Haus: Auf 1846 Metern steht diese Hütte, umgeben von den grauen Gipfeln der Allgäuer Alpen. Deftige Bergsteigerkost und günstige Schlafstätten im Mehrbettzimmer machen das Haus zum beliebten Ziel für Alpinisten, Klettersteiggeher und Wanderer. Über Bad Hindelang, Tel. 08322- 70.01 54, www.prinz-luitpoldhaus.de; Schlafplatz ab 16 Euro.

Im Mittelgebirge: Tage auf dem Hochrhöner

"So, hier ist Schluss", sagt der Taxifahrer. Er hält an einem Forstweg und nickt mit dem Kopf in Richtung des Waldsaums. Wir stehen mitten in Deutschland und doch in einer Abgeschiedenheit, die man kaum für möglich hält. "Weiter darf ich nicht fahren." Er öffnet den Kofferraum, und wir laden uns die Rucksäcke auf. Rund 20 Euro hat die Fahrt von Bad Kissingen an den Start des Wanderwegs gekostet. In der Stadt hatte man uns dazu geraten, die ersten Kilometer seien "eher öde", aber dann werde der Weg "ein Traum".

Der Hochrhöner ist ein Premium-Wanderweg, dieses Siegel wird vom Deutschen Wanderinstitut vergeben, es zeichnet Wege aus, die besonders abwechslungsreich sind. Anfangs geht es einen Forstweg hinauf, dann folgen wir schmalen Pfaden, die sich durch dichten Mischwald winden, Hügel hinauf, Hügel hinab. Wir queren über Holzstege ein Moor, schauen den Segel- und Modellfliegern auf der Wasserkuppe zu, dem höchsten Berg der Rhön, und verschwinden dann erneut im dichten Grün. Schon nach wenigen Minuten hat uns der Wald verschluckt, Vögel zwitschern, der Wind rauscht in den Baumkronen. Erst morgen Abend werden wir wieder auftauchen.

Infos

www.rhoentourist.de: Auf der Website findet man eine genaue Beschreibung aller Etappen des rund 175 Kilometer langen Wanderweges "Hochrhöner". Der von uns favorisierte Abschnitt beginnt kurz hinter Bad Kissingen und endet in Tann, von wo aus man per Bus leicht nach Fulda kommt und damit Anschluss an das ICE-Netz hat.

Übernachten

Rhönhäuschen: Rote Ziegel, eine in den Jahren gedunkelte Holzfassade: Tief im Wald liegt dieses bezaubernde Hotel. Die Zimmer sind klein, dafür ist das Essen sehr gut, und das vorzügliche Frühstück stärkt für die nächste Etappe. Bischofsheim, Rhönhaus 1, Tel. 09772-3 22, www.rhoenhaeuschen.de; DZ/F ab 85 Euro.

Lothar Mai Haus: Zwischen Wiesen und Wald, mit Blick auf eine sanfte Hügellandschaft und ihre Lichtungen, steht entlegen dieses Hotel, das den Namen des Mannes trägt, der hier in den Fünfzigerjahren ein Ferienhaus für die Eisenbahnarbeiter des Ausbesserungswerks in Fulda bauen ließ. Für deren Nachfolger (Angestellte sind auch willkommen) und alle anderen Gäste gibt es sogar ein hübsches Schwimmbad und eine kleine Wellness-Abteilung. Hofbieber-Steens, Lothar-Mai- Str. 1, Tel. 06657-9 60 80, www.hotel-lothar-mai-haus-rhoen.de; DZ/F ab 106 Euro.

Lesen Sie am Donnerstag, den 5. Juli, auf stern.de:
Reisetipps Deutschland, Teil 3: die Radtouren

Übernommen aus

Übernommen aus "Geo Saison", Heft 7/2012, wo Sie weitere Tipps der Reiseexperten für Sommerziele in Deutschland finden - für 5 Euro am Kiosk.

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